Jahrelang gab es die beiden in Spanien nur als Doppelpack: Trainer Luis Enrique und Robert Moreno, der Assistent, der Mann im Hintergrund.

Sie waren fast eine Dekade lang ein „unerschütterliches Tandem“, wie das Portal „El Español“ es ausdrückte. Moreno folgte seinem Chef vom AS Rom zu Celta Vigo und zum FC Barcelona, bevor das Duo nach der Fußball-WM 2018 bei der spanischen Nationalelf anheuerte. Dann aber trat Luis Enrique im Juni wegen der Krebserkrankung seiner kleinen Tochter Xana von seinem Chefposten zurück. Nobody Moreno wurde - wenig überraschend - zum Nachfolger bestellt.

Der Schritt ins Rampenlicht ist bitter. Die Nachricht vom Tod der Neunjährigen Ende August löste vorige Woche in ganz Spanien Trauer und Bestürzung aus - und kam nur einen Tag, bevor Moreno seinen Kader für die EM-Qualifiktionsspiele gegen Rumänien und die Färöer bekanntgeben sollte. „Die traurigste Auswahl“, schrieb die Zeitung „El Mundo“. Die geplante Video-Präsentation in sozialen Netzwerken und die Pressekonferenz Morenos wurden abgesagt. Aus Respekt für Luis Enrique und seine Familie stellte der Verband lediglich nüchtern die Namensliste ins Internet.

Aber am Donnerstag geht der Vorhang für Moreno nun wirklich auf, alle Augen werden auf den 41-Jährigen gerichtet sein. Die „Furia Roja“, die die Gruppe F mit vier Siegen unangefochten anführt, tritt zunächst in Bukarest an, am Sonntag empfängt sie die Färöer. Was ist das für ein Mann, der künftig an der Seitenlinie steht?

Was Moreno in erster Linie von Luis Enrique und den meisten Toptrainern unterscheidet ist, dass er selbst nie als Profi aktiv war. Wie die Vertreter der neuen deutschen Trainer-Welle um Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco und Hannes Wolf war er immer Trainer, Analytiker, Stratege - aber Spielerfahrung hat er nicht.

Das sei jedoch kein Hindernis, ist Vicente del Bosque überzeugt, jener Coach, der Spanien 2010 und 2012 zum WM- und EM-Titel geführt hatte. „Man muss kein Star als Spieler sein, um ein guter Trainer zu werden“, zitierte das Sportblatt „AS“ den 68-Jährigen. So ist es kein Zufall, dass sich der Katalane Moreno ausgerechnet bei del Bosque Tipps für sein neues Amt holte. Man könne sich das Wissen und die Ratschläge des einzigen Weltmeister-Trainers in der Geschichte der Selección nicht entgehen lassen, soll er gesagt haben.

Gleichzeitig ließ Moreno aber auch keinen Zweifel daran, dass Luis Enrique sein großes Vorbild ist. „Für mich ist er der Beste“, betonte er. „Alles, was ich von ihm gelernt habe, und viele Dinge, die man während meiner Zeit sehen wird, werden an ihn erinnern.“ Dann aber relativierte er: „Natürlich gibt es keine zwei Trainer, die genau gleich sind.“ Mehrere Nationalspieler sollen dies nach den ersten Trainings in Las Rozas vor den Toren Madrid bestätigt haben: „Er ist weder besser noch schlechter, nur anders.“

Anders, aber wie anders? Moreno, der Handel und internationale Beziehungen studierte, ist schon mal - im Gegensatz zu Hobby-Triathlet Luis Enrique, ein Hitzkopf mit vielen Ecken und Kanten - ein äußerst ruhiger, eher stiller Typ.

Als er im ersten Halbjahr auf der Bank Spaniens seinen Chef vertreten musste, fuhr Moreno bei der EM-Qualifikation drei Siege ein: auf Malta (2:0), auf den Färöer (4:1) und daheim gegen Schweden (3:0). „Er hat uns taktisch ein Stück weiter gebracht“, lobte Kapitän Sergio Ramos. An Selbstbewusstsein scheint es dem neuen Nationaltrainer nicht zu mangeln. „Wenn möglich, wollen wir Luis ehren, in dem wir die EM gewinnen“, sagte Moreno schon bei seiner Vorstellung im Juni.

Bericht El Español

Bericht El Mundo

Bericht AS

Tweet vom ersten Training unter Moreno