Basketball Ulmer Basketballer empfangen das Sorgenkind der Liga

Jerrelle Benimons Einsatz steht wegen einer Schulterverletzung aus der Partie in Sankt Petersburg auf der Kippe.
Jerrelle Benimons Einsatz steht wegen einer Schulterverletzung aus der Partie in Sankt Petersburg auf der Kippe. © Foto: Apprich
Ulm / Sebastian Schmid 22.12.2017
Ratiopharm Ulm empfängt am Freitagabend die Oettinger Rockets. Der Aufsteiger kämpft sportlich und finanziell ums Überleben.

Dreimal müssen die Ulmer Basketballer in diesem Jahr noch ran, dreimal genießen sie das Heimrecht. Bevor am Mittwoch im letzten Eurocup-Spiel Trient und am 30. Dezember die Bayern in die Ratiopharm-Arena kommen, geht es am Freitag (19 Uhr/Telekom Sport) gegen die Oettinger Rockets. Dabei werden die Gastgeber den einmillionsten Besucher begrüßen können.

Die Gäste machen’s kompliziert und haben’s schwer. Da wäre die Sache mit dem Namen. Woher kommen die Rockets? Gotha, wie jahrelang im Team-Namen zu lesen war, oder Erfurt, wo die Heimspiele ausgetragen werden? Richtig ist beides. Man sieht sich als Klub der Region, deshalb wird bewusst auf eine Stadt im Vereinsnamen verzichtet. Was die Situation ab dem 1. Januar weiter verkompliziert. Denn Haupt- und Namenssponsor Oettinger steigt zum Jahresende aus, eine Umbenennung ist nötig. Doch: Ein neuer Sponsor ist nicht in Sicht und eine Stadt soll im Namen nicht auftauchen. Also steht zehn Tage vor dem Jahresende bislang nur fest, dass die „Rockets“ bleiben.

Immerhin ist gesichert, dass der Aufsteiger die Saison zu Ende spielen kann. Die Brauerei brachte als Hauptsponsor zirka 40 Prozent des drei Millionen Euro hohen Etats ein. Querelen innerhalb der Besitzerfamilie führten zum Ausstieg. Nur dank einer sechsstelligen Spende von Astrid Kollmar geht es weiter. Die Vereins­präsidentin ist die Witwe von Dirk Kollmar, der 1998 mit Gleichgesinnten den Verein Basketball in Gotha (BiG) gründete. Das Ziel schon damals in der Bezirksliga: die erste Liga. Den Aufstieg erlebte Dirk Kollmar allerdings nicht mehr mit. Auf den Tag genau drei Jahre nach seinem Tod war es am 3. Mai soweit.

Neben der finanziell prekären Lage läuft es auch sportlich nicht gut für das Team von Trainer Ivan Pavic. Mit zwei Siegen sind die Rockets Vorletzter. Vor dem 700. Pflichtspiel der Ulmer Basketballer seit dem Neustart 2001 warnt Leibenath pflichtbewusst vor dem Gegner, stellt aber auch klar: „Wir wollen auf dem Playoff-Platz bleiben und uns in der Tabelle nach oben orientieren. Deshalb erwartet man einen Sieg.“

Dass die Gäste die meisten Dreier der Liga treffen, führt laut Leibenath dazu, dass „wir uns auch bei einer Acht-Punkte-Führung nicht sicher fühlen dürfen.“ Kommen die Thüringer mal ins Laufen, kann es schnell gehen. Dass Erfurt/Gotha im Tabellenkeller steckt, kommt aber nicht von ungefähr. Aus dem Zweierbereich nimmt und trifft kein Team weniger Würfe, die Trefferquote insgesamt ist die schlechteste der Liga. Hinzu kommen die wenigsten Rebounds sowie die meisten Ballverluste der Bundesliga. „Ich denke, dass wir der Favorit sind“, drückt sich Leibenath noch vorsichtig aus.

Dane Watts noch ohne Einsatz

Das sind die Ulmer selbst, wenn ein Akteur fehlen sollte. Ryan Thompson und Jerrelle Benimon plagen sich mit Schulterproblemen herum. Sollte einer von ihnen ausfallen, muss sich Leibenath immerhin keine Gedanken machen, welcher seiner Ausländer aussetzen muss. Dreimal hat es zuletzt Toure Murry erwischt, doch das habe nichts zu bedeuten. Leibenath: „Das heißt nicht, dass immer er aussetzen muss. Es wird von Woche zu Woche neu entschieden.“ Dass Ulm im Eurocup ausgeschieden ist, hat nicht zwingend zur Folge, dass nun einer der sieben Ausländer gehen muss. Ausschließen wollte das Leibenath aber auch nicht.

Zu einem Wiedersehen mit einem Ex-Ulmer wird es Am Freitag übrigens nicht kommen. Dane Watts, 2012 mit dem Ratiopharm-Team Vizemeister, hat wegen eines Knorpelschadens im Knie für die Rockets noch kein Saisonspiel absolviert.

Leibenath: Basketball-Profis sind privilegiert

Am Freitag Erfurt in der Bundesliga, am Mittwoch Trient im Eurocup – viel Zeit bleibt den Ulmer Basketballern zwischen den beiden Spielen nicht, um besinnliche Weihnachten zu feiern. Damit zumindest ein wenig Feiertagsstimmung aufkommen kann, hat Thorsten Leibenath an Heiligabend komplett frei gegeben. Und am 25. Dezember, wenn die Amerikaner traditionell ihr Weihnachtsfest feiern und die Geschenke verteilen, wird erst am Nachmittag trainiert. Leibenath ist zwar „nicht ganz glücklich darüber, dass wir über Weihnachten spielen müssen.“ Allerdings weiß er – und erinnert auch seine Spieler daran –, dass es ein Privileg ist, mit Basketball sein (gutes) Geld zu verdienen. Leibenath: „Eine Krankenschwester muss zum Beispiel auch an Weihnachten arbeiten. Und die wird nicht so gut dafür entlohnt.“

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