Basketball Wenn selbst die WhatsApp-Gruppe schweigt

Auf Center Alasdair Fraser kommt am heutigen Freitag viel Arbeit zu. Unterm Korb wird er es mit dem Nürnberger Dan Oppland zu tun bekommen, einem der dominantesten Spieler der Liga. Foto: Dave Stonies
Auf Center Alasdair Fraser kommt am heutigen Freitag viel Arbeit zu. Unterm Korb wird er es mit dem Nürnberger Dan Oppland zu tun bekommen, einem der dominantesten Spieler der Liga. Foto: Dave Stonies © Foto: Foto: Dave Stonies
Florian Ankner 09.12.2016

Er war einer der Gründer des Basketballprojekts in Urspring und 14 Jahre lang Headcoach beim Team Ehingen Urspring: Ralph Junge. Dabei führte Junge die Mannschaft von den Niederungen im deutschen Basketball bis in die zweite Liga und schaffte dort gar den Sprung in die Playoffs. 2014 sagte er dann Tschüss und wechselte als Trainer und sportlicher Leiter zu den Basketballern nach Nürnberg mit dem Ziel: Aufstieg in die erste Liga.

Ganz loslassen in Ehingen konnte Junge aber nicht und blieb vorerst auch an der Donau Sportdirektor. Es sollte eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ zwischen den beiden Vereinen werden, wie es damals hieß. Doch letztlich schlief das Projekt schnell ein und Nico Drmota übernahm die Dienste von Junge. Eines schlief jedoch nicht ein, der Kontakt zwischen den beiden Weggefährten. „Wir tauschen uns viel aus“, sagt Drmota. So wird nicht nur mehrmals die Woche telefoniert, sondern auch in einer WhatsApp-Gruppe zusammen mit Ehingens Trainer Domenik Reinboth geschrieben. Dabei geht es etwa um Analysen des eigenen Teams, aber auch um andere Mannschaften und die Einschätzung der drei Experten. In den letzten Tagen blieben aber das Telefon und das Handy ruhig. „Wir haben gerade absolute Funkstille“, sagt Drmota. „Dieses Mal hat er uns leider nichts über den nächsten Gegner verraten“, sagt der Teammanager und lacht.

Nun kommt es, nach einjähriger Pause durch den Abstieg in die ProB, wieder zum Wiedersehen zwischen Junge und Ehingen, denn bereits am heutigen Freitag spielen die Falcons Nürnberg im Frankenland gegen die Steeples. Wer nach der gemeinsamen Vorgeschichte an ein besonderes Spiel der Beteiligten denkt, der irrt. „Wir freuen uns natürlich darauf, ihn wiederzusehen, aber wir haben schon Erfahrung mit der Situation“, sagt Drmota, der daher die Partie als ein Spiel wie jedes andere ansieht. „Nürnberg ist ein direkter Konkurrent und den wollen wir schlagen. Daher ruht in dieser Zeit die Freundschaft.“

Mit vier Siegen aus 13 Partien liegen die Nürnberger derzeit einen Erfolg hinter den Ehingern auf dem 14. Tabellenplatz und könnten mit einem Sieg am heutigen Freitag an den Steeples vorbeiziehen. Daher warnt auch Drmota vor der Mannschaft und will unbedingt den Sieg aus dem Frankenland entführen. Von der aktuellen Tabellensituation darf man sich aber nicht täuschen lassen, denn Nürnberg hatte nach dem Beinahe-Aus im Sommer eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt. Nachdem der Hauptsponsor überraschend ausgestiegen war, musste der Verein die Geschäftsstelle des Zweitligisten auflösen und allen Mitarbeitern, darunter Spielern und Trainer, kündigen. Mit Hilfe zahlreicher Unternehmen aus der Region und dem Rückhalt der Fans gibt es in Nürnberg nun einen Neuanfang. So formierte Junge um den gebliebenen Kapitän Sebastian Schröder eine Mannschaft mit hungrigen jungen Spielern und erfahren Akteuren wie etwa dem US-Amerikaner Dan Oppland und Andre Calvin. Für letzteren ist es auch ein Wiedersehen mit seinem alten Verein, denn Calvin spielte von 2011 bis 2013 in Ehingen.

Geht es nach Drmota, dann muss vor allem auf Oppland aufgepasst werden. „Er ist ein guter Holzfäller unterm Korb“, sagt er über den Innenspieler der Falcons. Dass Drmota Recht hat zeigen auch seine Statistiken. Mit 14,5 Punkten und neun Rebounds im Schnitt ist er einer der dominantesten Spieler auf den großen Positionen der Liga. Aber auch Diante Watkins dürfe nicht aus den Augen gelassen werden. Mit durchschnittlich mehr als 18 Punkten ist er derzeit der fünftbeste Punktesammler der Liga. „Das Spiel steht und fällt mit ihm“, sagt Drmota, daher müsse es das Ziel sein, diese beiden Spieler aus der Partie zu nehmen. Und dass die Ehinger dann gute Siegchancen haben, zeigt, dass die beiden Akteure zusammen beinahe die Hälfte alle Punkte in Nürnberg erzielen. Denn mit 69 Punkten pro Partie besitzen die Falcons den schwächsten Angriff der Liga.

Ob alle Akteure nach Nürnberg mitfahren können, ist noch ungewiss. So seien zwar alle Spieler einsatzbereit, jedoch ist Radi Tomasevic mit einer Handverletzung (Kapsel am Daumen) noch gehandicapt. Zudem ist Trainer Domenik Reinboth erkrankt, eventuell wird ihn Co-Trainer Mario Dugandzic vertreten. Die Partie beginnt um 19.30 Uhr.

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