Merlins Vor 30 Jahren fing alles an bei den Cralsheim Merlins

Crailsheim / KLAUS HELMSTETTER 22.01.2016
Mit 30 Jahren ist man gemeinhin aus dem Gröbsten raus. Mehr noch. Man steht mit beiden Beinen im Leben, hat schon einiges erlebt. Höhen und Tiefen.

Für die Zukunft noch jede Menge Vorstellungen und Pläne. Auf die Merlins bezogen heißt das nach 30 Jahren: Vier Männerteams (Beko-BBL, Regionalliga, Bezirksliga, Kreisliga), eine Damenmannschaft (Bezirksliga). Die offizielle Mitgliederzahl: rund 160 Aktive, insgesamt 173. Eine Momentaufnahme, die sich sehen lassen kann.

Am Anfang stand ein pfiffiger Schüler (seinerzeit), der bei einem Austauschprogramm in der Crailsheimer Partnerstadt Worthington mit dem Basketballvirus infiziert wurde. Sein Name: Dieter Wolfarth. Zurück in der großen Kreisstadt schnappte er sich – Ende der 60er-Jahre – kurzerhand einen Korb (mitgebracht aus Worthington), malte ein Brett farbig an und befestigte beides an der heimischen Garage. Was in Worthington „an jedem dritten Haus zu finden ist“, hielt auch in Crailsheim Einzug.

 Erste Mannschaft für die Kreisliga B im Sommer 1986 

Jahre später gründete sich am Albert-Schweitzer-Gymnasium eine Schul-AG (Leitung: Oskar Storz) mit dem Wunsch, Basketball zu spielen. Wolfarth erfuhr davon, beide kamen zusammen, und der Grundstein für den Basketball in Crailsheim war gelegt. „Zehn, zwölf Jungs waren anfangs dabei. Dann kamen weitere hinzu. Wir spielten in der Kistenwiesenhalle. Das Ganze hat Spaß gemacht. Wir waren eine gute Truppe“, erinnert sich Wolfarth zurück. Der nächste Schritt: Im Sommer 86 meldeten die Basketballer, inzwischen eine Abteilung beim TSV Crailsheim, erstmals eine Mannschaft für die Kreisliga B, mit Dieter Wolfarth als Spielertrainer.

Zu dieser Zeit sind die Basketballer zu einem Trip nach Pamiers aufgebrochen, einer weiteren Crailsheimer Partnerstadt in Frankreich. Abteilungsleiter Martin Romig wurde vor Ort stets als Präsident angesprochen, woraus sich dann sein Spitzname „Präse“ entwickeln sollte. Und der ist zu Recht stolz auf das, was die Merlins erreicht haben. „Für uns war jede Stufe in der Entwicklung von Hobbysportlern hin zu den Profis in der ersten Liga wichtig. Jede Phase“, so Romig weiter, „hatte ihre speziellen Herausforderungen, war einzigartig und wichtig. Ich möchte keine missen. Unglaublich, was sich alles getan hat, wie viel Energie in dem Projekt steckt. Wir hatten die Underdog-Rolle inne, uns darin aber ganz wohlgefühlt“, so der Basketballchef aus Crailsheim.

In den Anfängen schon bis zu 300 Zuschauer

„Mehrere von uns haben Fußball gespielt – mit einem entsprechenden Konkurrenzverhältnis. Beim Basketball war das plötzlich weg. Wir haben schnell zueinandergefunden“, erzählt Markus (genannt „Manki“) Schmidt, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde bei den Merlins.

Haargenau erinnert sich der 49 Jahre alte Lehrer (Sport, Geschichte, Gemeinschaftskunde am ASG) an die Punktspielpremiere der Merlins. Was Wunder, schließlich hat er am 11. Oktober Geburtstag. Und just zu diesem Termin feierten die Merlins in Heilbronn-Sontheim ihre Punktspiel-Premiere. „Wir haben das Spiel gewonnen – und ich habe keinen Punkt gemacht“, berichtet Schmidt mit einem Grinsen.

Bei der Beschäftigung mit der Historie stellt sich schnell heraus, welche Eckpfeiler das Phänomen Crailsheim Merlins ausmachen – und damit schließt sich der Kreis in die Gegenwart: viele Zuschauer, schon in den Anfängen zu Kreisliga-Zeiten bis zu 300! Ein zweiter wichtiger Aspekt: jede Menge Eigeninitiative und keine Denkblockaden. „Wir mussten uns um alles selber kümmern, hatten keine Vorgaben, wollten uns nicht auf andere verlassen – es herrschte eine Art Aufbruchstimmung“, führt Markus Schmidt dazu aus. „Natürlich wollten wir auch Spiele gewinnen und sportlich weiterkommen. Und sicherlich war es irgendwie auch cool, zum Beispiel für ein Punktspiel nach Stuttgart zu fahren.“

Ein dritter wichtiger Aspekt: Viele Helfer. Von Beginn an machten die Basketballer alles selber und rekrutierten auch immer mehr ehrenamtliche Unterstützer – in der BBL aktuell unabdingbar!

Und die Merlins trauten sich auch an die ganz großen Brocken heran. „Wir hatten keine Schere im Kopf. Frei nach dem Motto ,Fragen kostet nichts’ und dabei haben wir schnell festgestellt, dass eine Menge gehen kann.“

So spielte eine Auswahl in Stuttgart beheimateter Amerikaner vor Ort gegen Ludwigsburg – und – der vorläufige Höhepunkt: Im April 1989 fand in der Großsporthalle ein Testländerspiel zwischen Deutschland und England mit keinem geringeren Coach als Svetislav Pesic, heute Trainer der Münchner Bayern, statt. „Das konnte sich schon sehen lassen, vor allem für uns als kleinem Standort, der damals keine höherklassig spielende Mannschaft hatte.“

Fast kontinuierlich nach oben

Die Entwicklung der Merlins ging bis jetzt (fast) nur kontinuierlich nach oben. „Auch ein Abstieg wäre kein Beinbruch“, denkt Markus Schmidt. „Das wäre keine Katastrophe und gehört im Sport dazu“, betont er, der sich nach einigen Jahren als Spieler schnell in den Trainerbereich aufmachte (vornehmlich Jugend). „BBL, das fühlt sich ein Stück weit wie ein Märchen an“, macht Dieter Wolfarth deutlich. „Ich bin Optimist, glaube und hoffe auf den Klassenerhalt in der ersten Liga. Martin Romig und sein Team machen hervorragende Arbeit“, führt Wolfarth weiter aus. Der 63 Jahre alte Lehrer (Sport/Mathe) besitzt zwei Dauerkarten und wohnt in Michelbach/Bilz.

Eine gesonderte Jubiläumsveranstaltung soll dem Vernehmen nach stattfinden, unter Umständen am 31. Januar – dem Jahrestag der Gründung im Jahr 1986.

Gespannt darf man jedenfalls sein, welche weitere Entwicklung die Merlins nehmen und wie sie wohl in 30 Jahren dastehen werden.

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