Playoffs Ulmer Basketballer gehen optimistisch ins "Endspiel" ums Halbfinale

Tim Ohlbrecht geht zum Korb.
Tim Ohlbrecht geht zum Korb. © Foto: Marius Becker/dpa
SEBASTIAN SCHMID 19.05.2015
Die personellen Veränderungen, die Ulms Trainer Thorsten Leibenath im vierten Spiel gegen Bonn vorgenommen hat, haben gefruchtet. Nun müssen die Baskets die passende Antwort darauf finden.
So schnell kann sich die Gefühlswelt verändern. Nach der 95:99-Niederlage am Freitagabend schlichen die Ulmer Basketballer mit hängenden Köpfen und Schultern aus dem Bonner Telekom-Dome und wussten nicht so recht, was ihnen jetzt noch Hoffnung auf den Halbfinal-Einzug machen soll. Am Sonntagabend dann ein ganz anderes Bild.

Nach dem 86:73-Sieg gegen die Telekom Baskets Bonn haben die Ratiopharm-Basketballer neuen Mut geschöpft und blicken der entscheidenden fünften Viertelfinal-Partie am Mittwoch (20 Uhr/live, aber kostenpflichtig auf www.telekombasketball.de) optimistisch entgegen. Grund dafür war der Auftritt vor 6200 Zuschauern in der Ratiopharm-Arena. „Jetzt haben wir das Momentum“, freute sich Thomas Stoll. Dass die entscheidende Partie auswärts über die Bühne geht, sieht der Manager nicht unbedingt als Nachteil: „Jetzt geht es nicht mehr um den Heimvorteil, jetzt geht es um den Willen.“

Durch den Ausgang der anderen Viertelfinal-Serien ist übrigens sicher, dass Ulm die Saison mindestens auf Rang fünf beendet und damit für den Eurocup qualifiziert ist.

Der Erfolg in Neu-Ulm war das erste Playoff-Spiel zwischen den Teams, das mit mehr als fünf Punkten Unterschied endete (75:73, 88:93, 95:99, 86:73 aus Sicht der Ulmer). Dabei ist zum ersten Mal einer der Trainer von seiner gewohnten Rotation abgewichen. Thorsten Leibenath setzte in der Startformation auf Ian Vougioukas statt Tim Ohlbrecht und brachte Jaka Klobucar statt Maarten Leunen, der in seinem 38. Saisonspiel erst zum zweiten Mal nicht zur Anfangs-Fünf gehörte. Der 29-Jährige hatte bereits im letzten Hauptrundenspiel und zum Playoff-Auftakt gegen Bonns Angelo Caloiaro seine Probleme. Beide Male stellte Leibenath nach einem deutlichen Rückstand um, und ließ den schnelleren Will Clyburn gegen Caloiaro verteidigen – beide Male drehte Ulm das Spiel.

Ab Playoff-Spiel zwei setzte der Ratiopharm-Coach von Beginn an auf das Duell Clyburn gegen Caloiaro. Allerdings musste Leunen dadurch gegen den schnelleren Andrej Mangold verteidigen. Der Bonner hatte in der Hauptrunde 3,8 Punkte im Schnitt erzielt, in den beiden Playoff-Spielen gegen Leunen waren es acht und zehn Zähler. In Spiel vier bekam Mangold es nun mit Philipp Schwethelm zu tun, der bislang Benas Veikalas verteidigt hatte. Mangolds Ausbeute: zwei Punkte.

Im Aufbau erhielt Per Günther dieses Mal mehr Hilfe von Deonte Burton. Das Duo engte gemeinsam die Kreise von Eugene Lawrence deutlich mehr ein, als das zuletzt der Fall war. Der Baskets-Aufbauspieler kam zwar trotzdem auf 15 Punkte und acht Assists, war nach der Pleite aber unzufrieden mit sich: „Ich muss einen besseren Job machen und meine Mannschaft führen.“

Bislang spielt der 28-Jährige stark auf und hat seine Punkteausbeute gegenüber der Hauptrunde von 7,4 auf 13,5 gesteigert. Die Personalveränderungen waren für ihn nicht das Problem: „Es lag nicht daran, was Ulm gemacht hat, sondern dass wir schlecht gespielt haben.“

Und doch hat die Rochade Vorteile für Ulm ergeben. Tim Ohlbrecht, der reboundstärker als Vougioukas ist, kam von der Bank und spielte gegen den ebenfalls zunächst draußen sitzenden Tadas Klimavicius. Der hatte Ulm mit seiner Reboundstärke vor allem in Spiel drei weh getan. Waren es bei der 95:99-Niederlage noch elf Offensiv-Rebounds der Baskets, gelangen ihnen dieses Mal nur fünf. Allerdings saß Ohlbrecht wegen Foulprobleme länger auf der Bank, als geplant.

Daneben war Ulm mit der neuen Formation flinker, was sich in 20 Bonner Ballverlusten widerspiegelte. Schon nach dem ersten Viertel hatten die Gäste acht Mal den Ball weggeworfen, beziehungsweise hatte Ulm vier Mal das Spielgerät geklaut.

Auf die Veränderungen angesprochen, sagte Leibenath nur: „Die Umstellungen waren der Tatsache geschuldet, dass ich mir größere Siegchancen ausgerechnet habe, wenn ich sie durchführe.“ Warum erfolgte der Wechsel dann nicht schon zu Spiel drei? „Die Variante war nicht unriskant“, begründete der 40-Jährige seine Entscheidung. Die Ulmer hatten in den drei vorangegangenen Playoff-Spielen das Anfangs-Viertel jeweils gewonnen – doch das gelang auch mit neuem Personal.

Leibenaths Gegenüber Mathias Fischer ist das nicht entgangen: „Wir müssen die Anfangsphase anders gestalten, mit einer anderen Intensität.“ Nun muss sich der Bonner Trainer etwas einfallen lassen.

Baskets-Fans sind spannende Playoff-Serien gewöhnt

Krimi Ein fünftes Spiel – mehr Spannung geht in einer Playoff-Serie nicht. Die Ulmer mussten einen solchen Krimi erst zweimal über sich ergehen lassen. 2013 verloren Per Günther und Co. in Oldenburg die entscheidende Partie um den Final-Einzug. Besser lief es 1998, als im fünften Halbfinale in Bamberg der Endspiel-Einzug klappte.

Bittere Pleite Die Bonner haben deutlich mehr Erfahrung. In den vergangenen 20 Jahren standen die Baskets elf Mal in einem fünften Spiel. Sieben Mal mussten sie auswärts ran, nur zweimal davon gewannen sie. Viermal hatten die Baskets Heimrecht. Drei Siege sprangen dabei raus – aber auch die bitterste Niederlage der Vereinsgeschichte. 2009 verlor Bonn das fünfte Finalspiel in eigener Halle gegen Oldenburg.