Basketball Ulmer NBBL-Team kämpft um die deutsche Meisterschaft

Ulm / Sebastian Schmid 25.05.2018

Nervosität oder gar Wehmut verspürt Nicolas Bretzel nicht. Der 18-Jährige freut sich einfach nur auf das Top4-Turnier um die deutsche NBBL-Meisterschaft, das an diesem Wochenende in Quakenbrück stattfindet. Dabei könnte das Halbfinale morgen gegen die Gastgeber Young Rasta Dragons (17.30 Uhr) sein letztes Jugendspiel sein. Doch das interessiert Bretzel nicht. Vielmehr hofft er auf die Krönung einer für ihn jetzt schon erfolgreichen Saison.

In vier Teams war der Center mit dem Gardemaß von 2,09 Metern im Einsatz. In seinem vorgezogenen Saison-Fazit erwähnt er allerdings nur die Pro A, wo er mit der Orange Academy den Klassenerhalt verpasst hat, und das NBBL-Team. Davon, dass er neben der Regionalliga auch zweimal in der Bundesliga zum Einsatz kam, berichtet er erst auf Nachfrage.

 Dabei verlief seine Debüt so, wie man es sich als junger Spieler nur erträumen kann. Am 10. Dezember wechselte ihn Trainer Thorsten Leibenath Mitte des dritten Viertels ein. Ratiopharm Ulm lag zu diesem Zeitpunkt in Gießen mit 46:52 zurück. Die nächsten sechs Punkte gingen auf das Konto des Youngsters. Nach dem 52:52 gelang ihm zudem der erste seiner zwei Blöcke. Mit dem Doppellizenzspieler auf dem Feld legte Ulm einen 15:0-Lauf hin und drehte das Spiel.

Das Geheimnis dieses Traum-Debüts klingt einfach. „Den größten Fehler, den ein junger Spieler in der Bundesliga machen kann, ist mit zu viel Nervosität ins Spiel zu gehen“, erklärt Bretzel. Ein Satz, der auch von Trainer Danny Jansson stammen könnte. Der Finne war es, der Bretzel wachgerüttelt hat. Denn ganz so abgeklärt, wie sich der gebürtige Ulmer anhört, ist er nicht.

Mit neun Jahren fängt er an, Basketball zu spielen. An der Seite von Marius Stoll durchläuft er von der U 10 an alle Ulmer Jugendteams. Marius’ Vater Thomas Stoll, Geschäftsführer von Ratiopharm Ulm, trainiert das Duo zu Beginn und erkennt schnell das Talent des Big Man: „Uns war immer klar, dass Nico es weit bringen kann, wenn er es selber will.“

Doch genau da lag das Problem. Nicolas Bretzel ließ den letzten Willen vermissen. Neben dem Basketball waren ihm Tennis, Fußball und Taekwondo wichtig. Als er vor drei Jahren dann seinen Realschulabschluss machte, wurde es zu viel. „Ich bin nachts nicht mehr zur Ruhe gekommen“, erinnert sich Bretzel. Zwei Jahre lang hatte er mit Schlafproblemen zu kämpfen. Erst mit dem Umzug in das Sportlerwohnheim der Ulmer Basketballer wurde es besser. Danach konzentrierte er sich ein Jahr lang nur auf das Basketball spielen.

Die Schlafprobleme gehören inzwischen der Vergangenheit an – und auch die Unentschlossenheit. Bretzel will neben seinem Fachabitur den Sprung zu den Profis schaffen und sich vermehrt Bundesliga-Einsätze erkämpfen. Dass es bislang nur zu zwei Erstliga-Auftritten gereicht hat, ist Pech. In Gießen lief er mit einer Bänderverletzung im Sprunggelenk auf, fiel danach mehrere Wochen aus und musste sich erst wieder zu alter Form zurückkämpfen. Nun, rechtzeitig zum Top4, ist der Topscorer des Ulmer NBBL-Teams bereit.

Young Rasta Dragons: Trainer mit talentiertem Sohn

Ulms Halbfinalgegner Young Rasta Dragons, eine Spielgemeinschaft von Bundesliga-Aufsteiger Rasta Vechta und den Artland Dragons (Pro B), wird von Ex-Bundesligaspieler Florian Hartenstein (40) trainiert. Dessen Sohn Isaiah (19) ist deutscher Nationalspieler, wurde im vergangenen Jahr von den Houston Rockets im NBA-Draft ausgewählt, hat aber bislang in der G-League für die Rio Valley Grande Vipers gespielt. Nun will er den Sprung in den Profi-Kader um die Superstars James Harden und Chris Paul schaffen.

Im zweiten Halbfinale des NBBL-Top4 stehen sich das leicht favorisierte Team von Alba Berlin und Bayern München gegenüber.