Schwieriger Spagat: Auf der einen Seite muss Thorsten Leibenath, Trainer des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm, sein Team auf den nächsten Gegner am kommenden Sonntag einstellen. Auf der anderen Seite gibt es aber nächste Woche dermaßen viel zu tun, dass Leibenath nicht umhin kommt, die Opponenten am Mittwoch (in Bamberg) und Samstag (Pokalhalbfinale gegen Bayern München) bereits zu thematisieren, taktische Dinge anzusprechen - seine Mannschaft schon einzustellen auf den Meister und den Tabellenführer.

Zunächst jedoch geht es schwerpunktmäßig um die Skyliners Frankfurt, zu denen die Ratiopharm-Korbjäger am Sonntag reisen müssen (17 Uhr). "Es gibt genügend Gründe, diese Partie ernst zu nehmen. Ich habe mit Ulm noch nicht bei den Hessen gewonnen. Außerdem haben wir das Heimspiel gegen Frankfurt auf sehr ärgerliche Weise verloren", zählte Leibenath kurz auf und wird seine Mannschaft entsprechend motivieren.

Kurz vor Weihnachten war es, als die Mannschaft von Coach Gordon Herbert in der Ratiopharm-Arena auftauchte und einen phänomenalen Kampf hinlegte. Nach drei Verlängerungen standen die Gäste als 108:102-Sieger fest - und die Ulmer mit nahezu leerem Akku da.

Dass die jüngste Auswärtsbilanz der Schwaben bei den Hessen nicht gut ist, sollte Leibenath aber nicht persönlich nehmen. Seit 1999 konnten die Ulmer in neun Partien in Frankfurt nur eine gewinnen (74:69, Rückrunde 2008/2009). Dicht dran an einem Erfolg waren die Ulmer in ihrem ersten Bundesliga-Spiel nach dem Aufstieg 2006. 39 Minuten und 59 Sekunden sah es nach einem Sieg aus, dann traf Eric Chatfield zum 73:72 - es war die erste Führung der Gastgeber in dieser Partie.

Am Sonntag in der fast ausverkauften Fraport-Arena (200 Tickets gab es gestern noch) wird es in jedem Fall ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Ulmer Dane Watts geben. Die Frage ist nur, ob der Amerikaner in Zivil oder in Arbeitskleidung anwesend sein wird. Der große Flügelspieler hatte in der Partie gegen Ludwigsburg den Ellbogen eines Gegenspielers ins Gesicht bekommen. Dabei zog sich Watts einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung zu. Der 27-Jährige wollte zuletzt beim überraschenden Heimsieg gegen den FC Bayern mit einer Maske auflaufen, es ging dann aber doch nicht. Ob Watts, der aktuell von Kopfschmerzen geplagt wird, gegen seine ehemaligen Kollegen auflaufen wird, soll sich erst kurzfristig entscheiden.

Es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre Watts morgen mit Per Günther & Co. nach Frankfurt gefahren. Als die Ulmer Verantwortlichen Ende Januar dieses Jahres nach einem neuen Spieler für eine große Position Ausschau hielten, da stand Watts ganz oben auf der Liste. "Wir hatten ihn die ganze Zeit im Kopf, aber als wir Ian Hummer verpflichteten, da hatte Dane bereits bei den Skyliners unterschrieben", sagte Leibenath. Nach einer Bandscheibenoperation vor rund einem Jahr war Watts lange außer Gefecht.

Die Ulmer fahren relativ gut erholt und von kleineren Wehwehchen genesen an den Main. "Wir haben gut und hart trainiert und viel im taktischen Bereich gemacht", fasste Leibenath die bisherige Trainingswoche zusammen.