Basketball Ulmer Basketballer siegen im Stile einer Spitzenmannschaft

Von Sebastian Schmid 18.12.2017
Ratiopharm Ulm hat in der Basketball-Bundesliga den siebten Sieg in Serie gefeiert. Gegen Würzburg dreht vor allem Kapitän Per Günther auf. Doch der Schlüssel zum 72:69-Sieg lag in der Defensive.

Zwei „Spitzenmannschaften“ sind sich am Samstag in der Ratiopharm-Arena gegenüber gestanden, darin waren sich die Trainer einig. Sowohl Ulms Thorsten Leibenath als auch Würzburgs Dirk Bauermann waren voll des Lobes für das eigene und das gegnerische Team. Die hatten zuvor ein unterhaltsames, spannendes Spiel auf hohem Niveau gezeigt und sich gegenseitig alles abverlangt. Dass Ulm mit 72:69 gewann, war verdient. Die Hausherren hatten sich den siebten Bundesliga-Erfolg in Serie mit einer starken Defensive und viel Einsatz hart erkämpft.

Butler nervt Benzing

Und doch hätten sich die Hausherren vor 6200 Zuschauern auch nicht über eine Niederlage beschweren dürfen, denn nach dem 19:12 für Ulm nach dem ersten Viertel entschieden die Würzburger die restlichen drei Durchgänge für sich. Aber Abdul Gabbys Dreierversuch beim Stand von 69:72 nach Sicht der Würzburger verfehlte sein Ziel. „Das tut weh“, sagte Kresimir Loncar, mit 22 Punkten bester Werfer der Gäste, bei Telekom Sport. „Die letzten Spiele haben wir scheiße gespielt. Heute haben wir gut gespielt, aber verloren. Aber das ist Basketball.“

Damit das Ratiopharm-Team einen stark auftretenden und aufopferungsvoll kämpfenden Gegner schlagen konnte, mussten einige Faktoren zusammenkommen. Da wäre zum einen die Abwehrleistung der Hausherren, die Würzburg unter 70 Punkte hielten. Zwar tat Loncar Ulm immer wieder weh, dafür blieben Robin Benzing und Maurice Stuckey weit unter ihren Möglichkeiten. „In erster Linie haben wir uns auf Robin konzentriert und in zweiter Linie auf Loncar und Stuckey“, erklärte Leibenath. „Zwei von drei haben wir im Griff gehabt. Das war der Schlüssel zum Sieg.“

Vor allem Da’Sean Butler macht gegen Benzing einen richtig guten Job. Von Beginn an ging der 29-Jährige dem Ex-Ulmer auf die Nerven, stand ihm auf den Füßen und beschäftigte Benzing auch in der Defensive. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, mit bis dahin 19,6 Punkten bester Werfer der Bundesliga, bekam so keine Sekunde zum Verschnaufen und blieb mit acht Punkten blass. Auch Isaac Fotu bot eine starke Leistung und wurde dafür von Leibenath ebenso wie Butler mit einem Extra-Lob bedacht.

Günther trifft nach Belieben

Gefeierter Held des Abends war aber Per Günther mit sechs getroffenen Dreiern und 22 Punkten. Treffsicherheit, Zug zum Korb, Führungsqualitäten – der Kapitän präsentierte sich in Bestform. Dass der 29-Jährige zuletzt nicht so dominant wie gewohnt auftrat, hat Gründe. Auch er muss sich erst an das neue Team gewöhnen: „Wir haben einige Spieler, die sich sehr ähnlich sind und scoren wollen.“ Also gilt es für ihn als Point-Guard herauszufinden, wer einen guten Tag erwischt hat und den Spieler in Szene zu setzen. So kommt es, dass drei Tage nach dem Eurocup-Spiel auf Gran Canaria die Rollen im Team komplett vertauscht sind. Während gegen die Spanier Günther ohne Punkte blieb und Trey Lewis mit 28 Punkten überragte, verbuchte Lewis gegen Würzburg lediglich vier Zähler, während Günther aufdrehte.

„Wir haben bei den einzelnen Spielern super hohe Aufs und Abs“, erklärt Günther. Er selber nimmt sich, was das Punkten betrifft, hin und wieder zurück. „Sonst habe ich immer Spielzüge angesagt, bei denen ich zum Wurf komme. Das mache ich jetzt nur noch begrenzt.“ Zumal er in den letzten Wochen nicht immer das Wurfglück auf seiner Seite hatte. Dass er jedoch jederzeit eine Partie so gut wie im Alleingang entscheiden kann, hat er gegen Würzburg gezeigt.

Bereits heute machen sich die Ulmer auf den Weg ins russische St. Petersburg, wo morgen (18 Uhr) das letzte Eurocup-Auswärtsspiel ansteht.