Albeck/Elchingen Zwei Amerikaner in Albeck

Albeck/Elchingen / MATTHIAS SAUTER 04.01.2016
Lorne Jackson und Tommy Spagnolo spielen bei den Elchinger Basketballern in der 2. Bundesliga ProB. Für die Spieler hat der Verein eine Wohnung in Albeck angemietet - inzwischen eine Basketballer-WG.

Lorne Jackson sitzt gemütlich auf seinem Bett und verfolgt die CNN-Nachrichten. Mit einem Auge schaut er immer wieder auf sein Handy. Der 25-Jährige verschickt Mitteilungen, nebenbei surft er im Internet. Zwei Räume weiter erwacht Tommy Spagnolo gerade von seinem Nachmittagsschlaf. In der Küche beginnt Kevin Wysocki derweil mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Er schneidet Zwiebeln, anschließend brät er Hackfleisch in einem kleinen Topf an. Ein gewöhnlicher WG-Abend in Albeck.

Im Gegensatz zu vielen anderen Wohngemeinschaften konnten sich diese drei jungen Männer ihre Mitbewohner allerdings nicht selbst aussuchen. Sie kennen sich erst seit drei bis vier Monaten und lebten zuvor in unterschiedlichen Staaten. Dennoch gibt es eine große Gemeinsamkeit: Alle drei sind leidenschaftliche Basketballer und gehen in der laufenden Saison für die ScanPlus Baskets Elchingen in der 2. Basketball-Bundesliga ProB auf Korbjagd. Wenn gerade keine Spiele oder Trainingseinheiten anstehen, verbringen sie einen Großteil ihrer Freizeit in Albeck. Dort hat der Verein eine ehemalige Lagerhalle gemietet, die zu Wohnungen umgebaut wurde.

Für den Aufbauspieler Jackson, der in der vergangenen Saison für ein Team aus dem Oman im Einsatz war, ist das Leben auf dem Land eine völlig neue Erfahrung. "Ich stamme aus Los Angeles und war zuvor immer in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern zu Hause." Trotzdem hat er sich schnell eingelebt und sogar schon Kontakte geknüpft. Beispielsweise zu Vermieter Rudi Wallisch, dessen Oldtimer-Sammlung im Erdgeschoss des Gebäudes er bewundert. Auch beim Einkaufen versucht der US-Amerikaner mit anderen Albeckern ins Gespräch zu kommen. "Die Leute sind sehr freundlich. Leider komme ich aber mit Englisch oftmals nicht weit", sagt Jackson und grinst. Um sich mit den Einheimischen verständigen zu können, hat er die ersten Brocken Deutsch gelernt. Floskeln wie "Dankeschön" oder "Wie geht es dir?" spricht er fast akzentfrei.

Für Flügelspieler Spagnolo war der Umzug ins 1360-Einwohner-Dorf Albeck dagegen keine große Umstellung. "Mein Heimatort in North Carolina ist von der Größe ungefähr vergleichbar", erläutert der 24-Jährige. Ähnlich wie Jackson unterhält er sich vor allem bei seinen Einkäufen mit den Albeckern. Fast täglich führt sein Weg in eine nahegelegene Bäckerei, die "den besten Kuchen der Welt herstellt". Der Sportler, der zuvor ausschließlich in den USA spielte, genießt nach eigener Aussage die Ruhe in dem kleinen Ort. Störend sei nur die angrenzende Straße.

Aber nicht nur in Albeck oder in Elchingen halten sich die beiden Basketballer auf: Zum Weggehen oder für Arzttermine führt ihr Weg regelmäßig nach Ulm. Insbesondere Jackson ist von der Ulmer Altstadt sehr angetan und war schon mehrmals im Münster. "Das ist eine beeindruckende Kirche. In den nächsten Monaten möchte ich unbedingt noch auf den Turm steigen." Andere deutsche Großstädte wie Karlsruhe oder Leipzig haben die beiden am Rande ihrer Auswärtsspiele kennengelernt.

Zurück in die WG: Inzwischen hat auch Jackson Hunger bekommen. Zur Stärkung vor dem abendlichen Training gibt es eine Packung Mozzarella-Sticks und dazu Pfirsich-Eistee aus einer 1,5-Liter-Flasche. Sein Lieblingsessen ist aber ein anderes Gericht: "Wiener Schnitzel könnte ich jeden Tag essen", schwärmt der Point Guard. Ferner stehen Bratwürste und Spätzle immer wieder auf seinem Speiseplan. Spagnolo hat dagegen bislang nur wenige typisch deutsche Speisen probiert. "Ich kann mich aber mit allen Essensrichtungen arrangieren", sagt der zwei-Meter-Hüne.

Wenn sich Jackson und Spagnolo im Aufenthaltsraum oder in der Küche begegnen, sprechen sie meist über Basketball. "Wir wollen unbedingt Meister in unserer Liga werden", formuliert Jackson das Ziel. Spagnolo nickt. Nach einigen unglücklichen Niederlagen in der ersten Saisonhälfte möchten die Profis ihre Fans in den verbleibenden Partien mit vielen Siegen verwöhnen. "Wir lernen von Spiel zu Spiel und arbeiten hart, um ständig besser zu werden", sagt Spagnolo. Damit die Mannschaft in der Aufstiegsrunde möglichst weit kommt, setzt Jackson auch auf die Unterstützung der Elchinger Anhänger: "Wir haben großartige Fans und hoffen, dass sie uns weiterhin in jedem Spiel lautstark anfeuern."

ScanPlus Baskets Elchingen

Team Die ScanPlus Baskets Elchingen gehören zur Zeit zu den Teams der Stunde in der Region: Nach lediglich einer Saison in der Regionalliga Südwest gelang den Korbjägern des SV Oberelchingen im vergangenen Frühjahr der Durchmarsch in den Profibasketball. In der laufenden Spielzeit der zweiten Basketball-Bundesliga ProB hat die neu zusammengestellte Mannschaft als Liga-Neuling für reichlich Furore gesorgt und in der Hinrunde sechs ihrer elf Spiele gewonnen. Aktuell belegen die Baskets, die hauptsächlich vom Ulmer IT-Unternehmen ScanPlus gesponsert werden, nach 13 Spielen den fünften Tabellenrang. Trainiert wird die Mannschaft von Dario Jerkic, der 2009 bereits mit den Weißenhorner Basketballern den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte. Zu den Heimspielen in der Brühlhalle kommen regelmäßig 600 bis 800 Zuschauer.

 

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