Basketball Schiedsrichter Schmidt widerspricht Leibenaths Kritik

Der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath beschwert sich bei Oliver Krause, einem der Schiedsrichter der Partie in Bamberg.
Der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath beschwert sich bei Oliver Krause, einem der Schiedsrichter der Partie in Bamberg. © Foto: Imago
Ulm / tgo 09.01.2018
Ulms Trainer Thorsten Leibenath war nach der 77:80-Niederlage in Bamberg sauer. Wegen der Pleite, aber auch wegen einer Schiedsrichterentscheidung. Ein Ex-Referee sorgt für Klarheit.

Spieltag Nummer 17 und damit die  Hinrunde in der Basketball-Bundesliga ist absolviert, allerdings fehlt Ratiopharm Ulm noch eine Begegnung,  um einen geraden Blick auf die erste Saisonhälte werfen zu können. Die Partie des 15. Spieltages, Ludwigsburg gegen Ulm, wurde auf den 28. Februar verlegt.

Dennoch zog Ratiopharm-Trainer Thorsten Leibenath nach der höchst spannenden 77:80-Niederlage bei Brose Bamberg eine kurze Bilanz. Eine Bilanz, die „Optimismus für den Rest der Runde zulässt“, sagt der Coach, „auch wenn wir mehr Auswärts- als Heimspiel haben.“ Er will sich nicht mehr groß beschäftigen  mit der Analyse dessen, was 2017 passiert ist. Großer personeller Umbruch, Probleme bei der Teamfindung, viele Niederlagen in der Startphase, auch im Eurocup lief es vor allem auswärts nicht rund. Das Aus in der ersten Gruppenphase im zweitwichtigsten europäischen Klubwettbewerb war folgerichtig.

Eine Nachverpflichtung (Jerrelle Benimon) sollte helfen und hilft tatsächlich. „Neuzugang“ Tim Ohlbrecht ist nach seiner langen und schweren Knieverletzung auch wieder dabei, braucht aber sicherlich noch Zeit. Der Center muss sich erst wieder an das Tempo in einem Spiel gewöhnen. Die Saison hat bisher so manche Haken und Ösen. Aktueller Tabellenplatz neun – „das entspricht nicht unserem aktuellen Leistungsstand“, sagt Leibenath. Soll heißen: Der Leistungsstand entspricht einem Rang oder mehreren Rängen über neun – aus Sicht des Trainers.

Eine Entwicklung der Mannschaft ist erkennbar: Es wird besser. Ob die defensiven Mängel schnell behoben werden können oder ob die Qualität vielleicht in dieser Saison einfach nicht reicht, wird sich noch rausstellen. Vielleicht aber passen auch die Individuen und deren Rollen nicht zusammen. Leibenath will Verantwortung lieber auf mehrere Schultern verteilen. Manchmal scheint es so, als verweigerten einige Spieler das Übernehmen dieser Verantwortung, die ein Trey Lewis dankend annimmt, aber nicht immer mannschaftsdienlich damit umgeht.

Vieles davon war bei der Partie in Bamberg zu beobachten. Dass der Meister  aktuell nicht in der besten Verfassung ist, ist hinlänglich bekannt. Ein entscheidender Grund dafür ist sicherlich die Doppelbelastung  durch BBL und Euroleague. Dennoch: Die Ulmer  agierten  lange Zeit auf Augenhöhe, mussten am Ende Lehrgeld zahlen für fehlende Cleverness und Erfahrung.

Thorsten Leibenath zeigte sich nach Ende der Partie in der Brose-Arena extrem  angefressen ob zweier Schiedsrichterentscheidungen. Als Ismet Akpinar 53 Sekunden vor der Schlusssirene beim Zug zum Korb den anschließenden Korbleger verpasst, will der Trainer im Zentrum ein Foul von Maodo Lo an Isaac Fotu (geht zum Korb)  gesehen haben. Deshalb hätte es, beide Mannschaften hatten längst fünf Teamfouls auf dem Konto, zwei Freiwürfe geben müssen, findet Leibenath. Richtig ist: Beide behaken sich ordentlich. Dieses nicht zu ahnden, entsprach aber der Linie der Schiedsrichter.

Die zweite Situation war durchaus knifflig. 25 Sekunden vor dem Ende zieht Trey Lewis zum Korb, wirft, Bambergs Center Leon Radosevic will den Ball blocken, schlägt daneben und ans Brett. Der Ball fliegt ans Brett, fällt von dort auf den Ring und zurück ins Feld. Für Leibenath ein klarer Fall: Das sei eine klare Interference gewesen, wir hätten zwei wichtige Punkte bekommen  müssen.

In Artikel 31 der Fiba-Regeln (Goaltending und Interference/Stören des Balles) geht es unter anderem darum zu klären, was passiert, wenn ein Verteidiger das Brett berüht.  Gegenüber dieser Zeitung erklärt Boris Schmidt, Manager des Schiedsrichterreferates im Deutschen Basketball-Bund (DBB)  und  ehemaliger BBL-Schiedsrichter, was es mit der Regel auf sich hat und ob Leibenaths Kritik berechtigt ist. „Es gibt Grauzonen. Da sitzen Experten zusammen und haben alle eine unterschiedliche Meiung. Aber das hier ist keine Grauzone. Radosevic schlägt zwar ans Brett, aber das Brett kommt daduch nicht so ins Schwingen, dass der Ball dadurch nicht in den Korb fällt. Das Schwingen ist Voraussetzung dafür, dass diese Regel greift“, sagt Schmidt, der Leibenaths Aufregung zumindest im letzten Punkt nicht nachvollziehen kann.

Urlaub bis zum Allstar-Spiel

Die Ulmer Basketballer haben seit Sonntagabend bis einschließlich Freitag Urlaub. Am kommenden Wochenende fahren Per Günther, Ismet Akpinar und Trey Lewis zum Allstar-Spiel nach Göttingen. Titelverteidiger Brian Butler von Scanplus Baskets Elchingen (Pro B) geht beim Dunking-Wettbwerb erneut an den Start.  Am kommenden Montag empfangen die Ulmer Korbjäger den Liga-Konkurrenten aus Würzburg zu einem nicht öffentlichen Testspiel. tgo

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