Baketball Ratiopharm Ulm: Ruppiges Hinspiel sorgt für Brisanz

Toure Murry musste in der Bundesliga bereits dreimal aussetzen. Im Eurocup droht ihm dieses Schicksal nicht.
Toure Murry musste in der Bundesliga bereits dreimal aussetzen. Im Eurocup droht ihm dieses Schicksal nicht. © Foto: Rudi Apprich
Ulm / Sebastian Schmid 19.12.2017
Die Ulmer Basketballer können nur noch durch ein Wunder das Aus im Eurocup verhindern. Voraussetzung ist, dass sie in St. Petersburg gewinnen.

Die Vorgabe von Trainer Thorsten Leibenath für das Eurocup-Gastspiel in Sankt Petersburg ist unmissverständlich: „Wir müssen das Ding gewinnen, am besten so hoch wie möglich.“ Das Problem dabei: Selbst ein Kantersieg am Dienstag bei den Russen (ab 18 Uhr/live bei Telekom Sport) hilft Ratiopharm Ulm nichts, wenn Bursa in Villeurbanne und Trento zuhause gegen Gran Canaria gewinnen sollten. Tritt das ein, sind die Ulmer auf jeden Fall in der ersten Eurocup-Runde gescheitert.

Übrigens: Sollte Gran Canaria mit mehr als 25 Punkten gegen Trento verlieren und St. Petersburg sowie Bursa siegen, wären vor dem letzten Spieltag fünf Teams gleichauf und niemand könnte für die zweiten Runde planen, die am 3. Januar startet.

Den Ulmern kann das aber egal sein, sie benötigen ein Basketball-Wunder. Realistisch betrachtet geht es deshalb eher darum, sich achtbar aus dem Eurocup zu verabschieden, in dem Ulm  zum ersten Mal in der Ära Leibenath wohl nicht die zweite Gruppenphase erreichen wird.

Allerdings dürfte St. Petersburgs Trainer Vasiliy Karasev seine Spieler an das Hinspiel in der Ratiopharm-Arena erinnern. Der Coach war damals trotz des 95:93-Erfolgs sichtlich angefressen, ob der Härte, mit der es zur Sache ging. Leidtragende waren auf Seiten der Gäste zum einen Drew Gordon, der mit einer Platz­wunde vom Feld musste. Dass sich in der letzten Szene der Partie noch ein weiterer Zenit-Spieler an der Nase verletzte, dafür konnten die Ulmer jedoch wenig. Denn als Ryan Thompson zum Korb zog, stürzte sich fast das gesamte Team der Russen auf ihn. Bei dem Gerangel unterm Korb hat sich ein Gäste-Spieler dann die blutige Nase abgeholt.

Leibenath war indessen sauer, dass der Foul-Pfiff ausblieb, der Thompson mit zwei Freiwürfen die Chance zur Verlängerung gegeben hätte. Beide Seiten haben also aus dem Hinspiel noch die eine oder andere Rechnung offen.

Alle Ausländer wohl einsatzfähig

Den Teams blieb jeweils wenig Zeit, sich auf den Gegner vorzubereiten. Leibenath ist sich deshalb sicher, dass „der Energielevel – insbesondere auswärts – eine Rolle spielen wird.“ Glücklicherweise darf der 42-Jährige in der russischen Metropole alle seine sieben Ausländer im Kader einsetzen. Zwar hatten sich Ryan Thompson (Schulter) und Jerrelle Benimon (Knie) beim 72:69-Sieg gegen Würzburg verletzt, Leibenath war aber bereits unmittelbar nach Spielschluss zuversichtlich, dass das Duo gegen St. Petersburg spielen kann.

Zudem darf Toure Murry wieder ran, der in der Bundesliga bislang dreimal aussetzen musste, wenn alle ausländischen Spielern einsatzfähig waren. Leibenath muss bei der Verteilung der Einsatzzeit auch im Hinterkopf haben, dass es für sein Team bereits am Freitag mit dem Heimspiel gegen Erfurt (19 Uhr) weitergeht.

Für sieben Siebenmeter nach St. Petersburg

Dass ein Trip nach Sankt Petersburg anstrengend ist, haben die Ulmer gestern erfahren. Noch schlimmer erging es im November den Handballern des FH Hafnarfjördur. Der isländische Klub musste in der zweiten Runde des EHF-Cups, des Handball-Pendants zum Eurocup, beim HC St. Petersburg antreten. Das Rückspiel endete mit 32:27 und damit exakt wie das Hinspiel. Die Schiedsrichter ließen daraufhin eine Verlängerung spielen, die Hafnarfjördur gewann. Pech nur, dass die Russen erfolgreich Einspruch einlegten. Denn laut Regelwerk hätte es sofort ein Siebenmeterwerfen geben müssen. Also mussten die Isländer zweieinhalb Wochen später erneut die 5000 Kilometer hin und zurück auf sich nehmen, um das Siebenmeterwerfern auszutragen. Immerhin setzte sich Hafnarfjördur mit 4:3 durch. Die Kosten für den Trip übernahm der europäische Handball-Verband.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel