Merlins Vom Profisportler zum Sportlehrer

„1 life 2 live“ (sinngemäß: Man hat nur ein Leben) ist als Tattoo auf Tim Schwartz‘ Oberarm zu lesen.
„1 life 2 live“ (sinngemäß: Man hat nur ein Leben) ist als Tattoo auf Tim Schwartz‘ Oberarm zu lesen. © Foto: Steffen Förster
Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 15.03.2016
Melins-Spieler Tim Schwartz hat im Oktober sein Studium abgeschlossen und geht bald ins Referendariat.

Als Basketball-Profi trainiert man mitunter zweimal am Tag und hat ansonsten viel Freizeit, wenn kein Spiel ansteht. Die einen Spieler zocken Playstation oder schauen DVD, die anderen schlafen oder gehen spazieren – Tim Schwartz war das zu wenig. Der 28-Jährige hat schon frühzeitig über den Korbrand hinausgeblickt und 2008 ein Lehramtsstudium (Sport und Englisch am Gymnasium) begonnen. Vergangenen Oktober hat er dieses erfolgreich beendet. „Als Nachtmensch habe ich hauptsächlich am Abend und in der Nacht gelernt. Viele Freunde von früher haben auch nicht schneller studiert, und ich habe nebenher noch ein bisschen Basketball gespielt“, sagt Tim Schwartz, zu Recht stolz auf das Geleistete und lacht.

Er sei froh, dass die anstrengende Zeit vorbei sei und er sich zum ersten Mal rein auf Basketball fokussieren könne, erklärt der in Kirchheimbolanden geborene Spieler. Saarbrücken, Kaiserslautern, Gießen, Jena, Vechta und Landau heißen die Studienorte in Schwartz‘ Vita – manchmal nah an seinen Basketball-Klubs (BG Karlsruhe, Science City Jena, Gießen 46ers, Saar-Pfalz Braves, Kaiserslautern Braves, 1. FC Kaiserslautern), manchmal weit entfernt (Artland Dragons).

In der Sommerpause habe er immer viele Kurse an der Uni belegt – mit „viel bürokratischem Aufwand“ –  und nun hat er sein erstes Staatsexamen in der Tasche. „Es ist schön zu wissen, dass ich sicher aufgestellt bin, wenn ich meine Sportlerkarriere beende“, sagt Tim Schwartz. Ein Jahr wolle er auf jeden Fall noch professionell Basketball spielen, dann möchte er sein Referendariat beginnen. Gerne auch an einer bilingualen Schule oder einer Europaschule. „Profi-Basketball und Referendariat gleichzeitig – das dürfte wohl schwer werden“, so die Einschätzung des 1,97 Meter langen Flügelspielers, der sich selbst eher als Arbeiter denn als Spezialist auf dem Feld sieht. „Ich kann nichts perfekt, aber alles ein bisschen“, so seine Einschätzung. Rebounds, Kampf, Defensive, Energie, Entlastung für Konrad Wysocki, „ab und zu einen Dreier einstreuen“ – der Dunkster, so sein Spitzname, kennt seine Rolle im Team genau.

Seine mittelfristige Zukunft abseits des Parketts sieht Tim Schwartz nahe seiner Heimat – mit seiner Frau Ann-Kathrin, mit der er seit 2013 verheiratet ist.  Sie arbeitet in Speyer und freute sich jetzt über den Besuch ihres Gatten, der vergangene Woche wie alle Merlins-Akteure Donnerstag und Freitag frei hatte. „So oft wie dieses Jahr haben wir uns die letzten fünf Jahre nicht gesehen“, sagt Schwartz und grinst. Nur knapp 140 Kilometer sind es von Crailsheim in die Domstadt. Ein gemeinsames Bad mit der Ehefrau, gutes Essen, entspannen, den Akku für den Endspurt in der Liga wieder aufladen – das hat sich der 28-Jährige vorgenommen, um am Mittwoch und Freitag dann wieder Vollgas zu geben.

"Uns fehlt ein Erfolgserlebnis"

„Von den beiden anstehenden Spielen gegen Braunschweig und Gießen sollten wir mindestens eines gewinnen, da sind wir etwas unter Zugzwang“, erklärt  Tim Schwartz. Plausible Gründe für die Niederlagenserie der Merlins fallen ihm nur schwer ein. „Vielleicht war das Spiel gegen Bayreuth der Neckbreaker. Uns fehlt einfach ein Erfolgserlebnis.“ Außer der Tabellensituation gefalle es ihm sehr gut in Crailsheim: das Umfeld, die Halle, die Unterstützung. „Das Teamgefüge ist unfassbar gut!“, betont Schwartz. Vor allem in der derzeitigen Phase sei das ungewöhnlich. Daraus müsse man die Stärke für die letzten beiden Monate der BBL-Saison ziehen, um den Klassenerhalt zu sichern.

Und im Sommer dann? Ohne Studium und Basketball? Es könnte gut sein, dass es Tim Schwartz dann zum Urlaub irgendwo ans Meer zieht. Da seine Mutter eine Tauchschule besitzt, schwebt auch der 28-Jährige schon immer gerne durch die Unterwasserwelt. Aber mit einem Grinsen gesteht der angehende Lehrer: „Schwimmen war die einzige Disziplin im Sportstudium, wo ich etwas beißen musste.“
 

Enskats Einschätzung



Raoul Korner macht in Braunschweig aus den gegebenen Möglichkeiten einen sehr guten Job als Trainer. Die Löwen sind eine Mannschaft, die in vielen Spielen überzeugen konnte, hatten aber auch ihre Aussetzer. Sie haben jetzt dreimal in Folge verloren, zuletzt gegen die Eisbären Bremerhaven. Die Play-offs sind trotzdem noch in Reichweite. Wir werden heute nur über die mannschaftliche Geschlossenheit gewinnen können. Unsere Verletzten-Situation ist wie die Spiele zuvor auch. Die angeschlagenen Spieler müssen jetzt einfach die Zähne zusammenbeißen bis zum Ende der Saison. In der Sommerpause können sie sich dann richtig erholen. Shyron Ely steigt mit ein paar Wurfübungen wieder ein, aber ich gehe davon aus, dass er noch nicht spielen kann. Bei seiner Knieentzündung ist der Schleimbeutel mit betroffen. Die Reizung verursacht starke Schmerzen. Deshalb ist sein explosiver Antritt nicht möglich.


Gästetrainer Raoul Korner


Wir waren uns im Sommer nicht ganz sicher, wohin die Reise nach der erneuten Etatkürzung gehen würde, freuen uns aber sehr darüber, dass wir uns eher nach oben als nach unten orientieren konnten. Diverse, aber auch langfristige Verletzungen von Leistungsträgern, wie die von Gasser oder Needham, haben unsere Mission nicht wirklich einfacher gemacht. Wir hoffen, jetzt gegen Ende noch einmal Fahrt aufnehmen zu können. Da es nicht mehr nur in unserer Hand liegt, konzentrieren wir uns ganz auf unsere eigenen Leistungen, und dann sehen wir, was passiert. Solange die Play-offs rechnerisch noch möglich sind, werden wir es versuchen. Zunächst hilft es schon einmal, dass unser Spielmacher Derek Needham wieder an Bord ist. Jetzt gilt es aber auch, unsere Defensive wieder auf den Level zu heben, der für uns notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Die Merlins verfügen über talentierte Spieler, waren bisher aber nicht konstant – weder innerhalb eines Spiels, noch spielübergreifend. Dass das Team gefährlich ist, hat es aber schon einige Male – vor allem daheim – unter Beweis gestellt. Die Merlins sind auf der Center-Position besser besetzt, als einige Play-off-Teams. Die größte Schwäche ist meiner Ansicht nach jedoch die Konstanz über 40 Minuten.  In Crailsheim erwarte ich einen harten Kampf zweier Teams, die zuletzt etwas außer Tritt gekommen sind
 

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