Als Robert Linke nach dem spektakulären 5:4 (0:2, 4:1, 1:1) am Sonntagabend im Playoff-Derby des ESC Kempten zum Mikrofon griff, war plötzlich alle Rivalität vergessen. „Ich bitte darum, dass sich alle mit Respekt begegnen. Die Spieler hassen sich nicht, sondern die kennen sich und klatschen sich nach dem Spiel ab“, sagte der Trainer des Eishockey-Landesligisten VfE Ulm/Neu-Ulm. Zuvor hatte es während und nach der Partie unschöne Plakate und Zwischenrufe auf unterstem Niveau gegeben. „Söldnertruppe“ war da noch die mildeste Beleidigung, die Gästetrainer Carsten Gosdeck aber auch auf die Palme brachte.
„Meine Jungs gehen täglich zur Arbeit, trainieren dann am Abend und sehen ihre Familien am Wochenende kaum. Das haben sie nicht verdient, dass sie so etwas von den Rängen hören“, sagte der ESC-Coach. Und sein gegenüber Linke betonte auch nach diesem „sehr emtionalen Spiel“, dass er hoffe, „dass wir alle diese Woche bis zur Entscheidung am Freitag einfach genießen und alle danach ein Bierchen trinken.“

Aufholjagd der Devils gegen Kempten wird belohnt

Denn das, was beide Teams da in den 60 Minuten auf dem Eis abgebrannt hatten, war ein Feuerwerk der fairen Emotionen. In einer spektakulären Aufholjagd hatten die Devils die Partie im zweiten Drittel gedreht und schließlich mit viel Leidenschaft und etwas Glück nach Hause gebracht. Der Lohn ist ein drittes Spiel im Playoff-Halbfinale der Landesliga, das direkt über den Aufstieg in die Bayernliga entscheiden wird.
Und auch Kemptens Carsten Gosdeck ließ gleich durchblicken, dass er für das Halbfinal-Endspiel im Allgäu ein genauso enges Spiel erwartet, wie es das 4:5 in Partie Nummer 1 und das 5:4 in Partie Nummer 2 war. „Am Ende wird ein Tor darüber entscheiden, wer der Aufsteiger ist“, orakelte der Kemptener, der sich nach dem ersten Drittel schon fast in der Bayernliga wähnen durfte.

VfE Ulm/Neu-Ulm verschläft Start gegen Kempten Sharks

Denn da waren die Devils, wie schon zuvor auswärts, wieder völlig verschlafen ins Spiel gestartet und sahen sich vor einem ausverkauften Haus mit 1350 Zuschauern nach 13 Minuten mit 0:2 im Rückstand. „In der Kabine haben wir dann gesagt: Jetzt müssen wir einfach alles reinhauen. Schlimmer kann es ja nicht mehr werden“, erinnerte sich Linke hinterher. Und siehe da: Die blauen Teufel kamen mit viel mehr Tempo aus der Kabine.
Am Ende war es aber der Mann mit der Nummer 3, Peter Brückner, der die Devils fast im Alleingang weiter vom Aufstieg träumen lässt:  Mit starken Einzelaktionen erzielte der 25-Jährige jeweils die Anschlusstreffer zum 1:2 in der 19. und zum 2:3 in der 37. Minute. „Er ist unsere Lebensversicherung, und ich hoffe, dass er bei uns bleibt“, sagte Coach Linke angesichts des auslaufenden Vertrags von Brückner. Schließlich traf der Linksaußen in der 39. Minute noch zum 3:3 und war als Vorbereiter auch am psychologisch wichtigen 4:3 durch Michael Simon wenige Sekunden vor Ende des zweiten Drittels beteiligt. Das Momentum lag nun bei der Heimmannschaft, die sich im Schlussabschnitt der trommelnden Unterstützung ihrer leidenschaftlichen Anhänger gewiss sein konnte.

Max Güßbacher hält Sieg für die Devils fest

Als erneut Simon 13 Minuten vor Spielende zum 5:3 einnetzte, schien die Partie entschieden. Doch die Devils konzentrierten sich mit fortschreitender Spieldauer immer mehr aufs Verteidigen, während die Sharks ihre Chance witterten – und drei Minuten später mit dem 5:4 für das große Zittern im Neu-Ulmer Eisstadion sorgten. Doch die Devils „überlebten“ dank des starken Maximilian Güßbacher im Tor auch die Einwechslung eines sechsten Feldspielers und verdienten sich die dritte Partie in dieser so spannenden Playoff-Serie.

Falscher Spitzname im Nachbericht


Verwechslung Zu später Stunde ist es doch passiert: Nach der knappen 4:5-Niederlage des VfE Neu-Ulm in Kempten schlich sich bei unserem Redakteur ein falscher Spitzname für die Devils ein. Und so wurden die „Teufel“ plötzlich zu „Adlern“. Die gibt es zwar auch im Eishockey, aber vorrangig in der Bundesliga. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen und hoffen auf Wohlwollen bei den Devils-Fans: Vielleicht lag der Gedanke an das Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey-Liga ja angesichts der starken Saison, die der VfE Ulm/Neu-Ulm gerade spielt, so gefährlich nahe.