eSport Ratiopharm Ulm geht nun auch virtuell auf Korbjagd

Ulm / Christian Kern 08.08.2018

Eigentlich macht die Veranstaltung den Anschein eines ganz normalen Basketballturniers. Einige Akteure diskutieren nach der ersten Partie des Tages lautstark, resümieren ihre Leistungen und erörtern gemeinsam die Gründe für die Niederlage. Währenddessen machen sich die Spieler des zweiten Spiels warm, zeigen entspannt ein paar Handwechsel und werfen spaßeshalber aus allen erdenklichen Lagen auf den Korb.

Doch bei genauerem Betrachten wird klar: Eine normales Turnier ist der eCup von Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm nicht. Denn die besagten Spieler sind nicht in einer Sporthalle, sondern im VIP-Bereich der Ratiopharm-Arena und ihr Spielgerät ist nicht etwa der Ball, sondern ein Controller, mit dem sie ihren selbstkreierten Basketballspieler im erfolgreichen Videospiel „NBA 2k18“ steuern.

Zwar ist dieser „Athlet“ und die Partien, bei denen er mitspielt, nur rein virtuell, aber das scheint hier niemanden zu kümmern. Die Teilnehmer vor den Konsolen sind hochkonzentriert, jubeln enthusiastisch bei einem wichtigen Treffer und fassen sich enttäuscht an den Kopf, wenn das eigene Team knapp verliert – alles wie im „realen“ Sport. Zudem ist die Anspannung bei den Spielern heute besonders groß, denn Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm stellt den besten Akteuren des Events einen Platz in seiner neuen Mannschaft in Aussicht.

Von der Idee zum eigenen Team

„Es ist beeindruckend, wie nah das an den echten Sport rankommt“, meint Andreas Oettel. Der Geschäftsführer der Basketballer hatte schon lange Zeit die Idee, eine vereinseigene eSport-Mannschaft zusammenzustellen. „Wir wollen am Puls der Zeit bleiben“, so Oettel.  Ein Vorhaben, bei dem der Klub auch von seinem Hauptsponsor unterstützt wird: „Am Anfang waren wir skeptisch, aber jetzt wird Ratiopharm den Weg im eSports mitgehen“, meint Andreas Burkhardt, Geschäftsführer des Pharma-Unternehmens.

Die 20 besten Zocker der Vorauswahl sind in die Arena gekommen, um sich einen Platz im Team zu sichern. „Der Hype wird immer größer“, sagt Marvin Brischer. Der junge Mann ist tief in der eSports-Szene verwurzelt und spielt seit Jahren mit seinen Freunden Basketball an der Konsole. „Es macht einfach Spaß, aber natürlich hat man auch den Ehrgeiz, immer weiter nach oben zu kommen“, meint er.

Da viele Menschen diese Ansicht teilen, hat sich eSport mittlerweile als ernstzunehmende Sportart etabliert. Seit diesem Sommer haben die 32 Vereine der amerikanischen NBA alle eigene eSports-Teams, die in einer Liga gegeneinander antreten und ganz nebenbei um Preisgelder in Millionenhöhe kämpfen. Auch vor Deutschland hat der Trend nicht halt gemacht: Die Bundesligisten Skyliners Frankfurt und der FC Bayern München haben bereits eigene eSports-Mannschaften. „In ferner Zukunft wäre eine eBBL sicherlich wünschenswert“, blickt Oettel in die Zukunft.

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