Basketball Und plötzlich steht die Polizei da

Da staunen sogar die Gegenspieler aus Kirchheim: Crailsheims Routinier Konrad Wysocki setzt zu einem Dunk an.
Da staunen sogar die Gegenspieler aus Kirchheim: Crailsheims Routinier Konrad Wysocki setzt zu einem Dunk an. © Foto: Steffen Förster
Alexander Schreiber 08.01.2018
Nach der Niederlage in Trier gewinnen die Crailsheim Merlins gegen die Kirchheim Knights 95:84. Ausschreitungen der Gästezuschauer rücken das intensive Spiel jedoch in den Hintergrund.

Dass es sich bei der Partie Crailsheim gegen Kirchheim um ein Derby zwischen zwei Erzrivalen handelt, dürfte Mitte des dritten Viertels jedem in der Arena Hohenlohe in Ilshofen klar geworden sein: Die beiden Mannschaften lieferten sich einen erbitterten Kampf, Hallensprecher Daniel Feuchter peitschte das Publikum wiederholt gegen die Gäste nach vorne.

Den endgültigen Beweis für die Brisanz der Begegnung erbrachten dann aber ein paar der mitgereisten Kirchheimer Fans. Plötzlich regnete es aus dem Gäste­block schwarz-gelbes Konfetti auf den Court, das Schiedsrichtergespann unterbrach das Spiel.

Neun Streifenwagen vor Ort

Während sich die Hallenhelfer bereits mit Wischern und Staubsaugern daranmachten, das Spielfeld von den Papierschnipseln freizuräumen, brach auf der Tribüne plötzlich Tumult aus: Der Sicherheitsdienst war in den Kirchheim-Block gegangen, dort kam es nun zu Handgreiflichkeiten mit Gäste-Fans. Wenige Minuten später trafen Polizisten ein und riegelten den Block ab.

„Die Security-Mitarbeiter seien „körperlich angegangen worden“, heißt es im Polizeibericht. Bei der Auseinandersetzung seien auch einige Stuhllehnen der Sitzreihen beschädigt worden.Insgesamt rückten neun Streifenwagen von den Revieren Kirchberg, Crailsheim und Schwäbisch Hall an, um „die drei Hauptaggressoren aus der Arena Hohenlohe zu bekommen.“ „Meine Mitarbeiter wurden auf den Boden geschubst und dann geschlagen und getreten“, sagte Peter Odenwälder, Geschäftsführer der Sicherheitsfirma, über die Ereignisse. Deshalb habe er die Polizei rufen lassen.

40 Minuten voller Einsatz

Die Partie selbst hätte den Zwischenfall gar nicht nötig gehabt, um das Prädikat „berichtenswert“ verliehen zu bekommen: Beide Mannschaften zeigten 40 Minuten lang vollen Einsatz. Vor allem Kirchheim kämpfte verbissen, trotz eines dünn besetzten Kaders: Mit Mannschaftsführer Tim Koch (Muskelfaserriss) und Brian Wenzel (Rückenverletzung) fehlten den Teckstädtern wichtige Akteure. Zudem mussten die Knights ohne Toney McCray auskommen, dessen Vertrag zu Jahresbeginn aufgelöst worden war.

Am stärksten bekam auf Kirchheimer Seite Corban Collins die Personalprobleme zu spüren: Der Guard spielte die gesamten 40 Minuten durch, schleppte sich zum Ende hin von Krämpfen geplagt über das Parkett. Mit 20 Punkten war Collins bester Punktesammler seines Teams, nahm aber auch die meisten Würfe (19, bei 6 Treffern).

Die Merlins erwischten einen holprigen Start in die Begegnung. Pech im Abschluss und starke Einzelaktionen der Gäste führten zu einem 15:23-Rückstand aus Crailsheimer Sicht zur Viertelpause. „Wir hatten gute Gelegenheiten, aber die Kirchheimer haben schwierige Würfe getroffen“, so Crailsheims Trainer Tuomas Iisalo über die Anfangsphase.

Frank Turner dreht wieder auf

Überraschenderweise drückten die ersatzgeschwächten Gäste früh aufs Tempo. Zwanzig Würfe feuerte Kirchheim in den ersten zehn Minuten ab, acht mehr als die Merlins. Die fanden erst im zweiten Abschnitt in ihren Rhythmus.

Herausstach dann wieder einmal Crailsheims Frank Turner: Der wuselige Aufbauspieler streute einen Dreier ein, verwandelte einen Korb trotz Foul und brachte die Offensive nach und nach ans Laufen. In der Defensive zeigte sich Turner bissig und nahm Kirchheims Charles Barton Junior konsequent die Möglichkeit, zum Korb zu ziehen – trotz zwölf Zentimeter Größenunterschied. Mit 24 Punkten war Turner Topscorer der Begegnung, zudem verteilte er neun Vorlagen. Zehn seiner zwölf Würfe fanden ihr Ziel – eine Fabelquote. Immer wieder schloss der kleine Turner erfolgreich in Korbnähe ab und brachte den Ball nach Eroberung schnell nach vorne. „Es ist eine häufige Fehleinschätzung, dass es im Basketball um Größe geht. Es geht um Schnelligkeit und Begabung. Frank hat beides“, lobte Iisalo seinen Point Guard. „Er hilft uns sehr. Aber er profitiert auch vom Spielsystem und den anderen Jungs. Es ist eine Win-win-Situation.“ Den Beleg für die gute Arbeit im Kollektiv lieferte am Freitag der Statistikbogen: 32 der 36 Crailsheimer Körbe aus dem Spiel heraus ging ein Assist voraus.

Bereits nach zwei Minuten hatte Crailsheim den Rückstand ausgeglichen. Kirchheims Coach Anton Mirolybov reagierte mit einer Auszeit. Im Anschluss gestaltete sich die Partie wieder ausgeglichener. Auffällig auf Kirchheimer Seite war Center Andreas Kronhardt. Der Deutsche, der mit den Merlins in die Bundesliga auf- und wieder abgestiegen ist, strahlte unter dem Korb Gefahr aus. Kronhardt beendete die Partie mit einem Double-Double von 14 Punkten und zwölf Rebounds.

Entscheidend für den Crailsheimer Erfolg waren sicherlich auch die Dreier: Nach Schwierigkeiten im ersten Abschnitt steigerten die Gastgeber ihre Wurfquote aus der Distanz. Insgesamt traf Crailsheim zwölfmal von draußen. Ein besonders feines Händchen hatte Konrad Wysocki, der fünf seiner acht Dreierversuche einnetzte.

Wysocki mit einem Dunk

Und auch sonst fiel der 35-Jährige überall auf. Neben seinen 19 Punkten steuerte Wysocki acht Vorlagen und acht Rebounds bei. Im dritten Viertel drehte der Small Forward die Zeit zurück und versenkte einen krachenden Dunk. Nur wenige hätten ihm wohl so eine Aktion in diesem Alter zugetraut – das Publikum dankte jubelnd.

Umso erstaunlicher ist es, dass Kirchheim das Spiel lange eng halten konnte. „Ich dachte eigentlich, dass irgendwann der Durchbruch kommen müsste, bei dem wir auf 10, 15 Punkte davonziehen. Das ist nie geschehen. Kirchheim hat gut gekämpft“, sagte Tuomas Iisalo im Anschluss an die Begegnung. Immer wieder schlugen die Gäste zurück, oft durch Einzelaktionen. So sorgte Collins für fragende Mienen bei den Merlins, wenn er wieder einmal umringt von Verteidigern trotzdem akrobatische Korbleger verwandelte. Barton Junior ließ immer wieder seine Eins-gegen-eins-Stärke aufblitzen und traf selbst eng verteidigte Würfe.

Mit dem 95:84-Endstand konnte Anton Mirolybov gut leben: „Ich bin stolz auf jeden Spieler. Wir stecken in einer Situation mit vielen Verletzten und mit vielen Dingen, die passiert sind. Das Spiel gibt mir Vertrauen.“ Kirchheim schielt als Zehnter der Pro A weiter auf die Play-off-Plätze.

So spielten sie

Crailsheim –Kirchheim

95:84

Die Viertel im Überblick: 15:23; 33:19; 25:20; 22:22

Crailsheim: Turner (24 Punkte), Wysocki (19), Jost (14), Cuffee (13), Gay (12), Smith (7), Herrera (3), Griffin (2), Bogdanov (1)

Kirchheim: Collins (20), Allen (16)), Kronhardt (14), Rendleman Jr. (14), Barton Jr. (13), Hedley (7), Darouiche