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Ratiopharm Ulm
Ludwigsburg/Ulm / Sebastian Schmid Am 44. Geburtstag von Trainer Thorsten Leibenath dreht Ratiopharm Ulm im Derby in Ludwigsburg einen 13-Punkte-Rückstand zu Halbzeit noch in einen ganz wichtigen 98:92-Erfolg.

Es ist schon verrückt, was der Bundesliga-Spielplan manchmal für Geschichten parat hat. In der vergangenen Saison spielte Ulm am 28. Februar in Ludwigsburg, an dem Riesen-Coach John Patrick seinen 50. Geburtstag feierte (er wurde am 29. Februar 1968 geboren). Quasi als Geschenk watschte sein Team den Gegner mit 89:54 ab.

Gestern kehrten die Ulmer an den Ort des Geschehens zurück – und das am 44. Geburtstag von Ratiopharm-Trainer Thorsten Leibenath. Auch dieses Mal ließen sich die Spieler nicht lumpen und machten ihrem Coach das passende Geschenk in Form eines 98:92-Siegs. Damit gelang ein weiterer wichtiger Erfolg im engen Kampf um die Playoff-Plätze. Am Samstag kommt mit Würzburg der Tabellensiebte zum Achten nach Ulm.

Eine Halbzeit lang sah es gestern allerdings so aus, als ob es Leibenaths Feierlaune übel verhageln würde. Ludwigsburg bestimmte im ersten Viertel das Geschehen und war von den Gästen kaum zu stoppen. Immer wieder wirbelte der 1,68 Meter große Jordan Crawford durch die Defensivreihen und fand den freien Mann an der Dreierlinie. Die sechs getroffenen Distanzwürfe in den ersten zehn Minuten waren der Hauptgrund für die 28:20-Führung der Riesen.

Im zweiten Durchgang lief es für die Ratiopharm-Akteure nur unwesentlich besser. Beim 51:38 durchbrach Crawford kurz vor der Halbzeit bereits die 50-Punkte-Grenze. Angesichts des 40:53-Rückstand zur Halbzeit deutete wenig auf Party auf der Heimfahrt hin. „Wir lagen hier schon häufiger zweistellig hinten und sind nicht mehr zurückgekommen“, erinnerte sich Leibenath nach der Partie und stufte deshalb die zweite Hälfte noch höher ein: „Das war eine beeindruckende Leistung.“

Ulm ändert die Defensiv-Taktik

In der großen Pause stellte der nun 44-Jährige taktisch um und änderte die Verteidigungsstrategie. So verhinderte er, dass immer wieder die Ludwigsburger frei an der Dreierlinie zum Wurf kamen. Dafür mussten die langen Kerle im Team wie Gavin Schilling gegen die kleinen und bulligen Riesen Schwerstarbeit leisten.

Diese Maßnahme zeigte schnell Wirkung. Binnen fünf Minuten hatte Ulm den 13-Punkte-Rückstand in eine 56:55-Führung gedreht. Dank einer intensiveren Abwehrarbeit wurden die Ludwigsburger in diesem Durchgang zu neun Ballverlusten gezwungen, nachdem ihnen in Hälfte eins gerade einmal zwei Turnovers unterlaufen waren.

Bei konsequenterer Spielweise hätten die Ratiopharm-Akteure, die das dritte Viertel mit 28:9 gewannen und dabei nur zwei Treffer aus dem Feld zuließen, vor dem letzten Durchgang höher als mit 68:62 führen können. So aber war es nun das erwartet umkämpfte Derby. Wobei jedes Spiel in der MHP-Arena ein Kampf ist, wie Leibenath weiß: „Ich meine das mit Respekt, aber ich muss zugeben, dass ich es hasse, hier spielen zu müssen.“ Der Grund dafür ist einfach: „In Ludwigsburg muss man immer damit rechnen, dass es ein Kampf auf Biegen und Brechen wird.“

So kam es auch gestern. Dass sich das Team, das in der Liga am häufigsten an der Freiwurflinie steht, und die Mannschaft, die die meisten Fouls begeht, gegenüberstanden, spiegelte sich in der Statistik wieder. 45 Freiwürfe bekam Ulm zugesprochen und traf 36 davon (Ludwigsburg: 24/18). Fünf Minuten vor dem Ende waren vier wichtige Akteure der Riesen mit vier Fouls belastet. Für den starken Marcos Knight war nach seinem fünften Vergehen viereinhalb Minuten vor der Schlusssirene als Erster Ende. Es folgten vorzeitig noch Aaron Best, Konstantin Klein, Owen Klassen sowie die beiden Ulmer Ismet Akpinar und Javonte Green. „So etwas erlebt man auch nicht alle Tage“, meinte Leibenath, sah die insgesamt sechs ausgefoulten Spieler aber als guten Beleg für die Intensität, mit der beide Mannschaften zu Werke gingen.

Die war auch bis zuletzt nötig. 120 Sekunden vor dem Ende hätte Javonte Green mit einem Freiwurf auf 94:84 erhöhen können, womit nach der 82:91-Niederlage aus dem Hinspiel sogar der direkte Vergleich geholt worden wäre. Doch in einer spannenden Schlussphase kamen die Gastgeber noch einmal auf 92:95 heran. Allerdings versagten Konstantin Klein 31,4 Sekunden vor dem Ende die Nerven, als er zwei Freiwürfe liegen ließ. Die letzte Hoffnung der Riesen machte dann der starke Patrick Miller mit einem sehenswerten Block gegen Lamont Jones zunichte und sorgte endgültig dafür, dass sein Trainer Leibenath in den Feiermodus schalten konnte.