Eurocup Ratiopharm Ulm bei Galatasaray Istanbul unter Beobachtung

Ismet Akpinar war im Hinspiel-Drama mit 26 Punkten der überragende Mann auf Seiten der Ulmer.
Ismet Akpinar war im Hinspiel-Drama mit 26 Punkten der überragende Mann auf Seiten der Ulmer. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Sebastian Schmid 14.11.2018

Während sich die Basketball-Fans über die Möglichkeit freuen, alle Partien ihres Lieblingsklubs (kostenpflichtig) verfolgen zu können, sehnt sich Thorsten Leibenath manchmal nach der guten alten Zeit, als bei weit entfernten Spielen keine Fans und Pressevertreten dabei waren. Angesichts fehlender Live-Übertragung waren die Medienvertreter auf Infos der Beteiligten angewiesen.

„Da haben wir teilweise auswärts unglaublich schlechte Leistungen abgeliefert, aber irgendwie gewonnen. Da es jedoch keiner gesehen hat, konnte ich danach behaupten, dass wir solide gespielt haben“, erinnert sich Leibenath. Doch die Zeiten sind vorbei. Nun kann sich jeder anschauen, wie sich Ulm heute bei Galatasaray Istanbul (18 Uhr/live bei Telekomsport) schlägt.

Den Deckmantel des Schweigens hätte Leibenath bislang aber auch ohne lückenlose TV-Übertragung nur schwer über die mitunter dürftigen Auftritte seines Teams legen können. Denn in der Bundesliga wurden alle vier Heimspiele vor jeweils 6200 Zuschauern verloren. Immerhin gelangen in der Ratiopharm-Arena auch die zwei bisherigen Erfolge im Eurocup, unter anderem gegen Galatasaray Istanbul.

Das Spiel gegen die Türken vor fünf Wochen war an Dramatik kaum zu überbieten. Nach zweimaliger Verlängerung setzten sich die Ulmer mit 102:93 durch und konnten dabei, angeführt von Ismet Akpinar (26 Punkte), im vierten Viertel einen 12-Punkte-Rückstand aufholen. Der Deutsch-Türke, der in Hamburg aufgewachsen ist, dessen Familie aber aus der Türkei stammt, dürfte spätestens seit diesem Auftritt in den Notizblöcken der Galatasaray-Verantwortlichen stehen und könnte heute mit einem weiteren Gala-Auftritt seinen Marktwert in der Türkei nochmal steigern. „Unabhängig vom Ergebnis und meiner persönlichen Leistung wird das Spiel in Istanbul für mich mit meinem Hintergrund etwas Besonderes sein“, stellte Akpinar klar.

Gala-Spiel dauerte 165 Minuten

Die Sonderschicht gegen Ulm wurde vergangene Woche sogar noch getoppt. Zwar ging die Partie des Istanbuler Vorzeigeklubs in Andorra nur einmal in die Verlängerung, insgesamt dauerte die Partie im Zwergstaat vom Sprungball bis zur Schlusssirene aber satte 165 Minuten. Grund dafür war neben der Overtime eine 25-minütige Unterbrechung wegen technischer Probleme. Am Ende standen die Türken übrigens erneut mit leeren Händen da und liegen mit einem Sieg weniger (2-4) einen Platz hinter Ulm (3-3). Deshalb wäre ein Erfolg am Bosporus für die Ratiopharm-Akteure im Bezug auf das Weiterkommen enorm wichtig. „Wir hätten dann einer Mannschaft gegenüber einen enormen Vorteil“, sagt Leibenath.

Dass Ulm die Reise auf sich nehmen muss, sieht er nach der Derby-Niederlage durchaus positiv: „Jetzt kann man sich nicht zu lange vergraben und in Selbstmitleid zerfließen.“ Eine gute Leistung wäre nicht nur für die Mannschaft wichtig, sondern würde auch zuhause Beachtung finden – schließlich können sich die Fans das Spiel live anschauen.

Ulm erneut beim „Pfiff der Woche“ vertreten

Richtig Langsam entsteht der Eindruck, dass es nur bei Spielen mit Ulmer Beteiligung strittige Schiedsrichter-Entscheidungen gibt. Nach sieben Spieltagen wurde zum dritten Mal eine Szene des Ratiopharm-Teams beim „Pfiff der Woche“ durch die Liga thematisiert. Nachdem bereits Szenen gegen Oldenburg und Gießen analysiert worden waren, war nun ein Offensivfoul von Bayreuths Gregor Hrovat an Ismet Akpinar dran. Der Ulmer rennt dabei auf Höhe der Mittellinie mitten in der Aufholjagd seines Teams beim 75:77 in den Block des Gegners. Laut Liga war es richtig, ein Offensivfoul zu geben, da Akpinar „weder Zeit, noch Raum zum Ausweichen hatte“.

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