Eurocup Ratiopharm Ulm: Leibenaths Plan geht gegen Belgrad nicht auf

Michael Ojo (l., im Duell mit Dwayne Evans) bereitete den Ulmern mit 14 Punkten und zehn Rebounds einige Sorgen.
Michael Ojo (l., im Duell mit Dwayne Evans) bereitete den Ulmern mit 14 Punkten und zehn Rebounds einige Sorgen. © Foto: Igor Vujicin
Ulm / Sebastian Schmid 04.10.2018

Es klingt paradox: Da starten die Ulmer Basketballer mit zwei Niederlagen in die Saison – und können doch optimistisch in die anstehenden Aufgaben gehen. Nach dem 77:83 gegen Bayern München zum Bundesliga-Auftakt wurde mit 73:88 auch die erste Eurocup-Partie bei Roter Stern Belgrad verloren. Angesichts der Tatsache, dass sich das Ratiopharm-Team in beiden Duellen etwas Zählbares ausgerechnet hatte, wird keiner im Klub vollauf zufrieden sein. Aber es gibt auch keinen Grund zur Panik.

Das liegt am Kaliber der Kontrahenten. München ist deutscher Meister und startet dieses Jahr in der Euroleague, wohin Roter Stern gerne wieder zurückkehren will und entsprechend den Kader auf Königsklassen-Niveau aufgerüstet hat. Dabei legt der 19-fache serbische Meister Wert auf Körpergröße: Elf Spieler im Team messen mehr als zwei Meter (bei Ulm sind es vier Akteure). Deshalb hatte Thorsten Leibenath im Vorfeld gewarnt, dass die Größe das wohl größte Problem wird. Doch bis auf Michael Ojo (2,16 m) hatten die Ulmer die langen Kerls ganz gut im Griff. Das Reboundduell wurde letztlich nur knapp mit 35:36 verloren. Allerdings nahm sich Maik Zirbes binnen 47 Sekunden quasi selbst aus dem Spiel. Der wuchtige deutsche Center (2,07 m) von Roter Stern benötigte genau zwei Aktionen für zwei Fouls und agierte im Anschluss unauffällig.

Die fehlenden Zentimeter wollten die Ulmer mit Schnelligkeit wettmachen. Nur leider konnten die Gäste vor 4876 Zuschauern in der halbvoll besetzten Aleksandar-Nicolic-Halle aus den sich immer wieder ergebenden Vorteilen kein Kapital schlagen. Vor allem Neuzugang Patrick Miller, der angeschlagen in die Partie ging, agierte wie bereits gegen Bayern glücklos. Kein Treffer bei neun Versuchen wollte ihm aus dem Feld gelingen, wobei er immer wieder den Weg zum Korb suchte und auch fand – aber eben nicht traf. Per Günther, der in dieser Saison seine Platz in der Startformation für Miller räumen musste, machte es nicht besser als der 26 Jahre alter Amerikaner und blieb ebenfalls ohne Treffer.

Und so hatte Roter Stern nicht nur größenmäßig einen Vorteil, sondern auch in puncto Geschwindigkeit die Nase vorne. Denn mit Billy Baron und Joe Ragland stehen zwei Spieler im Kader von Coach Milan Tomic, die wie von Leibenath befürchtet den Ulmern Kopfschmerzen bereiteten und das Guard-Duell der beiden Teams klar dominierten. 36 Punkte und acht Assists steuerte das amerikanische Duo, das die Ratiopharm-Akteure nie in den Griff bekam, zum Sieg bei.

Erschwerend kam hinzu, dass ebenfalls wie gegen die Bayern, die Ulmer am Ende zu ungestüm waren. Denn bis zum Start des vierten Viertels lag der Bundesligist gut im Rennen (59:62). Dann ging den Spielern die Luft aus. „Über drei Viertel haben wir ordentlich gespielt, aber erneut im letzten Spielabschnitt die Organisation verloren und zu viel gewollt“, so Leibenath: „Die Entscheidung hat unsere schlechte Performance im letzten Viertel gebracht.“ Mit 14:26 wurden die letzten zehn Minuten verloren.

Bevor am Mittwoch Galatasaray Istanbul zum ersten Heimspiel im Eurocup in der Ratiopharm-Arena vorbeischaut, starten die Ulmer am Samstag (18 Uhr) in den dritten Wettbewerb. Im Achtelfinale des neuorganisierten Pokal-Wettbewerbs müssen Kapitän Günther und Co. bei den Skyliners Frankfurt ran. Es ist die erste Partie dieser Saison, in der sich die Ulmer nicht mehr auf die Rolle des krassen Außenseiters berufen können.

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