Basketball Wie die Lira der türkischen Basketball-Liga zu schaffen macht

Berühmt-berüchtigt: Die Fans von Galatasaray Istanbul unterstützen ihre Mannschaft überall auf der Welt leidenschaftlich, wobei die Emotionen mit ihnen manchmal auch durchgehen.
Berühmt-berüchtigt: Die Fans von Galatasaray Istanbul unterstützen ihre Mannschaft überall auf der Welt leidenschaftlich, wobei die Emotionen mit ihnen manchmal auch durchgehen. © Foto: Eibner
Ulm / Sebastian Schmid 10.10.2018

Wenn Galatasaray Istanbul heute um 19.30 Uhr (Telekom Sport) im Eurocup bei Ratiopharm Ulm antritt, kann der elfmalige türkische Meister auf eine Reihe Spieler zurückgreifen, die im Fokus von NBA-Klubs stehen. Es steckt also viel Qualität im Kader von Trainer Erugrul Erdogan – und die hat ihren Preis. Das ist ein Grund, warum Galatasaray Istanbul im September aus finanziellen Gründen das Trainingslager im italienischen Bormio samt geplantem Testspiel gegen Ulm absagen musste.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Traditionsklub Geldprobleme hat. 2015 war Ulm sogar Nutznießer, als die Türken den Millionen-Vertrag von Ian Vougioukas nicht mehr bezahlen konnten und der nachverpflichtete griechische Center dem Ratiopharm-Team half, ins Playoff-Halbfinale einzuziehen. Nur ein Jahr später gewann „Gala“ mit einer Topmannschaft den Eurocup. Für den Klub sind solche Aufs und Abs normal. Ismet Akpinar weiß das. Der Ulmer Aufbauspieler verfolgt den türkischen Basketball sehr genau.

„Izi“ als Insider

Vor allem, weil sein älterer Bruder Mutlu seit vielen Jahren in seiner Heimat spielt. Dass Galatasaray auf der einen Seite immer wieder Geldprobleme hat, dann aber doch Topspieler unter Vertrag nehmen kann, überrascht „Izi“ nicht. „Bei denen ist es wie bei Besiktas oder Fenerbahce. Sie haben die Fußballer, die ihnen den Rücken stärken.“ Der jeweilige Vereinspräsident sieht den Klub als eine Familie. Geht es den Basketballern schlecht, werden sie von den Fußballern subventioniert. So gelingt es diesen Teams, sich über Jahre an der Spitze zu halten.

Ausnahmen sind die Euroleague-Starter Efes Istanbul und Darüssafaka Istanbul, die es geschafft haben, als reine Basketballer-Vereine sich in der europäischen Königsklasse zu etablieren.

Galatasaray ist nicht der einzige türkische Verein, der mit Finanzproblemen zu kämpfen hat. „Die schwache Lira macht allen Klubs zu schaffen“, weiß Akpinar. Da in den Verträgen der Ausländer das Gehalt in Dollar oder Euro festgeschrieben ist, wirkt sich ein fallender Kurs der heimischen Währung auf den Etat aus. Deshalb mussten sich einige Erstligisten vor der Saison ganz vom Spielbetrieb abmelden, darunter Eskisehir, das in der Champions League eigentlich auf Bamberg hätte treffen sollen.

Babb wechselte zum Aufsteiger

Dafür rückte unter anderem der Zweitligist Bahcesehir in die höchste türkische Spielklasse auf – und verstärkte sich mit internationalen Topspielern wie Marcus Slaughter und dem Ex-Ulmer Chris Babb. Von NBA und Euroleague, wo Babb gerne hinwollte, ist er zumindest für eine Saison, weit entfernt. Dafür stimmt der Gehaltscheck. Ähnlich wie bei ihm lief es im Jahr zuvor bei Raymar Morgen, der nach seiner Zeit in Ulm recht schnell nichts mehr von NBA und Euroleague wissen wollte, und bei Tofas Bursa unterschrieb.

Dass Vereine, die quasi auf dem Nichts auftauchen, im Vergleich zu Ulm das sieben- bis zehnfache Gehalt für einen Spieler bezahlen können, hängt mit dem Mäzenatentum zusammen. Das heißt, eine Privatperson ist bereit, sehr viel Geld zu investieren. Mäzene sind im türkischen Sport ganz normal. „Basketball ist dort sehr populär. Deshalb kommen Sponsoren und hauen richtig Geld rein“, sagt Akpinar. Nachhaltig ist dieses Konzept aber nicht. „Oft hat das bei den Klubs nur ein paar Jahre Bestand.“

Trotzdem kann sich der gebürtige Hamburger sehr gut vorstellen, irgendwann in der Heimat seiner Eltern zu spielen. „Da ich auch den türkischen Pass besitze, ist es ein realistisches und verlockendes Szenario, in die türkische Liga mal reinzuschnuppern.“ Vorerst wird er sie aber aus der Ferne beobachten – und wie heute hin und wieder gegen einen  türkischen Klub im Eurocup spielen.

Akpinar: „Überall Feinde und überall Freunde.“

Die Eltern stammen aus Antalya, Bruder Mutlu ist in Bursa geboren und Ismet Akpinar kam in Hamburg zur Welt. Doch das ist nicht der Grund, warum der 23-Jährige sagt: „Wir sind keine typisch türkische Familie.“ Das Ungewöhnliche ist, dass bei Akpinars Fußball gegenüber Basketball eine untergeordnete Rolle spielt. Einen Lieblingsverein hat trotzdem jeder. „Wobei das bei uns eher Sympathien sind. Wir sind da nicht so fanatisch“, sagt „Izi“. Zum Glück, denn er, sein Vater und seine Mutter sind jeweils Fan von einem der drei großen Istanbuler Klubs. Das hat laut Ismet Akpinar Vor- und Nachteile: „Wir haben überall Feinde und überall Freunde.“

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