Basketball Viel Licht, aber auch noch Schatten

Da gibt es kein Durchkommen für die Crailsheimer Angreifer. Nancys Anthony Goods und der starke Spielmacher Enzo Goudou-Sinha (rechts) machen den Weg zum Korb zu.
Da gibt es kein Durchkommen für die Crailsheimer Angreifer. Nancys Anthony Goods und der starke Spielmacher Enzo Goudou-Sinha (rechts) machen den Weg zum Korb zu. © Foto: Steffen Förster
Crailsheim / hel 10.09.2018
Die Hakro Merlins Crailsheim legen beim eigenen Turnier gegen Karlsruhe (117:67) eine Galavorstellung hin, lassen gegen Nancy (77:89) aber manche Wünsche offen.

Zwei unterschiedliche Gesichter zeigten die Crailsheimer Erstliga-Aufsteiger beim Testlauf am Wochenende in der heimischen Hakro-Arena. Während Ingo Enskat für den Kantersieg gegen Karlsruhe am Samstag (117:67) einen Superlativ bemühte („die Mannschaft hat gespielt wie aus einem Guss“), ließ der Auftritt gegen die Franzosen aus Nancy, vor allem im zweiten Viertel doch zu wünschen übrig.

„Unser Trainer Tuomas Iisalo hatte in der Trainingswoche fast durchweg ein gutes Gefühl“, erklärte der sportliche Leiter der Merlins. „Das muss für das Spiel am Wochenende aber nicht unbedingt etwas bedeuten. Wenn man dann keine Leistung zeigt, ist man höchstens so etwas wie Trainingsweltmeister. Aber“, so Enskat weiter, „gegen Karlsruhe hatte man in der Tat den Eindruck, als ob die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht und auch das abgerufen hätte, was bis jetzt noch gefehlt hat. Das hat mich sehr gefreut. Die Richtung hat auf jeden Fall gestimmt, auch wenn wir gegen ein Team aus der Pro A gespielt haben.“

„Wie aus einem Guss“

Enskat lobte die starke Leistung des gesamten Teams, wollte keinen Spieler herausheben. „Wenn es läuft, dann läuft es einfach und dann fallen auch schwierige Würfe.“ Brion Rush imponierte mit sage und schreibe sieben Dreiern und 24 Punkten, Ben Madgen kam auf 19 Punkte und starke sieben Assists. Unter den Körben schrammte Philipp Neumann knapp am Double/Double vorbei (9 Punkte/9 Rebounds).

Am Sonntag gegen die Franzosen aus Nancy startete der Crailsheimer Coach mit Ben Madgen, Seba Herrera, Philipp Neumann, Brion Rush und Joe Lawson. Spielmacher Frank Turner fehlte nicht nur in der Starting Five, sondern im gesamten Spiel. Er war zwar umgezogen, konnte die Kollegen aber nur moralisch unterstützen. Aufgrund einer Achillessehnenverletzung wurde er geschont, hieß es dazu vonseiten des Coaches.

Frank Turner geschont

Zunächst brachte Youngster Herrera bei den Crailsheimern den Ball. Die Gäste aus Nancy erwiesen sich als sehr athletisches Team, hielten das Tempo hoch und zeigten sich allesamt korbgefährlich. Nach verteiltem Beginn erspielten sich die Merlins einen leichten Vorteil (19:11) und gingen schließlich mit einem knappen Vorsprung von 22:18 in die erste Viertelpause.

In der Folge erwiesen sich die Gäste als durchschlagskräftiger, gingen kurz nach der Viertelpause ihrerseits in Führung und ließen sich die bis zur Halbzeit nicht mehr nehmen (43:55). Nancy erwies sich als handlungsschneller und hielt die Intensität stets auf hohem Level, was den Merlins in der Offense den einen oder anderen Fehlpass bescherte.

Ingo Enskat haderte in der Pause insbesondere mit den 55 Punkten, die die Zauberer aus Crailsheim einstecken mussten. „Der Auftritt in der ersten Halbzeit hat mir überhaupt nicht gefallen. Mit Frank Turner wären wir sicherlich besser ins Spiel gekommen, so hatte der Coach aber zwangsläufig auch die Chance auf dieser Position etwas auszuprobieren.“ Herrera, Rush und Madgen versuchten sich in dieser Rolle.

Nach der Pause bemühten sich sich die Merlins das Blatt noch einmal zu wenden. Mehr als ein knapper Zwischenstand von 69:71 Punkten kam dabei jedoch nicht zustande. Nancy war an diesem Tag einfach cleverer und letztlich auch treffsicherer, um den Erfolg noch einmal aus der Hand zu geben.

Immerhin war der Wille zur Wende zu erkennen, wenn er auch nicht von Erfolg gekrönt war. „Nimmt man die Leistung in der ersten Halbzeit als Maßstab, dann gibt es noch sehr viel zu tun. Andererseits war das jetzt unser siebtes Spiel in der Vorbereitung und wir müssen uns einfach weiter verbessern. Am Donnerstag geht es gegen Chemnitz“, zeigte Ingo Enskat auf. Dann folgen noch Tests gegen die Ligakonkurrenten aus Frankfurt und Ulm, ehe der Startschuss für die BBL in Bremerhaven erfolgen wird. Erfolgreichster Schütze der Merlins war der Australier Ben Madgen (14/3 Punkte/Dreier). Ihm folgten Konrad Wysocki, der seine 13 Zähler (4 Dreier) allesamt in der zweiten Halbzeit markierte und Michael Cuffee (13/3). Von den Neuen machte auch Joe Lawson (10/2) seine Sache gut, während Brion Rush (3/1) nicht die rechte Bindung zu den Kollegen fand.

Unter dem Strich ist das Turnier eine Momentaufnahme in der Vorbereitung. Coach Tuomas Iisalo bleibt noch genug Zeit, um die gewonnen Erkenntnisse im Trainingsbetrieb aufzuarbeiten und mit seinen Spielern umzusetzen.

Etwas kurios mutet der gesamte Turnierverlauf an. Denn „jede Mannschaft zeigte ein gutes und ein schlechtes Spiel“, wie Ingo Enskat zu recht hervorhob. Hanau besiegte Nancy am Samstag mit 66:61, verlor dann deutlich gegen Karlsruhe (61:86). Und auch die Merlins präsentierten, wie beschrieben, zwei verschiedene Gesichter (117:67 gegen Karlsruhe; 77:89 gegen Nancy).

Statistik

Merlins: Madgen 14 (3 Dreier), Wysocki 13 (4), Cuffee 13 (2), Gay 11, Lawson 10 (2), Ferner 6 (2), Herrera 5 (1), Rush 3 (1), Neumann 2, Carpenter

SLUC Nancy Basket (beste Werfer): Narace 18 (1), Goods 14 (3), Odiakosa 10, Barrueta 10 (1)

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel