Nach dem Coup gegen die scheinbar übermächtigen „Sixpack“-Bayern wirkte selbst Adi Hütter emotional überwältigt. Es fehle, solche Siege mit eigenen Fans zu feiern, gab der sichtlich gerührte Trainer von Eintracht Frankfurt zu: „Nach dem Spiel wäre hier das Dach weggeflogen.“ Stattdessen genoss der Österreicher die eindrucksvolle Bilanz und die herausragende Position im Rennen um die Königsklasse bei einem Glas Wein.
Die Euphorie und die Lust auf die erstmalige Teilnahme an der Champions League sind rund um den Frankfurter Stadtwald kaum mehr zu bremsen – nach dem mitreißenden 2:1 (2:0) gegen Rekordmeister Bayern München bildete sich rund um die Arena gar ein kleiner Autokorso. Hütter schwärmte von „Bonuspunkten“, die zusätzliche „Kraft und Power“ geben sollen. „Wir sind mega stolz und hoffen, dass wir im Flow bleiben“, sagte der 51-Jährige.

Eintracht Frankfurt 2021 noch ungeschlagen

Momentan spricht nahezu alles dafür, dass die Mannschaft der Stunde ihre beeindruckende Form mitnehmen kann – schließlich sind die Fakten eindeutig. Die Eintracht ist in diesem Jahr noch ungeschlagen und mit 25 Punkten das mit Abstand beste Team. Dazu jagen die Adlerträger etliche Vereinsrekorde: Gegen den Klub-Weltmeister trafen die Frankfurter zum elften Mal nacheinander doppelt und stellten die Bestmarke aus dem Jahr 1977 ein.
Beim FC Bayern schaut es anders aus. 31 Gegentore hat der Serienmeister nach 22 Bundesligaspielen in dieser Saison bereits kassiert – so viele wie seit 29 Jahren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. „Offenbar stimmt etwas nicht in der Abstimmung. Die ganze Mannschaft muss in der Defensive helfen“, mahnte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag (21 Uhr/Sky) bei Lazio Rom.
Die Frankfurter nutzten die Münchner Defensivschwäche – und auch abseits des Sportlichen zeigt die Eintracht derzeit große Klasse. Vor dem Spiel hatte das Team beim Aufwärmen mit speziellen T-Shirts an die Ermordeten des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau vor einem Jahr erinnert. Dazu jubelte Amin Younes nach seinem Treffer mit einem Shirt, auf dem das Gesicht und der Name eines der neun Opfer gedruckt war.
Welche Wucht die Hessen momentan entwickeln, bekam auch die Mannschaft von Trainer Hansi Flick im ersten Durchgang zu spüren. Die Eintracht überzeugte mit spielerischer Klasse, unbändigem Willen und Toren durch Daichi Kamada (12.) und den überragenden Younes (31.).
Vor der Pause habe die Mannschaft „fantastisch gespielt“, schwärmte Younes, der vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw Eigenwerbung betrieb. Selbst den kurzfristigen Ausfall von Andre Silva, dem zweitbesten Torjäger der Liga, steckten die Frankfurter unbeeindruckt weg. Erst Robert Lewandowskis (53.) Anschluss und die Drangphase der Bayern am Ende sorgten für etwas Verunsicherung bei der Eintracht, die zum elften Mal ungeschlagen blieb.

Rummenigge: Habe keine Sonderrolle gefordert


Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat seine Aussagen zum Impfen von Fußball-Profis als „missverständlich“ bezeichnet, betont aber weiter die Vorbildrolle der Kicker-Zunft. „Wenn es irgendwann mal ausreichend Impfstoff gibt, wäre es am Fußball, ein Vorbild zu sein – und dann eben seine Spieler impfen zu lassen, um den Bürgern zu zeigen, dass Impfen keine Schädigung mit sich bringt“, sagte Rummenigge. Eine Sonderrolle für den Fußball verlange er nicht.