Champions League Kovac gibt richtige Impulse - Befreiung wie einst van Gaal

Die Münchner Spieler feiern den 5:1-Sieg über Benfica Lissabon nach dem Spiel mit den Fans. Foto: Matthias Balk
Die Münchner Spieler feiern den 5:1-Sieg über Benfica Lissabon nach dem Spiel mit den Fans. Foto: Matthias Balk © Foto: Matthias Balk
München / Von Christian Kunz, Klaus Bergmann und Martin Moravec, dpa 28.11.2018

Chefkritiker Uli Hoeneß verließ die Arena diesmal mit einem breiten Lächeln. In höchster Bedrängnis hatte Trainer Niko Kovac das Fußball-Starensemble des FC Bayern zu der Reaktion geführt, die der Präsident mit seiner „Slapstick“-Schelte gefordert hatte.

„Ich hoffe, dass das ein Befreiungsschlag ist“, resümierte Kovac, für den diese erlösende Münchner Champions-League-Nacht auch persönlich zum Wendepunkt werden soll. „Die Spieler sehen, dass das, was wir ihnen an die Hand geben, schon sinnvoll ist. Nur sie müssen es eben 90 Minuten mit Leben füllen“, fasste Kovac zusammen.

Eine übergroße Erleichterung war Kovac nach dem 5:1 (3:0) gegen Benfica Lissabon und dem vorzeitigen Achtelfinaleinzug nicht anzusehen. Stattdessen ist der nach Wochen mit heftiger Kritik gereizte Kroate anscheinend zum Jetzt-erst-recht entschlossen. Auf der Jahreshauptversammlung am 30. November werden sich auch Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wieder verbal positionieren müssen. „Ich bin sehr zufrieden“, lautete Hoeneß' knapper Kommentar am Dienstagabend nach dem nächsten Schritt zum Gruppensieg.

Nach den Spekulationen über Entlassungszenarien und Nachfolger im Vorfeld der Partie befreite sich Kovac mit einem Sieg, wie es einst Louis van Gaal als Bayern-Trainer im Dezember 2009 geglückt war. Vor dem letzten Gruppenspieltag bei Juventus Turin war die Entlassung des extrovertierten Niederländers ausgemachte Sache. Doch das 4:1 in Italien war die Wende im Wirken van Gaals. Am Saisonende gab es als Trophäen Meisterschale und DFB-Pokal, dazu den Einzug ins (gegen Inter Mailand verlorene) Champions-League-Finale.

„Eine große Mannschaft, große Spieler, stehen auf, wenn es schwierig ist“, sagte Arjen Robben. Aber der betagte Bayern-Jahrgang 2018/19 ist eben auch eine Mannschaft, in der es offenkundig eine Opposition gegen Kovac gibt. „Man sprach von Vieren, die gegen uns seien, aber man sprach nicht von denen, die auf unserer Seite sind“, widersprach der kämpferische Kovac diesmal nicht den Berichten über Misstöne.

Kovac wertete den Auftritt als klares Votum für sich. Die vor 70.000 Zuschauern zelebrierte Umarmung von Franck Ribéry nach dessen Auswechslung war das sichtbarste Zeichen dafür. „Dieser Sieg ist schön für die Gemütslage. Wir haben in den letzten Wochen immer wieder Nackenschläge bekommen“, sagte Kovac. Seine Jobgarantie wurde verlängert. „Selbstverständlich“ werde Kovac auch am Samstag im Ligaspiel beim SV Werder Bremen auf der Bank sitzen, versicherte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Der Abend spricht für sich. Die Mannschaft hat die Antwort auf dem Platz gegeben. Sie hat wieder wie Bayern München gespielt“, sagte der kleinste der Münchner Bosse.

Die Doppelpacks von Robben und Robert Lewandowski sowie ein Treffer von Ribéry retteten Kovac - Stand jetzt. Denn schon eine weitere Bundesliga-Enttäuschung des Tabellenfünften gegen Verfolger Werder brächte alles neu ins Wanken - oder gleich zum Umsturz? „Wenn du Samstag nicht gewinnst, ist wieder Unruhe“, bemerkte Robben.

In „stürmischen Zeiten“, wie es Thomas Müller nannte, beförderte Kovac den Stimmungsumschwung aktiv mit taktischen und personellen Maßnahmen. Er zeigte echte Trainerqualitäten. Die Doppelsechs Joshua Kimmich/Leon Goretzka brachte mehr Stabilität. Müller setzte als Freigeist im offensiven Mittelfeld Akzente. Ein „guter Zug des Trainerteams“ sei das gewesen und „für die Zukunft eine gute Idee“, sagte Kovac. Beim FC Bayern muss ein Trainer selbstbewusst auftreten.

Während Salihamidzic Kontakte zu Arsène Wenger als möglichen Kovac-Nachfolger ebenso wie Überlegungen über einen neuen Trainer dementierte, betonte Kovac einmal mehr die gefühlte Rückendeckung. „Das Vertrauen habe ich immer gespürt. Und ich gehe auch davon aus, dass das Vertrauen weiterhin so Bestand haben wird, wie es war.“

Die 90 Minuten und fünf Tore gegen den europäisch zweitklassigen Gegner Benfica kann aber nur ein erster Schritt beim Neuanfang gewesen sein. Weitere Resultate und Leistungen müssen folgen. „Dass wir Qualitäten haben, haben wir gewusst. Aber diese Qualitäten kann man nicht nur verbal äußern, sondern man muss es mit Leistung hinterlegen“, sagte Kovac. Er wird nun auch nach außen fordernder. Die Botschaft scheint bei den Stars angekommen zu sein. „Mit dem Trainer können wir noch besser spielen“, sagte Lewandowski, der die 50-Tore-Marke in der Königsklasse knackte.

Viel Arbeit wartet weiter auf und neben dem Platz. „Wir haben Einiges zu tun und werden einige Sachen im Winter und im Sommer tun“, sagte Salihamidzic und deutete damit schon vor dem größeren Umbruch nach der laufenden Saison personelle Anpassungen im Januar 2019 an. Doch bis Weihnachten wollen die Münchner erstmal ihr Bundesliga-Problem lösen. „Bremen ist ein Spiel, wo wir nachlegen möchten“, sagte Kovac.

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