Basketball Ulmer und Trierer Basketballer müssen gewinnen

Thorsten Leibenath (l.) und sein Trierer Trainerkollege Henrik Rödl stehen vor einem schwierigen Saisonendspurt und benötigen morgen einen Sieg.
Thorsten Leibenath (l.) und sein Trierer Trainerkollege Henrik Rödl stehen vor einem schwierigen Saisonendspurt und benötigen morgen einen Sieg. © Foto: Eibner
Ulm / Trier / SEBASTIAN SCHMID 23.04.2015
Ratiopharm Ulm kämpft um einen guten Ausgangsplatz für die Playoffs, Gastgeber Trier ums nackte Überleben. So unterschiedlich die Ziele sind, die Vorgabe für beide Teams ist klar: Verlieren verboten!

Den Ulmer Basketballern ist im Dezember 2012 Historisches gelungen: Sie sind das letzte Team, das in der Bundesliga gegen die Gießen 46ers verloren hat. Direkt nach dem 72:69-Erfolg musste der damals bereits auf dem letzten Tabellenplatz liegende Ex-Klub von Thorsten Leibenath Insolvenz anmelden und gewann im restlichen Saisonverlauf keine weitere Partie mehr.

Die Chancen stehen gut, dass zumindest diese Schmach bald getilgt wird. Gießen fehlt in der Pro A nur noch ein Sieg gegen Nürnberg, um den Aufstieg perfekt zu machen. Die Ulmer ihrerseits wollen verhindern, mit einer weiteren – zumindest vorübergehenden – historischen Pleite die Ausgangslage für die Playoffs zu verschlechtern.

Nur ein Sieg bei der akut abstiegsbedrohten und insolventen TBB Trier hält die geringen Chancen auf Platz vier nach der Hauptrunde am Leben. Drei Siege aus den letzten drei Partien – bereits am Sonntag kommt Bamberg in die Ratiopharm-Arena (17 Uhr) – benötigt das Ratiopharm-Team, um mit Bonn die Plätze zu tauschen. Zudem müssen die Telekom Baskets einmal patzen. Deshalb ist es verständlich, wenn Trainer Thorsten Leibenath eher die Verfolger im Blick hat und sagt: „Wir müssen schauen, dass wir nicht noch auf den sechsten Platz abrutschen.“

Auch wenn die Tabellenregion eine andere ist, sind die Voraussetzungen ähnlich: Drei Siege aus den letzten drei Spielen gegen Ulm, Braunschweig und den Mitteldeutschen BC würden Trier vor dem Abstieg bewahren. Dann muss Tübingen aber patzen. Aufgegeben hat sich das Team von Trainer Henrik Rödl trotz der prekären Lage aber nicht, wie der 70:77- Sieg vom Sonntag in Hagen zeigt.

Rückblick: Am 19. März erklärte die TBB Trier den Klub für insolvent, einen Tag später zieht der Lizenzausschuss der Basketball-Bundesliga (BBL) dem Verein acht Punkte ab: vier für die Anmeldung der Insolvenz, vier für den Verstoß gegen die Mitteilungspflicht. Trier rutscht auf den letzten Platz ab, der Abstieg scheint für den Traditionsverein von der Mosel im 25. Bundesligajahr nicht mehr zu verhindern. Seit drei Monaten haben die Spieler kein Geld mehr erhalten.

Auch die Ulmer blicken gebannt Richtung Rheinland-Pfalz. Noch ist zu dem Zeitpunkt offen, ob Trier die Runde zu Ende spielen kann und darf. Ein vorzeitiges Aus hätte Folgen für das Ratiopharm-Team.  Denn kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz setzt Trier ein sportliches Zeichen und schlägt Oldenburg 80:60 . Es war ein doppeltes Abschiedsspiel: Oldenburg feuert nach der Pleite Trainer Sebastian Machowski, Triers Vitalis Chikoko ist der einzige TBB-Akteur, der den finanziell klammen Verein verlässt.

Kann die TBB die Runde nicht zu Ende spielen, würden die Oldenburger, die bereits das Hinspiel verloren haben, vier Punkte zurückbekommen und den Ulmern ordentlich auf die Pelle rücken. Am 27. März dann Aufatmen an der Mosel und der Donau. Die Liga gibt ihr Okay, Trier darf die Saison zu Ende spielen. Am 13. April revidiert das BBL-Schiedsgericht sogar in Teilen die Entscheidung des Lizenzligaausschusses. Der Traditionsklub erhält zwei abgezogene Punkte zurück. Doch drei Niederlagen in Serie sowie der bestehende Abzug von sechs Punkten lassen den Klassenerhalt in weite Ferne rücken.

Daran ändert der Erfolg in Hagen nur ein wenig. Allerdings zeigt der, dass Trier weiterhin gefährlich und nicht gewillt ist, kampflos den Gang in die Pro A anzutreten. Eine Tatsache, die Leibenath Respekt abnötigt: „Ich finde das sehr beeindruckend. Man muss den Hut davor ziehen, wie Henrik Rödl und sein Team das angehen.“ Allerdings stellt der Coach klar: „Wir können keine Rücksicht nehmen.“ Nicht, dass die Ulmer das letzte Team werden, gegen das Trier in der Bundesliga gewonnen hat.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel