Auch die verspätete Anreise nach Istanbul konnte das Vertrauen in die neu entdeckte Auswärtsstärke bei Borussia Mönchengladbach nicht erschüttern.

Entsprechend eindeutig sind die Forderungen vor dem bereits richtungsweisenden zweiten Gruppenspiel in der Europa League bei Basaksehir Istanbul am Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN). „Nach der Heimniederlage gegen Wolfsberg müssen wir in Istanbul im besten Fall gewinnen, um in der Gruppe den Anschluss zu behalten“, formulierte Sportdirektor Max Eberl unmissverständlich vor dem um zweieinhalb Stunden verspäteten Abflug.

Nach der Landung in Istanbul legte Trainer Marco Rose dann nach. „So eine europäische Gruppenphase hat halt nur sechs Spiele. Danach wollen wir unter den ersten beiden sein. Wenn du dann das erste Spiel verlierst, sollte man mal anfangen zu punkten, ganz klar“, sagte der Borussen-Coach, der auf einen weiteren Auswärtssieg setzt.

Alle vier Pflichtspiele in dieser Saison gewann die Borussia bislang unter ihrem neuen Coach. Einen solchen Start in die Liga legte die Borussia zuletzt vor 43 Jahren - in der bisher letzten Meistersaison. „Dass wir auswärts so erfolgreich spielen können, gibt uns ein gutes Gefühl. Wichtig ist, dass wir diese Leistungsbereitschaft auch mitnehmen. Wir dürfen nicht glauben, dass es mit weniger geht. Wir müssen noch mehr investieren“, forderte Eberl. „Wir gehen mit voller Power rein“, versprach Torhüter Yann Sommer daher. „Wir wollen zeigen, dass mit uns in dieser Gruppe noch zu rechnen ist. Wir müssen einfach so auftreten wie in der Bundesliga.“

Auch die deutliche Verspätung wegen eines Notfalls auf einem vorherigen Flug an Bord der gebuchten Chartermaschine und der dadurch durcheinander gebrachte Ablauf in Istanbul störte Borussia kaum in ihrer Zuversicht, die nur kurz nach dem desaströsen 0:4 gegen den österreichischen Provinzclub vor zwei Wochen weg war. „Mein Lebensmotto ist, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen“, sagte Rose.

In der Türkei wurden die Gladbacher mit sommerlichen Temperaturen von knapp 30 Grad empfangen. Ungewöhnlich dürfte am Donnerstag beim türkischen Vize-Meister auch die Atmosphäre im Fatih-Terim-Stadion sein. Gerade einmal 17.000 Zuschauer fast das Stadion. Die fanatische Stimmung wie in vielen türkischen Stadien wird es wohl nicht geben. Der Zuschauerschnitt beim Herzensclub des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan liegt bei unter 5000. Ein Großteil der Zuschauer am deutschen Feiertag dürfte vom Niederrhein kommen.

Der erst 2014 gegründete und von staatlichen Firmen großzügig unterstützte Retortenclub aus Istanbul verlor wie die Borussia am ersten Europa-League-Spieltag 0:4, allerdings bei AS Rom. Der Druck für Basaksehir ist somit nicht weniger groß. Bereits am zweiten Spieltag steht ein richtungsweisendes Spiel für beide Teams an. Wer verliert, hat schon deutlich geringere Chancen aufs Weiterkommen - insbesondere für die Gladbacher ist dies aber das Minimalziel.

Bislang scheiterten die Gladbacher bei zwei Gruppen-Teilnahmen in der Europa League (2012/2013 und 2014/2015) noch nie in der Vorrunde. Beide Male startete Borussia ebenfalls nicht gut. 2012 standen nach den ersten beiden Spieltagen nur ein Punkt, zwei Jahre später nur zwei Zähler zu Buche. „Jetzt gilt es einfach, dass wir in der Europa League in die Spur finden. Wir wollen in allen drei Wettbewerben so weit wie möglich kommen“, forderte Verteidiger Stefan Lainer.

Auf Kapitän Lars Stindl müssen Rose und die Borussia noch verzichten. Nach seinem Schienbeinbruch im April ist der Nationalspieler zwar seit einiger Zeit wieder im Training und wäre gerne mitgeflogen. „Aber er ist noch keine Option“, sagte Rose. Stattdessen ist in Connor Coß ein A-Jugendlicher erstmals dabei.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Basaksehir Istanbul: Mert - Caicara, Skrtel, Epureanu, Clichy - Mahmut - Visca, Can, Aleksic, Gulbrandsen - Crivelli

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Zakaria - Neuhaus, Kramer - Embolo - Thuram, Plea

Schiedsrichter: Stuart Attwell (England)

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