Das war so etwas wie ein inoffizieller Pflichttermin für die Ulmer Basketballer: das Pokalviertelfinale zwischen den Fraport Skyliners und den Löwen aus Braunschweig am vergangenen Samstag.  Schließlich stand da mit den Niedersachsen nicht nur der nächste Gegner der Ratiopharm-Korbjäger auf dem Parkett, sondern mit den Hessen auch gleich der Kontrahent der darauf folgenden zwei Pflichtspiele. Einmal in der Basketball-Bundesliga (29. Dezember, 18 Uhr/Arena) und danach am 3. Januar (20.15/Arena) im Eurocup.

Für die Vorbereitung auf die kommenden drei Begegnungen also ein wichtiger Termin. Wobei Trainer Thorsten Leibenath die Bitte, sich die Partie anzuschauen, nicht als Pflicht verstanden haben wollte, schließlich habe er ja nicht kontrollieren können, wer nun tatsächlich vor dem Fernseher gesessen hat.

Er selbst jedenfalls saß vor der Glotze und hat sich den Frankfurter 80:70-Erfolg angeschaut. Grundlegend neue Erkenntnisse haben er nicht gesammelt, sagt der Coach, der  am kommenden Mittwoch (15 Uhr/live bei Telekomsport) „jede Menge Arbeit“ gegen die Norddeutschen erwartet. Die Tatsache, dass die Braunschweiger in dieser Saison bisher wie die Ulmer (eine Partie weniger) auf fünf Erfolge kommen, zeigt, wie nahe sich qualitativ beide Mannschaften gekommen sind.

Der Saisonverlauf der Braunschweiger erinnert Leibenath ein wenig an den Start seiner Mannschaft. Nach zunächst fünf Niederlagen in Serie erlebten die Niedersachsen mit dem am Saisonende scheidenden Trainer Frank Menz zuletzt einen Höhenflug: Mit dem 92:66-Heimerfolg über Bamberg, der erste Saisonsieg überhaupt, starteten die Löwen eine 4:1-Serie, die sie nach elf Spieltagen ganz nah an die Playoff-Plätze brachte. Der Auswärtstrip nach Niedersachsen, der für Ratiopharm Ulm bereits am kommenden Dienstag nach einem letzten Training an der Donau beginnt, wird also wenig mit Besinnlichkeit zu tun haben.

Ein Braunschweiger, der in der Vorbereitung auf die Partie eine große thematische Rolle einnehmem wird, ist Scott Eatherton,  der mit dafür verantwortlich ist, dass sich die Braunschweiger die drittmeisten Rebounds der  BBL holen. Zudem punktet der 26-Jährige  hochprozentig. „Eatherton ist sicherlich der Schlüsselspieler. Ihn auszuschalten wird schwierig. Wir dürfen uns aber nicht nur auf ihn konzentrieren – dafür ist Braunschweig als Team zu gefährlich. Eines ist klar: Das Rebounding wird eine wichtige Rolle spielen“, sagt Leibenath, der wohl auf seinen kompletten Kader zurückgreifen kann.

Warum nicht gleich an Heiligabend?


Ratiopharm-Trainer Thorsten Leibenath sieht es pragmatisch. Pflichtspiele an Weihnachten statt Kuscheln unterm Tannenbaum?  „Ich beklage mich nicht über den Termin. Wir sind  alle so privilegiert“, meinte der Coach. Die Spieler holen sich mittlerweile um Weihnachten die Familie und/oder Verwandtschaft einfach nach Europa.

Beim Fußball-Bundesligisten aus Mainz, der gestern ab 18 Uhr in Hoffenheim spielen musste, waren sie nicht ganz so entspannt. „Warum nicht gleich an Heiligabend?“ fragte der Klub bei Twitter.

In anderen Sportarten ist es übrigens völlig normal, dass kurz vor, nach oder sogar während des Fests gearbeitet wird. In England wird sogar an Weihnachten Fußball gespielt (Boxing-Day). In der NBA sind die Basketball-Stars sogar schon am 25. Dezember wieder gefordert. tgo