Basketball Unruhe und Unmut vor Ratiopharm Ulms Gastspiel in Gießen

All-Star Trey Lewis holt mit Ulm zum nächsten Schlag aus. Gelingt in Gießen ein Erfolg, könnte das Ratiopharm-Team zum ersten Mal in dieser Saison auf einen Playoff-Platz klettern.
All-Star Trey Lewis holt mit Ulm zum nächsten Schlag aus. Gelingt in Gießen ein Erfolg, könnte das Ratiopharm-Team zum ersten Mal in dieser Saison auf einen Playoff-Platz klettern. © Foto: Rudi Apprich
Sebastian Schmid 09.12.2017

Den Ulmer Basketballern kann es nur recht sein. Vor dem Gastspiel des Ratiopharm-Teams haben die Giessen 46ers durch den etwas überraschenden Wechsel von Marco Völler zu den Frankfurt Skyliners selber für Unruhe gesorgt. Die spannende Frage ist, wie die Fans morgen (15 Uhr/Telekom Sport) in der Sporthalle-Ost auf den Abgang des 28 Jahre alten Publikumslieblings reagieren. Zuletzt hatten sie mit Sprechchören Völlers Einsatz gefordert – und waren damit beim neuen Trainer Ingo Freyer auf taube Ohren gestoßen.

Mit ein Grund, warum der Sohn von Fußball-Legende Rudi Völler kaum noch zum Einsatz kam und letztlich dem enormen Konkurrenzkampf zum Opfer fiel, ist die Verpflichtung des Ex-Ulmers John Bryant gewesen. Der 30 Jahre alte Center war 17 Tage vor dem Saisonstart verpflichtet worden und knüpft so langsam an seine Glanzzeiten an. Zum letzten Heimsieg der 46ers (84:60 gegen Jena) trug der zweimalige Liga-MVP 25 Punkte und 14 Rebounds bei.

John Bryant war eine Option

„Mit der Verpflichtung von John Bryant hat Gießen einen absoluten Coup gelandet“, sagte Ulms Trainer Thorsten Leibenath, der sieben Jahre lang bei den Hessen tätig war. „Und obwohl es anfangs Zweifel gab, passt er gut ins Team.“ Zur Frage, ob auch die Ulmer mit einer Rückholaktion des einstigen Publikumslieblings geliebäugelt haben, meinte Leibenath nur: „Der Name ist im Sommer mal gefallen.“ Wie konkret die Überlegungen waren, wollte er nicht verraten. Laut Bryant hatte es aber vor der Saison neben dem Angebot aus Gießen und diversen Anfragen aus Frankreich, wo er zuletzt für zwei Monate für Monaco gespielt hat, noch einige lose Gespräche mit einem Bundesligisten gegeben.

Letzten Endes ist Bryant bei den 46ers gelandet – und die Ulmer müssen sich nun Gedanken machen, wie sie ihn stoppen. „Wir müssen uns in besonderem Maß um John kümmern, den Gießen bisher sehr gut nutzt.“ So soll er nicht nur selber punkten, sondern auch Räume für die starken Schützen schaffen und, wenn die ihr Ziel verfehlen, die Rebounds einsammeln. Aufgaben, die er bislang ganz gut meistert. Doch die 46ers sind mehr als nur „J.B.“. Neben ihm punkten auch Dee Davis (14,5 Zähler im Schnitt pro Partie), Austin Hollins (12,9), Jamar Abrams (10,2) und Benjamin Lischka (9,6) ordentlich.

Wettbewerbsnachteil für Ulm

Die Ulmer reisen auf jeden Fall nicht nur mit dem Ziel nach Hessen, durch den sechsten Sieg in Serie einen Playoff-Platz zu erklimmen, sondern auch mit einer Portion Unmut. Grund ist die Spielverlegung durch die Liga von ursprünglich Samstag auf Sonntag. Da das Ulmer Pro-A-Team morgen um 17 Uhr in Trier ein wichtiges Spiel hat, kann Leibenath nicht auf alle Doppellizenzspieler zurückgreifen. „Das ist ein klarer Wettbewersnachteil für uns“, ärgert sich der 42 Jahre alte Ratiopharm-Coach.

Zwei Ratiopharm-Akteure sicher beim All-Star-Day

All-Stars Die Ulmer Basketballer sind auf jeden Fall mit zwei Profis beim All-Star-Day am 13. Januar in der Lokhalle Göttingen vertreten. Per Günther und Trey Lewis wurden von den Fans in die Start-Formationen der beiden Teams gewählt. Nun dürfen die beiden All-Star-Trainer die restlichen Spieler bestimmen. Es könnte also sein, dass beispielsweise Ismet Akpinar, der bei der Wahl mit 3,3 % der Fan-Stimmen auf Rang neun landete, noch von Dirk Bauermann nominiert wird.

Starting Five Team National: Robin Benzing (Würzburg, 9,3 %), Maodo Lo (Bamberg, 7,8 %), Per Günther (Ulm, 6,1 %), Andreas Seiferth (Bayreuth, 5 %), Danilo Barthel (München, 4,5 %).
Trainer: Dirk Bauermann (Würzburg, 29 %).

Staring Five Team International: Rickey Paulding (Oldenburg, 8,5 %), Assem Marei (Bayreuth, 5,2 %), Devin Booker (München, 4,9 %), Trey Lewis (Ulm, 4,8 %), Peyton Siva (Berlin, 4 %).
Trainer: Raoul Korner (Bayreuth, 22,3 %).