Es ist eine Niederlage, die Mut macht – auch wenn sie im ersten Moment weh tut. Doch die Bundesliga-Basketballer von Ratiopharm Ulm haben sich beim 91:92 bei Virtus Bologna teuer verkauft und den Kandidaten auf den Eurocup-Sieg am Rande einer Niederlage gehabt. Zwar drehten die Italiener in einer dramatischen Endphase die Partie, doch die Gäste zeigte über weite Strecken, das im Team mehr steckt, als bislang gezeigt.

Die Hoffnung der Ulmer auf einen Erfolg war vor dem Sprungball nicht sehr groß, zumal sie ersatzgeschwächt antreten mussten. Tyler Harvey und Zoran Dragic fehlten verletzt, Isaiah Briscoe wegen eines Trauerfalls. Umso überraschender war das, was die 3752 Zuschauer im Paladozza Bologna zu sehen bekamen. Christoph Philipps, der in die Startformation gerückt war, erzielte die ersten Punkte. Nach dem 2:3 folgte ein 11:0-Lauf der Ulmer, die wie aus einem Guss spielten. Die Abwehr stand sicher und ließ kaum Punkte zu, im Angriff wurden die Würfe schön herausgespielt und hochprozentig getroffen. Das war die Art Basketball, die sich alle vom Team von Jaka Lakovic erhofft hatten.

Dessen Gegenüber Sasa Djordjevic reagiert und brachte Milos Teodosic. Der 32-Jährige zeigte gleich, warum er als einer der besten europäischen Aufbauspieler der vergangenen Jahre gilt und übernahm das Kommando. Die Ulmer ließen sich allerdings auch von Teodosics Auftritt nicht einschüchtern und spielten weiter souverän die Chancen heraus. Seth Hinrichs sorgte für die erste zweistellige Führung (21:11). Nach zehn Minuten führte der Außenseiter noch immer mit acht Zählern (26:18). Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Ratiopharm Ulm stark in einer Partie startete – allerdings reichte es bislang zu selten zu einem Sieg, wie zuletzt in Berlin, als Ulm drei Viertel lang gut mithielt, letztlich aber 89:109 unterlag.

In Bologna änderte sich im zweiten Viertel wenig. Ulm verteidigte stark und traf hochprozentig. Dabei war es egal, wen Lakovic aufs Feld schickte, jeder trug seinen Teil zur 50:42-Halbzeit-Führung bei. Nach der Pause sah es so aus, als ob Bologna nun der Favoritenrolle gerecht werden kann. Ein 7:0-Lauf in den ersten zwei Minuten, und die Hausherren waren auf 49:50 dran. Doch Kristofer Krause und Per Günther sorgten mit neun Punkten für die 59:52-Führung und Bolognas nächste Auszeit. Krause, der vor vier Jahren erst mit dem Basketball begonnen hat, verteidigte übrigens gegen Teodosic – und machte seine Sache gut.

Kein Team gibt vorzeitig auf

Die Auszeit zeigte Wirkung und der amtierende Champions-League-Sieger glich zum 59:59 aus. Mit ganz viel Einsatz verhinderten die Gäste den Führungswechsel und gingen mit einem 64:61 ins letzte Viertel. Da war das Ratiopharm-Team in Berlin eingebrochen. Doch dieses Mal hielt es dem Druck stand – zunächst. Als Hinrichs 77:67 traf, lag die Überraschung in der Luft.

Dann aber wollten die Ratiopharm-Akteure zu viel, vor allem der junge Killian Hayes, der ansonsten eine gute Partie machte, wollte nun die Entscheidung erzwingen. Das rächte sich, Bologna kam heran und ging 90 Sekunden vor der Sirene mit 85:84 in Führung. In einer dramatischen Schlussphase stemmten sich die Ulmer gegen die Niederlage, doch Per Günthers Wurf von kurz hinter Dreierlinie sprang nur an den Ring. Trotzdem war es eine Niederlage, die Selbstvertrauen für das Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen Würzburg gibt.

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