Ulm Ratiopharm Ulm verliert mit 66: 80 gegen Alba Berlin

Ulm / SEBASTIAN SCHMID/ Ratiopharm Ulm 19.04.2015
Drei gute Viertel reichen nicht aus, um gegen ein Top-Team der Basketball-Bundesliga zu gewinnen. Diese bittere Erkenntnis machte Ratiopharm Ulm einmal mehr beim 66:80 gegen Spitzenreiter Alba Berlin.

Für Per Günther war das gestrige Spiel von Ratiopharm Ulm symptomatisch für eine Partie der Spitzenteams der Basketball-Bundesliga. „Es war der typische Verlauf für einen Sieg der Top-Mannschaften“, meinte der 27-Jährige. Mit großem Einsatz haben die Gastgeber vor 6200 Zuschauer drei Viertel lang mitgehalten, im letzten Durchgang setzte sich dann aber die individuelle Klasse des Spitzenreiters durch.

Diese Sichtweise ist jedoch nicht generell auf die Bundesliga anzuwenden, auch wenn Günther sie nach der 66:80-Niederlage gegen Alba Berlin so gemeint hat. Denn dass es auch anders laufen kann, haben zuletzt nicht nur die Oldenburger beim überraschenden Pokaltriumph gegen Bamberg gezeigt. Am Sonntag lieferte Frankfurt den Beweis, dass auch die Top-Teams in die Knie zu zwingen sind. Die Skyliners feierten dank eines 28:10 im letzten Viertel einen 76:73-Sieg gegen Meister Bayern München. Ein solcher Überraschungssieg ist den Ulmern in dieser Saison noch nicht gelungen. Eine Chance bleibt dem Team von Thorsten Leibenath allerdings noch: Am Sonntag (17 Uhr) ist im letzten Heimspiel der Hauptrunde Bamberg in Neu-Ulm zu Gast.

Dass es am Sonntag gegen Berlin nicht zum Sieg gereicht hat, lag am schwachen letzten Viertel der Ulmer. War es am Freitag in Oldenburg noch der erste Durchgang (9:20), der letztlich zur 66:74-Niederlage führte, fehlte gegen Alba am Ende die Kraft. Bis dahin bekamen die Zuschauer einen Vorgeschmack darauf, was sie in den Playoffs erwartet. Beide Mannschaften agierten physisch und kämpften verbissen um jeden Ball. Vor allem im ersten Viertel profitierten die Ulmer dabei von der harten Gangart der Gäste, als sie 12 ihrer 18 Punkte von der Freiwurflinie erzielten. Am Ende standen 30 Freiwürfe zu Buche, die Ausbeute von 22 Treffern ist jedoch ausbaufähig.

Es entwickelte sich zunächst ein Spiel, das eigentlich untypisch für die Ulmer ist. Obwohl sich das zweit- (Berlin) und drittstärkste Offensivteam der Bundesliga gegenüberstanden, glänzten die Spieler durch ausgezeichnete Defensiv-Arbeit. Bis auf ein paar Aussetzer der Ulmer bei Schnellangriffen durch Alex Renfroe mussten die Albatrosse jeden Korberfolg hart erkämpfen. Zu den 22 Zählern des ersten Viertels kamen im zweiten Durchgang nur weitere 13 hinzu. Allerdings verfügt auch der Vizemeister über eine ausgezeichnete Defensive, so dass der Ulmer Offensiv-Express nicht ins Rollen kam. Hinzu kam, dass die Ulmer wie schon zuletzt gegen München und Oldenburg zu viele gute Chancen ausließen, so dass sie mit einem 34:35 in die Halbzeitpause gingen.

Bis dahin hatte neben Tim Ohlbrecht vor allem Brion Rush mit 13 Punkten für die offensiven Akzente der Ulmer gesorgt. Als Per Günther nach knapp drei Minuten im dritten Viertel den dritten Dreier des Durchgangs traf, schienen die Hausherren am Drücker. 45:39 führte das Team von Thorsten Leibenath, und die Zuschauer in der Halle tobten. Die Berliner zeigten sich davon aber gänzlich unbeeindruckt und glichen innerhalb einer Minute zunächst aus (45:45) und führten vor dem letzten Viertel sogar knapp (55:51).

Angesichts der 58 Pflichtspiele, die der Euroleague-Teilnehmer in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bereits absolviert hat (Ulm: 37 Pflichtspiele), bestand durchaus berechtigte Hoffnung, dass die Akteure von Coach Sasa Obradovic nun zumindest einen Anflug von Müdigkeit erkennen lassen würden. Doch das Gegenteil trat ein. Bei den Ulmern, die am Freitag noch in Oldenburg im Einsatz waren, schwanden zusehends die Kräfte. Die Berliner, die bereits am Mittwoch in Hagen gewonnen und folglich mehr Zeit zur Regeneration hatten, drehten nun auf, spielten die Angriffe oftmals bis zum Ende der 24-Sekunden-Uhr clever herunter – und trafen dann hochprozentig. Vor allem Reggie Redding mit acht Punkten in Serie zum Beginn des Viertels zum 66:53 für Alba und Leon Radosevic kamen nun besser zur Entfaltung und stellten ihre Kaltschnäuzigkeit unter Beweis.

Auf der Gegenseite konnte bei den Hausherren kein Akteur mehr entscheidende Akzente setzen. Rush, der in der ersten Hälfte noch geglänzt hatte, erzielte lediglich einen weiteren Korb. Auch die restlichen Spieler blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Deshalb war es nicht nur Lobhudelei, als Obradovic sagte: „Ich glaube, dass dieses Team viel besser spielen kann.“ Nur muss Ulm das auch einmal gegen ein Topteam der Liga zeigen.



Shortcut Die zweitbeste Offensive (85,6 PpS) der Beko BBL in der ersten Halbzeit bei 35 Zählern zu halten, verrät viel über den defensiven Fokus, mit dem Ratiopharm Ulm den Tabellenführer von Beginn der Partie an unter Druck setzte. Bis zum Start des vierten Viertels (51:55) konnte Ratiopharm Ulm diese Intensität aufs Parkett legen, doch dann forderte das zweite Spiel innerhalb von 45 Stunden seinen Tribut: Mit einer 2:11-Serie setzte ALBA sich ab (53:65) und drehte ein bis dato begeisterndes Basketballspiel zu seinen Gunsten. 

Keystats Wie kräftezehrend das Ulmer Spiel war, verdeutlicht ein Blick auf die 17 Turnovers (Berlin 14). Auch die 40-prozentige Feldwurfquote (Berlin 52 %) ist ein Indiz dafür, dass die in der Verteidigung investierte Kraft im Angriff fehlte. Am deutlichsten ist die Berliner Überlegenheit allerdings bei den „Points in the Paint“: 16 Zähler mehr gelangen den Hauptstädter in unmittelbarer Korbnähe (36 insgesamt). 

Top-Performer Während Alex Renfroe 11 seiner 16 Zähler in den ersten 20 Minuten erzielte, war Reggie Redding mit 13 Punkten (insgesamt 18) der Mann der zweiten Halbzeit. Mit acht Punkten (zwei Dreiern) glänzte der Forward im entscheidenden letzten Spielabschnitt. Zusätzlich lieferte Redding noch sechs Rebounds, fünf Assists, zwei Steals und einen Blockshot ab. Ulms Topscorer Brion Rush (15 Punkte) gelang in Halbzeit zwei nur noch ein Korberfolg.
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