Als Adi Hütter im Sommer 2018 voller Ehrfurcht die Bundesliga-Bühne betrat, wirkte der Fußball-Lehrer aus Österreich fast wie ein staunendes Kind. Ein Dreivierteljahr später staunt die Branche über den Trainer von Eintracht Frankfurt.

Unter Hütters Führung sorgen die Hessen sowohl national als auch international für Furore. „Das macht mich wahnsinnig stolz, weil man uns das auch nicht zugetraut hat. Ich muss mich manchmal selbst ein bisschen zwicken, weil es außergewöhnlich ist, was wir in diesem Jahr geleistet haben“, sagt Hütter über den Höhenflug.

In der Bundesliga winkt der Eintracht zwei Spieltage vor Saisonende trotz der jüngsten 1:6-Pleite in Leverkusen als Tabellenviertem der erstmalige Einzug in die Champions League. In der Europa League geht es im Halbfinal-Rückspiel beim FC Chelsea an diesem Donnerstag um den erstmaligen Einzug ins Finale eines internationalen Wettbewerbes seit 39 Jahren. „Adi Hütter hat einen ganz großen Anteil daran - auch wenn er das manchmal etwas wegtut. Er hat mit seinem Willen den Fußball der Eintracht und die Mannschaft geprägt“, lobt Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner die erfolgreiche Arbeit des 49-Jährigen.

Unabhängig vom Ausgang kann der Verein die Spielzeit schon jetzt als vollen Erfolg und Quantensprung in der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung verbuchen. Das erfreut nicht nur die Vereinsbosse, sondern auch die euphorischen Fans, die den Trainer regelmäßig feiern. „Das zeigt die Anerkennung für das, was hier geleistet wurde“, sagt Hütter.

Dabei schien es anfangs, als sollten die Spuren des im vorigen Sommer zum FC Bayern München abgewanderten Niko Kovac für Hütter zu groß sein. Im ersten Pflichtspiel setzte es im Supercup ausgerechnet bei der Rückkehr seines Vorgängers eine 0:5-Klatsche gegen die Bayern, im DFB-Pokal scheiterte der Cupverteidiger schon in Runde eins beim Viertligisten SSV Ulm und auch in der Bundesliga legte die Eintracht mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen einen Fehlstart hin.

Doch Hütter, der in der Vorsaison die Young Boys Bern in der Schweiz nach 32 Jahren wieder zum Meistertitel geführt hatte, ließ sich davon nicht entmutigen. Konsequent verfolgte er seine Philosophie, mutigen und attraktiven Offensivfußball spielen zu lassen. „Er hatte es am Anfang schwer. Wie er das gelöst hat, mit Ruhe und ohne Aktionismus, das hat er schon gut gemacht“, lobt Hübner.

Geholfen haben Hütter dabei die Erfahrungen, die er vor seinem mittlerweile viel bestaunten Engagement in Frankfurt in Österreich und der Schweiz sammelte. In fast 400 Pflichtspielen in 13 Trainerjahren holte er sich das nötige Rüstzeug, um im Haifischbecken Bundesliga zu bestehen.

Sein Erfolgsgeheimnis beschrieb Hütter, der wie sein Co-Trainer Christian Peintinger in einem Mietshaus im Frankfurter Stadtteil Höchst wohnt, unlängst in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem Satz: „Ich vermittle die Haltung, an etwas zu glauben.“

Der frühere Mittelfeldspieler, der 14 Länderspiele für sein Heimatland bestritt und mit Salzburg dreimal Meister wurde, steht für seine Überzeugungen. Dadurch ist es ihm gelungen, seine Spielideen in die Köpfe der Akteure zu bekommen. „Er hat einen guten Zugang zur Mannschaft, findet die richtigen Worte“, würdigt Sportvorstand Fredi Bobic die Arbeit des Trainers. Das soll auch am Donnerstag in London an der Stamford Bridge klappen, um nach dem 1:1 im Hinspiel das Ticket für das Europa-League-Endspiel am 29. Mai in Baku zu lösen.

Steckbrief Hütter