Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm hat sich mit einem beachtlichen 99:77-Sieg in Würzburg als Tabellensechster in die zweiwöchige Länderspielpause verabschiedet – und sich am närrischen Samstag mit einer 76:78-Niederlage bei den Telekom Baskets Bonn zurückgemeldet.

Wieder  einmal mussten die Ulmer einen Rückschlag im Playoff-Rennen hinnehmen, der sich tabellarisch mit dem Abrutschen auf Platz acht zeigt. Und: Um Ulm herum wird es immer dichter. Die Playoff-Kandidaten nehmen von Woche zu Woche zu,  auch weil die Ratiopharm-Korbjäger einfach keine Konstanz in ihr Spiel bringen.

Die Gäste, die ohne die verletzten Per Günther, Ra’Shad James, Isaac Fotu und Katin Reinhardt im Rheinland antreten mussten, kamen noch erstaunlich gut in die sogenannte Karnevalspartie. Die Stimmung und die Atmosphäre im Telekom-Dome war an diesem Wochenende schon sehr speziell. Und die Bonner haben mit den Punktspielen am Karnevalswochenende bisher gute Erfahrungen gemacht.

Von der doch ungewohnten Stimmung ließen sich die Ulmer jedoch nicht irritieren und gingen schnell  mit 5:0 in Führung. Die Hausherren brauchten etwas länger, um ihren Rhythmus zu finden. Dann aber, spätestens jedoch, als der Bonner Center Charles Jackson bei seinem heiß ersehnten Comeback seine ersten Punkte machte, schmissen beide Teams ihre Offensivmotoren an. Für die Defensive fehlte zu Beginn deutlich der Sprit. 28:27 für Ulm hieß es nach den ersten zehn Minuten. Und eine Erkenntnis machte sich breit bei den Ulmern: Von jenseits der Dreierlinie lieber nicht schießen. Das gelang an diesem Tag nämlich nicht. Wenigstens Bogdan Radosavljevic, der mit 13 Punkten im ersten Viertel überzeugte, hatte einen produktiven Tag.

Im weiteren Verlauf der Partie passten beide Mannschaften besser auf den Gegner auf. Manchmal war es zäh, was beide Teams boten. Bonn und Ulm bewegten sich nahezu auf Augenhöhe. Am Ende gingen die Bonner mit einer 43:38-Führung in die Pause. Die zweite Hälfte verlief in großen Teilen wie die erste. Beide Mannschaften hatten jeweils gute Phasen mit schnellem und spektakulärem Basketball. Dann ging es mal ruhiger, mal wilder  zu. Und es offenbarten sich bei Ulm individuelle Fehlleistungen. Ryan Thompson zum Beispiel traf null von acht aus dem Feld (vier Ballverluste), wenigstens von der Freiwurflinie  zielte der Amerikaner ordentlich

Am Ende der dritten zehn Minuten schien es so, als hätten die Ratiopharm-Korbjäger das Momentum auf ihrer Seite. Das Team von Thorsten Leibenath rettete ein 63:59 ins letzte Viertel. Aber das änderte sich wieder. So wurde es am Ende eine äußerst spannende und enge Partie, in der Max Ugrai eine tragische Rolle übernahm. 14 Sekunden vor der Schlusssirene beim Stand von 76:76 leistete sich Ugrai bei einem Dreier-Versuch einen Schrittfehler (seinen zweiten) mit Ballverlust. DILeo  erzielte das 78:76. In den verbleibenden 2,7 Sekunden schaffte es Evans nicht mehr, kontrolliert zu werfen. Karneval war für Ulm frühzeitig zu Ende.

Der gebürtige Rheinländer Thorsten Leibenath war sauer. „Wir hatten mehrere Möglichkeiten zu gewinnen. Besonders im dritten Viertel, in dem wir deutlich konsequenter und vor allem gegen Bonns Pick-and-Roll effektiver verteidigt haben. Der Schlüssel war unsere Dreierquote, die uns offensiv limitiert hat“, meinte der Ulmer Coach. Dessen Kollege Chris O‘Shea bemühte gar das Übersinnliche. „Am Ende brauchte es auch ein wenig Karnevals-Magie, um gegen eine starke Ulmer Mannschaft zu gewinnen“, sagte der Bonner Trainer.