Das Champions-League-Finale in Madrid geriet für die Fußball-Fans in Spanien zur Nebensache. Der Tod von Ex-Nationalspieler José Antonio Reyes bei einem Verkehrsunfall hatte das Land einige Stunden vor dem Anpfiff im Estadio Metropolitano in tiefe Trauer versetzt.

„Ganz Spanien weint um dich“, titelte die Madrider Sportzeitung „Marca“ am Sonntag in großen Lettern auf Seite eins neben einem Bild des Opfers. Für den Triumph des FC Liverpool blieb oben auf der Seite nur ganz wenig Platz.

„Mister Europa League“, der als einziger den Wettbewerb insgesamt fünf Mal gewann, wurde nur 35 Jahre alt. Er war am Samstag gegen Mittag am Steuer seines Luxuswagens auf dem Weg in seine Heimatstadt Utrera bei Sevilla im Süden Spaniens, als das Fahrzeug aus noch ungeklärter Ursache auf der Autobahn A-376 von der Straße kam und sofort in Brand geriet, wie die Polizei mitteilte.

Für den Ex-Stürmer und einen Neffen kam jede Hilfe zu spät. Ein dritter männlicher Insasse des Wagens, dessen Identität vorerst nicht bekannt wurde, erlag Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Es gab keine Überlebenden. Nach einer öffentlichen Totenwache am Sonntagabend im Stadion Sánchez-Pizjuán in Sevilla soll Reyes am Montag in Utrera zu Grabe getragen werden.

Auch wenn Reyes kein Superstar vom Niveau eines Andrés Iniesta oder Sergio Ramos war, war er in Spanien sehr anerkannt und äußerst beliebt - wegen seiner fußballerischen Qualitäten und seiner sportlichen Erfolge. Aber auch, weil er ein stets sehr freundlich und bescheiden auftretender Profi war. „Ein Magier ist von uns gegangen“, titelte die Sportzeitung „AS“.

Der Mann, der zuletzt beim Zweitligisten UD Extremadura aktiv war, gab sein Profi-Debüt beim FC Sevilla mit nur 16 Jahren - als bisher jüngster Spieler der Vereinsgeschichte. Er wechselte mit 20 zum FC Arsenal nach London und holte bei den Gunners im Jahr 2004 als erster Spanier einen Premier-League-Titel. Er war Teil der legendären „Invincibles“ („Die Unbesiegbaren“) des FC Arsenal, die damals ohne Niederlage den Meistertitel gewannen.

Ein Jahr bei Real Madrid reichte ihm, um 2007 auch die Primera División zu gewinnen. Mit zwei Toren im letzten Spiel gegen RCD Mallorca (3:1) sicherte er den Königlichen den 30. Meistertitel. Anschließend spielte er zwischen 2007 und 2012 bei Atlético Madrid, mit dem er seine zwei ersten Europa-League-Titel holte. In der Saison 2008/2009 war er auf Leihe bei Benfica Lissabon. In 21 Länderspiel-Einsätzen für „La Roja“ traf er vier mal.

Seine wohl glücklichste Zeit erlebte er aber wohl nach seiner Rückkehr zu seinem Stammverein FC Sevilla. Mit den Andalusiern gewann er zwischen 2014 und 2016 drei Mal in Serie die Europa League. Anschließend gab es Gastspiele bei Espanyol Barcelona, beim FC Córdoba und in China, bevor er zu Extremadura ging, um seine Karriere in der 2. Liga langsam ausklingen zu lassen.

Nach dem Unfall schrieb Ex-Auswahl- und Club-Kamerad Ramos auf Twitter: „Ich bin am Boden zerstört. Ich habe keine Worte. Wir werden uns immer an Dich erinnern, Freund!“ Die Königlichen aus Madrid sprachen auf ihrer Webseite von „immensem Schmerz über den Verlust“. Der Fußballverband RFEF zeigte sich in einer Mitteilung ebenso betroffen wie La Liga, die Reyes als „historischen Spieler“ würdigte. Auch zahlreiche Clubs aus England sowie der Fußball-Weltverband FIFA und der Europäische Verband UEFA kondolierten.

Vor dem Champions-League-Finale zwischen Liverpool und Tottenham Hotspur (2:0) gab es zu Ehren des verunglückten Profis eine Schweigeminute. „Er hatte eine glänzende Karriere und gewann zahlreiche Auszeichnungen, wo immer er spielte, und ich bin schockiert und traurig, dass sein Leben so tragisch verkürzt wurde“, so UEFA-Präsident Aleksander Čeferin in einer Mitteilung.

Utreras Bürgermeister José Villalobos ordnete zwei Trauertage an und ließ die Fahnen auf halbmast setzen. Das für Sonntag angesetzte Spiel zwischen Extremadura und Cádiz wurde ebenso wie sechs weitere Begegnungen der 2. Liga auf Dienstag verschoben.

Titelseite von Marca

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