Bonn Ulmer Basketballer gewinnen in Bonn: Eiskalt das Halbfinal-Ticket gebucht

Bonn / SEBASTIAN SCHMID 20.05.2015
Ratiopharm Ulm hat dank einer richtig starken Leistung und dem 86:79 in Bonn das Halbfinal-Ticket gebucht. Zeit zum Feiern haben die Basketballer nicht. Schon am Samstag geht es in Bamberg weiter. Mit einem Kommentar von Sebastian Schmid: The Best of the Rest.

Thorsten Leibenath ging, wie es sich für einen guten Trainer gehört, in der wichtigen Szene voran. Als die rund 70 mitgereisten Ulmer Basketball-Fans, die sich über die wegen des Bahnstreiks staugefüllten Autobahnen nach Bonn gequält hatten, mit den Spielern den 86:79-Sieg feiern wollten, trieb der Ratiopharm-Coach seine Team durch den Kabinengang in den Innenraum der Halle. Dort wurde gemeinsam lautstark der Halbfinal-Einzug gefeiert. Durch den dritten Auswärtserfolg bei den Baskets Bonn in den vergangenen 22 Tagen, den zweiten im Playoff-Viertelfinale, setzte sich Ulm in einer spannenden Serie mit 3:2 durch und drehte einen 1:2-Rückstand noch um.

Im Halbfinale steht am Samstag (20.30 Uhr/Sport 1) die erste Partie bei den Baskets Bamberg an. Ulms Manager Thomas Stoll verschwendete nach dem Sieg noch keinen Gedanken an die Franken: „Darum kümmern wir uns morgen.“ Eine kleine Kampfansage ließ er dann doch los: „Wir sind gut drauf und können auch Bamberg schlagen.“

Beim alles entscheidenden fünften Spiel setzte Leibenath auf dieselbe Start-Formation, die im vierten Spiel den Grundstein für den 86:73-Heimsieg und damit für das entscheidende fünfte Spiel gelegt hatte. Das Quintett knüpfte an diese gute Leistung an und überzeugte mit einer starken Defensive.

Vor allem Ian Vougioukas, der bereits in den vorangegangenen beiden Playoff-Duellen der überragende Mann auf dem Feld war, erwies sich erneut als Fels in der Brandung und war mit 18 Punkten einmal mehr nicht von den Baskets zu stoppen. Vorne sorgte er für die ersten Punkte der Partie, hinten blockte er allein im ersten Durchgang drei Würfe der Bonner. Mit einem Zauberwurf besorgte der Grieche dann die 11:5-Führung. Unter Zeitnot traf Vougioukas vom Zonenrand rückwärts in den Korb.

Nach dem Kunstwurf erlahmte das Ulmer Offensivspiel und Bonn nutzte diese Schwächephase, um bis zum Viertelende bis auf zwei Punkte aufzuschließen (17:19). Allerdings ließen die Baskets auch viele freie Chancen ungenutzt. Dirk Mädrich besorgte per Dreier trotzdem die erste Führung der Hausherren (20:19). Fortan konnte sich kein Teams mit mehr als drei Zählern absetzen. Einem Korberfolg von Jaka Klobucar mit anschließendem Steal ermöglichte den Ulmern die Pausenführung durch Tim Ohlbrecht (40:38).

20 Minuten trennten die Teams vom Ende der regulären Spielzeit und noch hatte sich niemand einen entscheidenden Vorteil erarbeitet. So langsam machte sich Nervosität breit – zumindest häuften sich die Fehler auf beiden Seiten. Die Hausherren kamen etwas besser durch die Phase, Eugene Lawrence sorgte für das 50:45 seines Teams. Doch Maarty Leunen und vor allem Tim Ohlbrecht, der wichtige Offensiv-Rebounds holte, brachten Ulm zurück. Bonns Benas Veikalas sorgte unter Bedrängnis mit der Viertelsirene per Dreier für die 59:57-Führung der Bonner.

Im letzten Durchgang war es dann erneut Ohlbrecht, der sich am offensiven Brett zwei Abpraller krallte und damit dem Team Sicherheit gab. Als Brion Rush und Per Günther je einen Dreier trafen, lag Ulm sieben Minuten vor dem Ende 67:60 vorne. Doch die Serie hat bislang gezeigt, wie schnell ein solcher Vorteil aufgebraucht ist. Und tatsächlich: Nur eine Minute später waren die Bonner nach einem Dreier von Lawrence, mit 17 Punkten gestern erneut bester Basket-Akteur, auf 65:67 dran. Nach einer Auszeit von Leibenath war es Vougioukas – wer auch sonst? – der mit vier Zählern in Folge für Ruhe sorgte. Bereits fünf Minuten vor dem Ende hatten die Mannschaft von Mathias Fischer die Foulgrenze erreicht.

Günther mit seinem zweiten wichtigen Dreier besorgte das 76:70, musste kurz darauf aber angeschlagen vom Feld, nachdem Lawrence ihn abgeräumt hatte. Doch das Ratiopharm-Team ließ sich vom Ausfall des Kapitäns nicht schocken und behielt in der Schlussphase von der Freiwurflinie die Nerven. Als Deonte Burton 29 Sekunden vor dem Ende mit seinen ersten Würfen der Partie von der Freiwurflinie zum 86:79 traf, war der Jubel unter den Ulmer Fans riesig. Als der nächste Wurf von Tadas Klimavicius sein Ziel verfehlte und Will Clyburn sich den Rebound sicherte, war klar, dass den Gästen der Sieg nicht mehr zu nehmen ist. Das wussten auch die Bonner, foulten nicht mehr und ließen die Zeit herunterlaufen.

Leibenath war nach der Partie natürlich erleichtert. „Das hätte heute in beide Richtungen ausgehen können.“ Warum es zugunsten der Ulmer ausging, sagte Fischer. „Die Rebounds und die Freiwürfe haben den Ausschlag gegeben.“ Etwas resignierend fügte er hinzu. „Es ist, wie es ist.“

Während die Baskets-Akteure angesichts einer weiteren Heimniederlage und dem Saison-Aus mit hängenden Köpfen auf dem Feld standen, hüpften die Ulmer Spieler teilweise wie kleine Kinder durch den Kabinengang des Telekom-Dome, bevor sie in die Halle zurückkehrten und sich von den Fans den verdienten Applaus abholten.

Kommentar von Sebastian Schmid: The Best of the Rest

Riesige Freunde bei den Ulmer Bundesliga-Basketballer und ihren Fans. Nachdem das Ratiopharm-Team bereits mit 1:2 gegen Bonn zurückgelegen hatte, haben Per Günther und Co. die Serie gedreht und stehen nach dem gestrigen 86:79-Sieg am Rhein im Halbfinale. Dort wartet mit Bamberg ein scheinbar übermächtiger Gegner. Doch die Ulmer haben gegen Bonn viel Moral und großen Kampfgeist bewiesen - vielleicht ist nun die Sensation gegen die Franken drin.

Selbst wenn es nicht für das Finale reicht, ist die Saison für die Ulmer ein toller Erfolg. Realistisch betrachtet werden nur noch die Plätze hinter den drei Top-Klubs aus Bamberg, Berlin und München ausgespielt, die die Meisterschaft unter sich ausmachen. Das Trio ist dem Rest der Liga enteilt. Deshalb haben die Ulmer mit dem Halbfinal-Einzug in der Bundesliga das Maximale bereits erreicht. Sie sind "The Best of the Rest". Jeder weitere Sieg wäre eine schöne Zugabe, der Final-Einzug ein kleines Basketball-Wunder.

Durch den Halbfinal-Einzug sind die Ulmer nun aber auch erster Herausforderer der drei großen Bs. Etwas, worauf sich der Klub angesichts der Konkurrenz aus Oldenburg oder Bonn etwas einbilden kann. Es ist aber auch ein Status, den es für den Ratiopharm-Team im kommenden Jahr zu verteidigen gilt.

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