Dass der Sieg gestern Abend im Eurocup wichtig war, steht außer Frage. Wie wichtig, vermochte Thorsten Leibenath noch nicht zu sagen. „Wir müssen erst sehen, ob der Knoten damit geplatzt ist“, meinte der Trainer von Ratiopharm Ulm nach dem 83:82-Krimi gegen Brescia.

Vor dem Bundesligaspiel am Sonntag in Bayreuth (15 Uhr/Telekom Sport) halten die Ulmer mit dem zweiten Heimsieg im Eurocup die Chance auf die zweite Runde am Leben. Eine Niederlage wäre angesichts des Spielverlaufs aber nicht nur für den internationalen Wettbewerb fatal gewesen. Nur drei Tage nach dem 91:92 gegen Gießen, als Ulm eine deutliche Führung im letzten Viertel mit dummen Fehlern aus der Hand gab, war erneut Zittern angesagt.

Nach einem defensiv schlechten ersten Viertel (24:29) lagen die Hausherren vor 3000 Zuschauern zur Halbzeit mit 40:45 zurück. Vor allem der Ex-Oldenburger Bryon Allen und der ehemalige NBA-Profi Jordan Hamilton bereiteten ihnen Probleme. In der Offensive haderten die Ratiopharm-Akteure vor allem mit ihren Distanzwürfen. Nur zwei von 13 Versuchen fanden in der ersten Hälfte ihr Ziel.

Kurios: Mit einem 39:45 ging der Bundesligist in die Kabine, bei der Rückkehr stand es 40:45. Die Schiedsrichter hatten per Video einen Wurf von Javonte Green überprüft und nachträglich als Dreier gewertet. Der 25-Jährige zeigte gegen die Italiener, wie wichtig er ist – wenn er keine Foulprobleme hat. Mit 19 Punkten war er Ulms bester Werfer, sicherte sich neun Rebounds und klaute dem Gegner dreimal den Ball. Dass er mit seinen spektakulären Dunkings die Arena zum Beben bringen kann, hat er gestern erneut mehrmals bewiesen.

Green war es auch zu mit verdanken, dass Ulm den dritten Durchgang – bislang in dieser Saison statistisch gesehen das Problem-Viertel – mit 27:18 für sich entschied. Dank Einsatz und Wille erarbeitete sich die Leibenath-Truppe vor den letzten zehn Minuten eine Vier-Punkte-Führung (67:63). Die war jedoch binnen zwei Minuten dahin (67:69), ab da war es eine Zitterpartie. Nach dem 74:72 konnten sich die Ulmer zwar auf 81:74 absetzen, doch zwei schnelle Dreier sowie ein Tip-In von Hamilton brachten Brescia 20,2 Sekunden vor dem Ende wieder in Führung.

Nachdem Katin Reinhardt 7,3 Sekunden vor der Sirene zum 83:82 getroffen hatte, konnten die Italiener einen Einwurf nicht unter Kontrolle bringen. Die Hausherren lösten diese Aufgabe deutlich besser als gegen Gießen und gaben den Ball dieses Mal nicht mehr her. Das Aufatmen nach der Schlusssirene war auf dem Spielfeld, der Auswechselbank und der Tribüne gleichermaßen groß. Die Ulmer Basketballer haben gezeigt, dass sie ein enges Spiel doch noch gewinnen können.