Merlins gegen Ulm, ein Spiel wie jedes andere? "Ein Nachbarschaftsduell und die haben immer ihren Reiz", erklärt Ingo Enskat. "Ich bin jetzt auch nicht mehr neu in Crailsheim und weiß daher um die sportliche Konkurrenz der beiden Standorte", meint der Crailsheimer Coach. "Die schlägt sich ja auch in der Jugend nieder, wenn es etwa um württembergische Meisterschaften geht."

Heute spielen beide zum ersten Mal um Erstligapunkte in Ulm. Aufgrund der geografischen Nähe rechnen die Crailsheimer mit reichlich Unterstützung an der Donau.

Rein sportlich lief es für die Korbjäger aus Crailsheim in den letzten drei Partien einerseits klasse, was die Performance angeht. Andererseits mussten sie dreimal in Folge quasi auf den letzten Drücker die Punkte noch aus der Hand geben. "Ich denke, das pusht die Jungs dennoch und stärkt das Gefühl es selber schaffen zu können. Was fehlt ist, wie schon gesagt, die Belohnung für die engagierten Auftritte."

Denkt der Coach manchmal daran was wäre wenn. . . die Merlins die letzten drei Spiele gewonnen hätten? "Der Gedanke kann schon mal aufkommen, beschäftigt uns aber nicht weiter. Was zählt, ist das nächste Spiel und darauf ist unser Fokus gerichtet."

Und da steht heute die Partie in Ulm auf dem Block des Coaches. "Dorthin fährt man natürlich nicht eben mal so", weiß Ingo Enskat, "um die Punkte zu holen." Dennoch gilt die Merlins-Maxime: "Wir treten in jedem Spiel an, um zu gewinnen. Außerdem", erinnert Ingo Enskat, "wir haben auch im Hinspiel bei der 80:88-Niederlage eine gute Leistung gezeigt."

Auch was die jüngere Vergangenheit angeht, ist der Coach voll des Lobes für seine Jungs. "Gerade in der kleinen Rotation hat jeder Spieler seine Leistung gebracht. Mehr noch: Ich bin der Meinung, dass sich alle noch mal gesteigert haben!"

Was hält der Coach vom Gegner? "Ulm hat eine ausgeglichene Mannschaft. Per Günther leitet das Spiel, agiert auf hohem Niveau, hat eine tolle Entwicklung genommen - großes Kompliment! Zuletzt hat sich Tim Ohlbrecht gekonnt in Szene gesetzt - insgesamt gesehen eine variabel agierende Mannschaft, wer auch immer punktet."

Entsprechenden Respekt zollen auch die Gastgeber ihrem Gegner. In Stichworten: "Kein Kanonenfutter, im Abstiegskampf noch lange nicht aufgegeben, couragiert aufgetreten" - derlei Aussagen finden sich auf der Ulmer Homepage. In einigen Statistiken sind die Merlins ihren Gastgebern in der Tat voraus. Als da wären Offensivrebounds und Steals. Der Ulmer Plan: Um die Partie kontrollieren zu können, muss man die Merlins bestmöglich vom eigenen Brett fernhalten.

"Ich schätze die Merlins deutlich stärker ein, als im Hinspiel und auch da haben wir nach hartem Kampf nur einen knappen Sieg gelandet", betont Thorsten Leibenath für die Ulmer Gastgeber. "Crailsheim hat sicherlich an Qualität gewonnen, auch durch den ukrainischen Nationalspieler Agafonov. Und insgesamt gesehen ist ihr Spiel strukturierter geworden - und das macht sie gefährlich."

Mit der tabellarischen Momentaufnahme (Platz 4) zeigt sich der Ulmer Coach zufrieden, denkt aber auch von Woche zu Woche. "Inzwischen sehe ich bei unserem Team deutlich mehr, was mir gefällt. Wir haben weniger Ballverluste. Die Reboundproblematik hat sich aber nur phasenweise gebessert. Doch", so Leibenath weiter, "unser Ziel sind zwar die Play-offs, aber wir wollen schon jetzt gut spielen. Zumal Tabellenbewegungen in der Liga sehr schnell gehen können."

Interessantes Aperçu am Rande: Sechs Ulmer Partien endeten mit fünf Zählern Differenz oder weniger - und die Ulmer haben allesamt gewonnen. Erfolgreichste Werfer: Clyburn (14.0 Punkte im Durchschnitt), Tim Ohlbrecht (13.4), Klobucar (13.1) und Savovic 10.9). Die Partie ist ausverkauft. "Das sind wir in unserer neuen Halle bislang immer. Gegen Crailsheim war das aber sehr schnell der Fall und es wurden noch 200 zusätzliche Stehplätze geschaffen", so Thorsten Leibenath.