Es waren dramatische Szenen am Samstag in Kiew. Schluchzend lag Loris Karius, Torhüter des FC Liverpool, geboren und aufgewachsen in der Nähe von Biberach, kurz nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Gerade hatte er mit zwei kapitalen Patzern großen Anteil an der 1:3-Pleite seines Teams im Champions-League-Finale gegen Real Madrid gehabt.

Am Tag nach der Niederlage entschuldigte er sich bei seinen Mitspielern, dem Verein und seinen Fans.

Zuspruch vom Jugendtrainer

Uli Herbst war Karius’ Jugendtrainer beim SSV Ulm. Er kennt ihn noch aus der damaligen Zeit, kann sich in die Gefühlswelt seines ehemaligen Schützlings gut eindenken:„Ich habe heute erst mit Loris telefoniert, und er sieht das schon ganz ruhig und sachlich, er kann die Sache gut einordnen“, erzählt Herbst.

Das Wichtigste sei nun, „dass er jetzt erst einmal weit weg in Urlaub fährt und sich abschottet von den ganzen Boulevardmedien. Dann bin ich ganz zuversichtlich, dass er das alles gut wegstecken wird und auf jeden Fall zurückkommt.“

Anhaltende Torhüter-Diskussion

Ob das bei Liverpool sein wird, bleibt abzuwarten. Auch wenn Karius den bisherigen Stammtorhüter Simon Mignolet im Laufe der Saison als Nummer eins ersetzte, ist die Position bei den „Reds“ alles andere als unumstritten. „Das wird man sehen“, sagt Herbst und ergänzt: „Und wenn es noch etwas Positives an der ganzen Sache gibt, dann dass der junge Kerl jetzt lernt, wer seine richtigen Freunde sind. Ich möchte nicht wissen, wie viele Whatsapp-Nachrichten und Mails er vor dem Spiel bekommen hat und wie viele ihm jetzt noch schreiben. Da kommt jetzt eine große Lernphase. Ich sage immer: ,Genieße deine Zeit in der Jugend, denn bei den Aktiven wird’s immer ein bisschen schmutzig.’“

Zukunft ist offen

Auch wenn der Samstag eine bittere Erfahrung für Karius war, so glaubt sein ehemaliger Trainer an ihn: „Ich habe ihm gesagt: ,Du kannst noch mindestens sieben bis acht Jahre auf höchstem Niveau spielen.’ Dass er jetzt aber eher nach Deutschland kommt, glaube ich nicht. Erst einmal muss er schauen, wie es in Liverpool weitergeht. Sein Traum war es ja früher immer, irgendwann beim FC Bayern München zu spielen.“

Herbst und Karius verbindet eine lange Historie. „Ich habe ihn damals im Alter von sieben Jahren entdeckt und zum SSV gelotst. Sein Riesentalent hat man sofort gesehen. Er war schon immer etwas größer, hat viele Elfmeter gehalten und dieses Gespür beim Rauslaufen gehabt. Er war Spielführer und bei allen in der Mannschaft akzeptiert. Wir haben ganz viele Spiele und Turniere nur aufgrund seiner Torhüterleistung gewonnen. Leider ist er schon in der C-Jugend zum VfB gegangen, das war ein herber Verlust für uns.“

Blackout nach Ellenbogenschlag?

Kurz vor dem dritten Gegentor – ein harmloser Distanzschuss von Gareth Bale, den Karius durch die Finger gleiten ließ – hatte der Keeper von Real-Verteidiger Sergio Ramos einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen. „Ich habe ihn auch gefragt, ob er in der Szene zuvor von Ramos einen Treffer am Kopf bekommen hat und vielleicht deshalb diesen Blackout hatte, aber das wusste er nicht mehr.“

Wie Herbst glaubt auch ein weiterer „Ulmer“ an Karius. Hanspeter Burger, damals Jugendleiter beim SSV Ulm: „Der rappelt sich wieder auf, da bin ich mir ganz sicher. Er hat es unter Thomas Tuchel bei Mainz ja auch nicht leicht gehabt.