Neu-Ulm Pokal: Ulmer Basketballer kämpfen ums Halbfinale

Ulms Center Tim Ohlbrecht (r.) hat nach seiner Verletzung wieder trainiert und könnte heute gegen seinen Ex-Klub Bamberg ein Comeback feiern.
Ulms Center Tim Ohlbrecht (r.) hat nach seiner Verletzung wieder trainiert und könnte heute gegen seinen Ex-Klub Bamberg ein Comeback feiern. © Foto: Eibner
Neu-Ulm / SEBASTIAN SCHMID 18.02.2015
Mit dem Bundesliga-Spitzenreiter Bamberg wartet auf die Ulmer Basketballer heute eine ganz schwere Hürde auf dem Weg zum Top-Four. Ein Sieg würde dem kriselnden Ratiopharm-Team gut tun.

Zweimal in Folge verloren und schlecht gespielt; Pfiffe von den eigenen Fans; Gerüchte, dass es in der Mannschaft nicht mehr stimmt; Kritik an Trainer und einzelnen Spielern: Es war schon einmal angenehmer, bei Ratiopharm Ulm unter Vertrag zu stehen. Ausgerechnet in dieser Phase kommen heute (20 Uhr) die Baskets Bamberg in die ausverkaufte Arena, ohnehin nicht der Lieblingsgegner der Ulmer. Viele Duelle der beiden Teams boten zwar beste Unterhaltung, fast immer siegten jedoch die Franken.

Trotzdem war das Ratiopharm-Team unter der Ägide von Thorsten Leibenath noch nie größerer Außenseiter gegen Bamberg, als heute im Alles-oder-nichts-Spiel um die Teilnahme am Top-Four um den Basketball-Pokal (11./12. April in Oldenburg). Insofern verwundert es ein wenig, dass Leibenath sagt: "Wir gehen mit der nötigen Portion Selbstvertrauen in die Partie."

In Bayreuth (82:94) und zuhause gegen den Mitteldeutschen BC (63:84) trat das Team zuletzt alles andere als selbstbewusst auf. Leibenath zieht seine Zuversicht vor dem Kräftemessen mit dem Bundesliga-Spitzenreiter aus der jüngeren Top-Four-Geschichte. "In den vergangenen drei Jahren waren wir die einzige Mannschaft, die immer dabei war." Bei den vergangenen beiden Auftritten gelang sogar der Einzug ins Finale, beides Mal zog Ulm gegen Berlin dabei den Kürzeren.

Allerdings hatte das Ratiopharm-Team im Pokal-Viertelfinale stets Losglück. Vor zwei Jahren fertigte man zuhause Trier, das am Ende der Saison Zwölfter wurde, mit 70:99 ab. In der Saison davor kam Oldenburg in die Ratiopharm-Arena und reiste mit einem 66:86 im Gepäck die Heimreise an. Die EWE Baskets verpassten in dieser Spielzeit als Zehnter die Playoffs. Im vergangenen Jahr war gar kein Sieg nötig, die Ulmer waren als Gastgeber für das Halbfinale gesetzt.

Nun bekommt es der Pokalsieger von 1996 mit Bamberg zu tun, einem Team, das am Ende der Hauptrunde sicherlich nicht die Playoffs verpassen wird und das zuletzt zwölf Bundesligaspiele in Folge gewinnen konnte. Die Favoritenrolle zwischen den beiden Teams war unter Leibenath noch nie klarer verteilt. Der 39-Jährige weiß das und stellt klar, dass man "einen sehr guten Tag braucht", um das Ticket für Oldenburg zu sichern. Dabei dürfte es helfen, dass Center Tim Ohlbrecht nach seiner Sprunggelenksverletzung im Mannschaftstraining zurück ist und gegen seinen Ex-Klub wohl auflaufen wird.

Natürlich hat sich der Ulmer Trainer mit Bamberg beschäftigt und dabei eine athletische, defensivstarke und diszipliniert auftretende Mannschaft gesehen. Doch ebenso wichtig wie die Analyse des Gegners ist die Grundlagenforschung für die eigene Misere. Dass seinen Spielern vorgeworfen wird, nicht mehr als Mannschaft aufzutreten, kann Leibenath teils nachvollziehen. "Der Eindruck kann entstehen, wenn der Ball nicht mehr bewegt wird." Statt Team-Basketball zu spielen, brechen immer wieder einzelne Spieler aus dem System aus und versuchen es mit Einzelaktionen - erfolglos. Das Ergebnis war nicht immer schön anzusehen.

Den Gerüchten, dass es innerhalb der Mannschaft nicht mehr stimmt und sich einzelne Gruppen gebildet haben, kann Leibenath nichts abgewinnen: "Ich wüsste nicht, welche Grüppchen sich da gebildet haben sollen. Das schließe ich aus." Über die Pfiffe der Fans, in Ulm eine ungewohnte Reaktion, hat er mit dem Team nicht gesprochen. Dass es ein Thema unter den Spielern war, wollte Leibenath nicht ausschließen.

Dass in so einer Situation auch Kritik am Trainer aufkommt, weiß Leibenath. So weit, diese Zeit als die schwierigste Phase seit seiner Ankunft 2011 in Ulm zu bezeichnen, geht er nicht: "Wir haben zweimal in Folge verloren und dabei nicht gut gespielt. Ich glaube nicht, dass das die schwierigste Situation ist - ich müsste darüber aber erst nochmal nachdenken. Es ist eine herausfordernde Situation - und ich mag Herausforderungen." Der sicherste, wenn auch schwere Weg, die Kritiker zumindest vorübergehend verstummen zu lassen und die Fans zu versöhnen, wäre ein Sieg heute gegen die Bamberger.

Die weiteren Partien

Berlin - München heute, 20 Uhr

Bonn - Göttingen Di., 24. Feb., 20 Uhr

Als Gastgeber ist Oldenburg für das Top-Four-Turnier am 11./12. April gesetzt.