Basketball Ratiopharm Ulm feiert weiteren Etappensieg

Helen Weible 19.12.2016

Der Ulmer 95:85-Auswärtssieg bietet, bei aller Euphorie, die gute Möglichkeit, einmal kurz innezuhalten. Der 13. Bundesliga-Sieg der Korbjäger aus der Donaustadt war keineswegs ein Zuckerschlecken, es war ein hart erkämpfter Erfolg und das gegen ein Team aus dem Tabellenkeller, einem Aufsteiger. Was unter anderem beweist, dass nicht nur Rasta Vechta heiß darauf ist, dem Seriensieger Ratiopharm Ulm erstmals die Grenzen aufzuzeigen. Auch jedes andere BBL-Team ist hochmotiviert, den Schwaben die erste Niederlage zuzufügen.

Trainer Thorsten Leibenath predigt es ohnehin schon seit längerem. Achtung, heißt es, „noch sind wir keiner der großen Bs, wir haben noch nichts erreicht, außer ein paar einzelne Siege gefeiert“, so Leibenath jüngst. Auch Tim Ohlbrecht, im Rasta-Dome in bestechender Form und Topscorer, sagte: „Wir denken lieber von Spiel zu Spiel.Wir haben einen guten Rhythmus, die Teamchemie stimmt. So wollen wir weiterarbeiten.“ Die alte Sportler-Weisheit, wie passend momentan auf die Ulmer Situation.

Trotz der beachtlichen Serie von 13, ja eigentlich 14 mit dem Kantersieg gegen die inzwischen insolventen Hagener, gewonnenen BBL-Spielen in Folge, stehen die Doppelstädter noch nicht in den Playoffs und haben auch noch nicht zur einer verlässlichen Konstanz gefunden. Wo Per Günther und Co. gegen Bamberg an das nahezu perfekte Spiel heranreichten, fehlte es unter der Woche im Eurocup in Jerusalem, aber auch gegen das Team von Andreas Wagner hier und da an der Durchschlagskraft. Hätte Vechta etwas mehr Wurfglück gehabt, wäre es noch enger zugegangen als ohnehin schon.

„Rasta hat uns viel von dem weggenommen, was wir ansonsten durchkriegen – sie haben ja auch 85 Punkte gemacht“, sagte der Ulmer Coach. Bei einigen seiner Stammkräfte machte sich die Doppelbelastung der vergangenen Wochen bemerkbar, es zwickte bei dem ein oder anderen hier und da. Und das zu einem Zeitpunkt, wenn die Hinrunde noch gar nicht ganz gespielt ist. Nach dem Aufeinandertreffen mit Würzburg am Mittwochabend (19 Uhr) folgt das erste Bayern-Duell am zweiten Weihnachtsfeiertag in München, dann geht es kurz vor Silvester gegen die BG Göttingen. Erst dann darf von einer womöglich historischen Halbzeitbilanz gesprochen werden.

Im Norden wurde klar: Langsam nagen die Trips und Hochleistungen an der Substanz. Von Regisseur Per Günther sah man nicht so viel wie sonst, als ob der Kapitän einen Gang zurückgeschaltet hatte. Der Wirbelwind traf keinen seiner vier Versuche aus dem Zweierbereich, auch als Korbvorlagengeber trat er weniger als sonst in Erscheinung. Letztlich leisteten sich die Ulmer in der ersten Hälfte auch zu viel Ballverluste.

Umso schöner die Aktionen des Ende des ersten Viertels eingewechselten Youngsters Joschka Ferner. Der 20-Jährige zog zum Korb, und traf aus der Distanz. In seinen gut fünf Minuten kam der Flügelspieler auf sieben Punkte, war Anfang des zweiten Abschnitts zwischenzeitlich Ulmer Topscorer und sammelte auch insgesamt mehr Zähler als Da’Sean Butler und Per Günther. Ein junger Mann, der immer mehr Verantwortung in der Bundesliga übernehmen darf. Der 22-jährige Niklas Geske von Rasta, weiß, wie wichtig es ist, nicht nur Einsatzminuten zu bekommen, sondern auch ernst genommen zu werden.

Selbstbewusster Nachwuchs

Da bei Vechta der US-Point-Guard Scott Machado den Klub vor wenigen Tagen verließ, lastet zumindest kurzfristig mehr Verantwortung auf den Schultern des Deutschen mit dem Bubigesicht. Wenn man Geske spielen sieht, beschränkt sich der Eindruck der „Unreife“ absolut nur aufs Äußerliche. Auch Ferner tritt sichtlich selbstbewusster auf, er ist präsenter auf dem Feld.

„Das fängt schon im Training an, da müssen die Jungen entsprechend eingebunden werden“, sagte auch Ohlbrecht zum Thema Eingliederung der jungen Deutschen in der BBL. Ferner wird von Trainer Leibenath zusammen mit David Krämer, Till Pape und Björn Rohwer bekanntlich stark eingebunden. Die Zukunft spricht für die Ulmer, die in der Bundesliga eindrucksvoll marschieren.