München / Von Christian Kunz, Manuel Schwarz und Philip Dethlefs, dpa

Jürgen Klopp ballte immer wieder die Faust. Völlig euphorisiert ließ sich Liverpools Trainerheld von den Fans feiern.

Nach einer „großen Nacht“ und einem denkwürdigen Spiel gegen den langjährigen Rivalen FC Bayern verließ der 51-Jährige die Münchner Arena-Katakomben mit einem Dauergrinsen. „Wir sind zurück auf der Landkarte des internationalen Fußballs. Dort gehört der Club hin“, pries Klopp nach dem Viertelfinal-Einzug in der Champions League die besondere Bedeutung dieses Erfolgs.

Ein bisschen Koketterie war bei Klopps pathetischen Aussagen dabei. Immerhin stand seine Millionen-Truppe im Vorjahr im Endspiel. Doch im Vergleich zur Vorsaison wirkt das Ensemble um die beim 3:1 in München herausragenden Torschützen Sadio Mané (2) und Virgil van Dijk weiter gereift. Es demonstrierte mehr Klasse und Persönlichkeit als die in die Jahre gekommene Münchner Rekordmeister-Riege. „Der Erfolg bedeutet mir alles. Es gibt nicht so viele Mannschaften, die auswärts bei den Bayern gewinnen oder sie aus der Champions League rausschmeißen“, schwärmte Klopp.

Seit 2015 arbeitet der frühere Dortmunder Erfolgstrainer für den englischen Kultclub. Was ihm aber fehlt, ist eine Trophäe. 1990 feierten die Reds letztmalig die englische Meisterschaft. Ein Triumph in der Premier League steht beim aktuellen Tabellenzweiten noch höher im Kurs als der Champions-League-Gewinn.

„Ich hoffe, dass es am Ende keine Landesmeisterschaft wird“, sagte Klopp mit Blick auf vier verbliebene englische Teams im Viertelfinale der Königsklasse. Außer Liverpool, den Manchester-Teams City und United sowie Tottenham kämpfen Barcelona, Porto, Juventus und Ajax um die Meriten. Eine deutsche Mannschaft ist im Viertelfinale erstmals seit 2006 nicht mehr dabei.

Wieder einmal ärgerte der Vollgas- und Emotions-Trainer Klopp den FC Bayern. „Er hat es geschafft, unsere Stärken aus dem Spiel zu nehmen“, sagte sein früherer Dortmunder Schützling Mats Hummels, der den Ex-Coach noch auf dem Rasen umarmte und ihm gratulierte.

Titel in Meisterschaft und Pokal feierte Klopp mit dem BVB schon gegen die Münchner, die aber 2013 dessen internationale Krönung im deutschen Champions-League-Endspiel von Wembley verhinderten. Besonders „süß“ sei der Sieg gegen den FCB deswegen nicht, beteuerte der 51-Jährige in seiner sechsten Königsklassen-Saison. „Ich wollte für Liverpool und nicht gegen Bayern gewinnen.“

Das „Ausrufezeichen“ (Klopp) löste Euphorie in der Heimat aus. „In all den Jahren gab es so viele große europäische Abende für Liverpool. So viele unvergessliche Auswärtsspiele. Aber dieser nachdrückliche Sieg gegen Bayern München gehört zu den besten“, schwärmte der „Telegraph“. Klopps K.o.-Bilanz auf dem Weg in Europacup-Endspiele bleibt makelos mit dem FC Liverpool. In neun Duellen mit den Reds kam er neunmal weiter.

Dass Klopp einmal mehr und diesmal von der mit einem schicken Hut ausstaffierten Bayern-Legende Franz Beckenbauer als ein möglicher Münchner Coach für die Zukunft ins Spiel gebracht wurde, passte ins Bild des Abends. „Jürgen Klopp beim FC Bayern? Das wäre ein Höhepunkt“, erzählte der 73 Jahre alte Beckenbauer bei Sky.

Der Gelobte tat die kaiserliche Plauderei humorvoll ab. „Ich hoffe nicht, dass die Bayern in der nächsten Zeit eine Notwendigkeit haben. Ich habe auch keine“, sagte Klopp. „Aber wenn Franz Beckenbauer gut über mich spricht, dann freut das meine Mutter und mich.“