Erst kürzlich hatte der „Goldjunge“ einen Krankenhaus-Aufenthalt überstanden. Nun weint nicht nur Argentinien um die Fußball-Ikone, sondern die ganze Fußball-Welt. Medienberichten zufolge starb Maradona in seinem Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires an einem Herzinfarkt. Herbeigerufene Sanitäter konnten ihn demnach nicht wiederbeleben.

Fußballer des Jahre

Maradona war am 11. November, gut eine Woche nach der Operation wegen einer Hirnblutung, aus einem Krankenhaus in sein Haus nahe der Hauptstadt entlassen worden. Es hieß, er habe den Eingriff gut überstanden. Auf Instagram zeigte sich Maradona nach der OP mit einem kleinen Hund auf dem Arm. Die Botschaft war: Es geht ihm gut. „Man muss anmerken, dass er seine Lebenskrise, die da entstanden ist nach dem Fußball, anscheinend gemeistert hat“, sagte Günter Netzer kurz vor Maradonas 60. Geburtstag am 30. Oktober. Es gibt unzählige Anekdoten über Maradona: Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er sogar den Tod gerade noch umdribbelte, wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde. Als Fußballer war Maradona ein Genie. Als Mensch war er viele Jahre später mal so dick, dass er kaum sprechen konnte. Maradonas Legende beginnt in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo er früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wird. Mit 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres.

Triumphe in Neapel

Ob er der neue Pelé ist, wollen argentinische Reporter damals von ihm wissen. „Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein“, antwortet der junge „Dieguito“. Und das ist ihm ohne Zweifel gelungen: Denn sein Lebensweg ist unvergleichlich. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, zum Halbgott steigt er aber erst zwei Jahre später auf. Für eine weitere Rekordablöse geht es weiter zum SSC Neapel, zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. Hier beginnt die Verwandlung. Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Schon bei seiner Begrüßung hatten mehr als 70 000 Fans ihn im Stadio San Paolo empfangen. Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen. Maradona kommt mit dem Hype klar, so lange er Fußball spielt, auf dem Rasen wird er immer besser. „Auf dem Platz wird das Leben unwichtig. Die Probleme, all das wird unwichtig“, sagt er in der Amazon-Dokumentation „Diego Maradona“. Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister. Abseits des Platzes wird er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler. Er verfällt dem Kokain. Seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Doping-Sperre durch die Fifa.

Wochenlang im Krankenhaus gelegen

Nach seiner Fußballkarriere suchte Maradona auch immer wieder die Nähe zu den linken Caudillos Lateinamerikas. Gerne zeigte er sich an der Seite von Fidel Castro, Hugo Chávez oder Nicolás Maduro. Unvergessen sind die „Hand Gottes“, mit der er bei der Weltmeistschaft 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei. Der Ausnahme-Spieler hat sich nie geschont, weder auf noch neben dem Platz. „Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter“, sagte sein Fitnesstrainer Signorini einmal. „Wenn Diego einmal nicht mehr da ist, wird er noch mehr geliebt werden.“

„Er hat die Herzen gewonnen“


Fußball-Größen aller Generationen haben mit großer Trauer auf den Tod des argentinischen Weltstars Maradona reagiert. Brasiliens Fußball-Legende Pele sagte: „Was für traurige Neuigkeiten. Ich habe einen großartigen Freund verloren und die Welt hat eine Legende verloren.“

Der deutsche Nationalspieler Guido „Diego“ Buchwald hatte Maradona im WM-Finale 1990 ausgeschaltet. Er sagte am Mittwochabend: „Ich bin geschockt. Die Fußball-Welt hat einen ihrer Größten verloren.“

Bayern-Vorstandboss Karl-Heinz Rummenigge: „Diego Maradona hat die Herzen aller gewonnen, die die Schönheit des Fußballs lieben.“