Ein wenig Erleichterung schwingt bei der Bundestrainerin mit, als sie nach der Partie gegen China vor die Presse tritt. Mit 1:0 setzte sich die deutsche Nationalmannschaft in ihrer ersten Vorrundenpartie in Rennes durch. Doch das Spiel gegen China offenbarte auch, dass an einigen Stellen nachjustiert werden muss.

In der Offensive läuft es von Beginn an gut, das Spiel startet tempo- und chancenreich:Svenja Huth und Giulia Gwinn machen auf den Außenbahnen Druck, Sara Däbritz und Dzsenifer Marozsan sind im Mittelfeld fast immer wieder anspielbar. Däbritz‘ Distanzschuss in der 3. Spielminute segelt knapp am Tor vorbei. Ein Kopfball von Alexandra Popp – nach Flanke von außen – landet auf der Latte (19.). Der Abschlusswille ist da, an der Umsetzung hapert es.

„Grenzwertig, was da passiert ist“ – China sieht viermal Gelb

Und trotz deutscher Dominanz – mit 18 zu 4 Torschüssen – kommen die Chinesinnen zu richtig guten Möglichkeiten: Nach einem Fehlpass von Sara Doorsoun in der 14.Minute, verpassen die Chinesinnen den direkten Abschluss. Doorsoun bekommt den Fuß dazwischen und macht ihren Fehler wieder weg. In der 38. Minute braucht es mehrere Versuche den Ball zu klären und ihn aus dem Strafraum der deutschen Torhüterin Almuth Schult zu bekommen.

„Wir sind sicherlich von der Härte überrascht gewesen“, sagt Martina Voss-Tecklenburg. Denn was sich in der ersten Halbzeit andeutet, steigert sich nach der Pause: Die Chinesinnen gehen hart in die Zweikämpfe, sehen im Lauf des Spiels vier gelbe Karten. Und das war von der Unparteiischen aus Kanada noch großzügig. „Es war teilweise grenzwertig, was da passiert ist“, sagt die Bundestrainerin.

Essenerin Lena Oberdorf stellt neuen Rekord auf

Mehrere Spielerinnen waren bereits im Vorfeld der Partie angeschlagen, nach der Halbzeitpause wählte sie deshalb einen taktischen Wechsel. Für Außenverteidigerin Carolin Simon kam Lena Oberdorf ins Spiel – und stellte dabei einen neuen Rekord auf, den bislang Birgit Prinz hielt: Oberdorf ist mit 17 Jahren, die jüngste WM-Debütanten der deutschen Nationalmannschaft. Die Essenerin rückte ins zentrale Mittelfeld, Giulia Gwinn auf die linke Außenverteidiger-Position und Sara Däbritz auf den Flügel.

„Wir brauchten physische Präsenz im Mittelfeld und wenn man das mit der Jüngsten erreichen kann, dann spricht das auch für Lena“, wertet die Bundestrainerin ihre Entscheidung. Die richtige, wie sich herausstellt: Denn Oberdorf bringt bei ihrem Weltmeisterschafts-Debüt und erst fünften Spiel für die Nationalmannschaft Ruhe ins Mittelfeld. In einer Phase in der Partie, in der die Chinesinnen immer besser ins Spiel finden und den Deutschen, vor allem in der Defensive, die notwendige Gelassenheit fehlt.

Giulia Gwinn zieht vom Strafraum ab – 1:0

In der 66. Minute zahlt sich der Mut zum Abschluss aus: Giulia Gwinn, mit 19 Jahren die drittjüngste Spielerin im deutschen Team, zieht nach einem Eckball von der Strafraumgrenze ab. Das 1:0. „Ich hatte ein bisschen Platz den Ball anzunehmen, eine Lücke gesehen und dachte ich zieh einfach mal ab“, sagt Gwinn, die in der kommenden Saison vom SC Freiburg zum FC Bayern München wechselt, nach dem Spiel. Die richtige Entscheidung. Denn mit ihrem Tor sichert sie sich und ihren Teamkollegen den ersten Sieg in der Vorrundengruppe B.

Für die deutsche Nationalmannschaft geht es am Mittwoch, 12. Juni, weiter. In Valenciennes treffen sie um 18 Uhr auf Spanien. Vier Tage hat das Trainerteam um Martina Voss-Tecklenburg also, um aus der Auftaktpartie ihre Schlüsse zu ziehen und ihre Mannschaft auf das Spiel gegen Spanien einzustellen.

Aufstellung und Daten des Spiels

Deutschland: Schult (VfL Wolfsburg) - Hendrich (Bayern München), Hegering (SGS Essen), Doorsoun (VfL Wolfsburg), Simon (Olympique Lyon - 46. Oberdorf (SGS Essen)) - Leupolz (Bayern München - 63. Magull (Bayern München)), Däbritz (Bayern München) - Gwinn (SC Freiburg), Marozsán (Olympique Lyon), Huth (Turbine Potsdam - 86. Schüller (SGS Essen)) - Popp (VfL Wolfsburg)
China: Peng - Lin, Wu, Han, Shanshan Liu - Jiahui Lou (33. Tan), Zhang, Yao (46. Shuang Wang), Gu - Yang (69. Song), Shanshan Wang

Schiedsrichterin: Marie-Soleil Beaudoin (Kanada)

Zuschauer: 15238


Tore: 1:0 Gwinn (66.)


Gelbe Karten: Oberdorf (1) / Shanshan Wang (1), Yang (1), Shanshan Liu (1), Shuang Wang (1)


Beste Spielerinnen: Leupolz, Gwinn / Peng, Yang