Ulm Ruhe oder Rhythmus?

SEB 22.05.2015
Was ist besser? Ausgeruht ins Halbfinale gehen oder im Spielrhythmus zu sein. Das Duell der Ulmer mit den Baskets Bamberg wird es zeigen.

Während die Ulmer Basketballer im Playoff-Viertelfinale über die volle Distanz von fünf Spielen gehen mussten, konnte sich Halbfinal-Gegner Brose Baskets Bamberg eineinhalb Wochen ausruhen. Bereits an Christi Himmelfahrt machten die Franken mit ihrem dritten Sieg im dritten Spiel gegen Ludwigsburg alles klar. Doch was ist besser? Dass die Ulmer im Spiel-Rhythmus sind oder das die Bamberger sich ausruhen konnten? "Das ist immer die große Frage. Was ist von Vorteil?", fragt sich auch Philipp Schwethelm. Für den 26-Jährigen wird das am Samstag (20.30 Uhr/ Sport1) beim ersten Duell der beiden Teams in der Brose-Arena bereits im ersten Viertel ersichtlich. "Dann wird sich zeigen, ob Bamberg von Beginn an bei der Sache ist." Sollte das Team von Andrea Trinchieri vom Sprungball weg hellwach sein, wird es schwer für Ulm - zumal im vierten Viertel dann die Kräfte nachlassen könnten.

Tim Ohlbrecht, der in diesen Playoffs nach Bonn bereits zum zweiten Mal auf einen seiner Ex-Klubs trifft, ist angesichts des engen Zeitplans optimistisch: "Ich sehe das eher als Vorteil, weil wir im Rhythmus sind."

Dass zwischen dem entscheidenden Spiel in Bonn und dem Halbfinal-Auftakt in Bamberg nur zwei Tage liegen, ist auch für Trainer Thorsten Leibenath kein Problem: "Wir haben in dieser Saison schon dreimal gegen Bamberg gespielt und das letzte Aufeinandertreffen ist noch nicht so lange her." Im letzten Hauptrunden-Heimspiel unterlag Ratiopharm Ulmer nach einem furiosen ersten Viertel (33:13) dem Meisterschaftsfavoriten noch mit 88:95.

Vom letzten Playoff-Duell mit Bamberg sind nur noch Per Günther und Coach Leibenath an Bord. Die Endspiel-Serie 2012 entschied das Team, das damals von Bundestrainer Chris Fleming trainiert wurde, letztlich mit 3:0 klar für sich. Auch dieses Mal sind die Ulmer gegen die Franken nur Außenseiter. Das Minimalziel aber ist klar. Mit zumindest einem Sieg aus den ersten drei Spielen ein zweites Heimspiel erzwingen. Mal sehen, ob Bamberg dann wankt.

DER BASKETS-KADER

# 4 Dalibor Bagaric (34), Center: Euroleague- und NBA-erfahrener Akteur, der unter anderem 95 Spiele für die Chicago Bulls auf dem Buckel hat. Seit 1996 bei 20 Vereinen unter Vertrag. In Bamberg hinter Theis und Mbakwe oft dritte Wahl. Per Günther weiß seit seinem Pferdekuss im Oberschenkel, wie unangenehm ein Block von Bagaric ist.

# 6 Darius Miller (25), Forward: Wurde im Februar nachverpflichtet. Kam aus der NBA von den New Orleans Pelicans, für die er in drei Jahren in der amerikanischen Profiliga 102 Spiele absolviert hat. In bislang zwölf Partien kam er im Schnitt auf 9,3 Punkte.

# 7 Ryan Thompson (26), Guard: Mit 13,4 Punkten im Schnitt Topscorer des Hauptrunden-Ersten. Sicherer Drei-Punkte-Schütze und auch sonst nur schwer zu stoppen.

# 9 Karsten Tadda (26), Guard: Der Kettenhund der Baskets. Gehört zur Startformation und ist vor allem für Defensiv-Aufgaben zuständig.

# 10 Daniel Theis (23), Forward: Die Qualitäten des Nationalspielers sind Thorsten Leibenath hinlänglich bekannt. Der Ex-Ulmer bringt Bamberg neue Energie von der Bank, ist athletisch, Block- und Reboundstark und verfügt inzwischen auch über einen guten Distanzwurf.

# 11 Brad Wanamaker (25), Guard: Der Schlüsselspieler der Franken. Wurde bei der Wahl zum besten Bundesliga-Spieler der Saison nur knapp geschlagen Zweiter. Glänzt als Vollstrecker (13.2 Punkte) und Vorlagengeber (3,7 Assists).

# 12 Daniel Schmidt (24), Guard: Deutscher Rollenspieler, fällt wegen einer Schultereckgelenkssprengung längere Zeit aus.

# 13 Janis Strelnieks (25), Guard: Der lettische Nationalspieler punktet im Schnitt ebenfalls zweistellig und ist im Abschluss eiskalt. Wie die meisten Bamberger ein sicherer Schütze.

# 15 Josh Duncan (29), Forward: Pechvogel der Bamberger. Der Amerikaner war diese Saison oft verletzt und wird wegen einer Schulterverletzung wohl auch das Halbfinale verpassen. Gut für Ulm, denn Duncan bereitete dem Ratiopharm-Team in der vergangenen Saison im Eurocup-Viertelfinale gegen Hapoel Jerusalem große Probleme.

# 17 Andreas Obst (18), Guard: Deutsches Talent aus der Bamberger Jugend. Durfte unter Coach Andrea Trinchieri erste Bundesliga- und Eurocup-Luft schnuppern.

# 20 Elias Harris (25), Forward: Nach einer erfolgreichen Zeit auf dem Gonzaga-College schien es, als ob Harris der Sprung in die NBA gelingt. Allerdings blieb es bei zwei Kurzeinsätzen für die L. A. Lakers. Nach einer Weile in der zweitklassigen D-League wechselte der deutsche Nationalspieler nach Bamberg. Erzielt von der Bank kommend 6,7 Punkte im Schnitt.

# 21 Trevor Mbakwe (26), Center: Kam aus Rom und ist mit seiner Athletik und seinen 2,07 Metern unter dem Korb eine Macht. Drittbester Wurf-Blocker der Liga (1,7 im Schnitt). Das Aufeinandertreffen mit Ian Vougioukas wird ein Schlüsselduell der Serie.

# 55 Dawan Robinson (33), Guard: Der Ex-Frankfurter wurde im Januar wegen Verletzungssorgen nachverpflichtet und gehört seitdem zu den Punktegaranten. Sicherer Dreier-Schütze, der 11,4 Zähler im Schnitt verbucht.