Es wäre schon ein arger Zufall gewesen: Da verletzt sich bei Ratiopharm Ulm ein deutscher Center und nur wenige Tage später wird in Ludwigsburg der Vertrag mit einem deutschen Center aufgelöst, der keine zwölf Stunden später als Neuzugang in Ulm vorgestellt wird. Da hat Ulms Trainer aber Glück gehabt, wird sich so mancher denken. Die Realität sieht indessen ein wenig anders aus: Da hat Thorsten Leibenath, im Zusammenspiel mit Thomas Stoll, ein wenig nachgeholfen, um schnell Ersatz zu finden. Ob dabei Bogdan Radosavljevics Manager seinen Spieler bei Ulm angeboten oder der Klub sich an den Spieler gewandt hat, ließ Leibenath offen

Doch dass der fünfmalige Nationalspieler angesichts seiner geringen Einsatzzeiten in Ludwigsburg unzufrieden war, war den Ulmern bekannt und spielte ihnen in die Karten. Zumal Leibenath sich schon mehrmals mit Radosavljevic getroffen hat, um den 25-Jährigen zu einem Wechsel zu überreden. „Wir hatten auch vor dieser Saison Kontakt“, verriet der 43-Jährige, stellte aber auch klar: „Viele wären überrascht, mit wie vielen Spielern Kontakt besteht.“ Dass es zu keiner Einigung kam, lag nicht nur am Klub und am Spieler. „Für so etwas gibt es mehr Parameter als man denkt.“ Umso schöner findet Leibenath, dass es nun geklappt und sein Team einen Ersatz für Gavin Schilling gefunden hat. Der wird noch mehrere Wochen mit einer Knöchelverletzung ausfallen.

Mit dem Auftritt des Neuzugangs bei der bitteren 91:92-Niederlage gegen die Gießen 46ers war der Trainer durchaus zufrieden. „Er hat uns geholfen und war der Spieler mit der besten Plus/Minus-Bilanz.“ Dieser statistische Wert drückt aus, dass solange Radosavljevic auf dem Feld war, Ulm elf Zähler mehr als Gießen erzielt hat. „Er hat vieles gut gemacht, auch wenn er seine Würfe noch nicht getroffen hat“, sagte Thorsten Leibenath.

Gegen Germani Brescia Leonessa erhält der 2,13 Meter-Center die nächste Chance auf Spielanteile. Das heutige Duell mit den Norditalienern (19.30 Uhr/Telekom Sport) in der nicht ausverkauften Ratiopharm-Arena ist eine richtungsweisende Partie für das Erreichen der zweiten Runde. „Gewinnen wir, sind wir wieder im Rennen um einen der ersten vier Plätze“, erklärt Leibenath. Bei einer weiteren Heimniederlage sähe es hingegen auch im Eurocup düster aus.

Letztes Viertel als Video

Abgesehen davon tun Siege immer gut, vor allem aber in der momentanen Gefühlslage der Ulmer Basketballer. Nach dem Gießen-Spiel war Leibenath sogar zu frustriert, um eine erste Analyse vorzunehmen. „Manchmal findet man keine Worte, weil einem nicht nach Reden zumute ist“, erklärte er mit etwas Abstand seine Reaktion. An der Erkenntnis, dass es eine der bittersten Niederlagen seiner Laufbahn war, haben aber auch zwei Nächte Schlaf nichts geändert.

Wie ihm ging es allen seinen Spielern, die sich am Sonntag noch einmal das letzte Viertel in der Videoanalyse anschauen mussten. Nicht zur Strafe, sondern zum Lernen. Denn solche Fehler, wie die in der Schlussphase gegen Gießen, sollen in Zukunft vermieden werden.

Aufhol-Spezialisten kommen heute in die Arena


Brescia Während die Ulmer Basketballer gegen Gießen im letzten Viertel einen Zwölf-Punkte-Vorsprung verspielten, konnte Brescia im Eurocup vergangene Woche einen 22-Punkte-Rückstand aufholen. Nach fünf Minuten lag Roter Stern Belgrad in eigener Halle mit 24:2 in Front, unterlag den Italienern aber noch mit 61:69. Ulms Trainer Thorsten Leibenath spricht von einem beeindruckenden Spiel, das Brescia hingelegt hat. Vor allem mit seiner wechselnden Verteidigung hat das Team von Coach Andrea Diana Belgrad dabei aus dem Konzept gebracht. Herausragende Akteure bei Brescia sind Bryon Allen, der vergangene Saison elf Spiele für Oldenburg gemacht hat, und der 154-fache NBA-Spieler Jordan Hamilton (u.a. Denver und Houston).