Basketball Philipp Schwethelm: Karriere im Schnelldurchlauf

Ulm / SEBASTIAN SCHMID 08.10.2014
Im Alter von 25 Jahren hat Philipp Schwethelm bereits 254 Erstligaspiele auf dem Buckel. Eine Belastung, die ihre Spuren hinterlassen hat. Trotzdem geht der Basketballer so fit wie nie in seine Jubiläumssaison.

Philipp Schwethelm ist gerade einmal 25 Jahre alt, und doch bestreitet er bereits seine zehnte Saison in der Bundesliga. Wenn man den gebürtigen Gummersbacher auf und abseits des Spielfelds sieht, scheint es, dass er in seinem Leben irgendwann ein paar Jahre übersprungen hat, so reif und abgeklärt wirkt er. Seine Karriere verlief bislang im Schnelldurchlauf.

Die 254 Bundesligapartien haben ihre Spuren hinterlassen. "Neun Jahre Leistungssport steckt der Körper eben nicht so leicht weg", so der 2,01 Meter große Basketballer. Inzwischen braucht es seine Zeit, bis alle Muskeln auf Betriebstemperatur sind. Deshalb kommt er vor den Spielen von Ratiopharm Ulm als einer der ersten auf das Feld, dehnt sich, wärmt sich langsam auf und wirft auf den Korb. Zwei Jahre lang machte ihm der Rücken zu schaffen, letztes Jahr kamen Schulterprobleme hinzu. Die Saison war eine Tortur, doch Schwethelm biss auf die Zähne und zog bis zum Ende voll durch. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Berlin zog er die Reißleine - und sagte der Nationalmannschaft für die EM-Qualifikation ab.

Zunächst ging er nach Baden-Baden zu einer fünftägigen Entgiftungskur. Danach hatte Schwethelm zum ersten Mal seit seiner Jugend den Sommer frei. In Barcelona besuchte er Assistenztrainer Jesus Ramirez, in Berlin und London Freunde. Mit seiner Familie ging er erstmals seit neun Jahren in den Urlaub, nach Frankreich.

Als er sich ausgiebig erholt hatte, machte sich Schwethelm frisch ans Werk. Drei Wochen lang arbeitete er an seiner Fitness, dann folgten drei Wochen Basketball-spezifisches Training - alles vor dem offiziellen Vorbereitungsstart. Als Trainer Thorsten Leibenath zu den ersten Fitnesstests bat, machte Schwethelm den Anfang: "Danach dachten alle, die Geräte sind kaputt." So gut waren die Laktatwerte. Noch nie sei er so fit in die Saison gegangen. "Körperlich bin ich echt gut drauf. Der Tank ist voll." Wie zum Beweis stellte der Scharfschütze beim 77:70-Sieg in Frankfurt mit 22 Punkten seine Karriere-Bestmarke ein.

Am Mittwochabend trifft der 49-fache Nationalspieler auf einen ehemaligen Weggefährten, der Eindruck hinterlassen hat. Immanuel McElroy ist mit Braunschweig zu Gast. "Von ihm habe ich viel über Defense gelernt", sagt Schwethelm. 2006, in seinem ersten Jahr bei den Profis, feierte er an McElroys Seite mit den Köln 99ers die Meisterschaft. Ein Titel, der zwar in seiner Vita auftaucht, zu dem er aber keinen großen Bezug hat. Als Jungspund gehörte Schwethelm unter Trainer Sasa Obradovic zwar zum Team und feierte am 19. Oktober 2005 als 16-Jähriger sein Erstliga-Debüt. Große Spielanteile hatte er aber nicht. Ein Jahr später gewann er mit Köln den Pokal.

Eine Partie, die dem Hobbykoch besonders in Erinnerung geblieben ist, hat mit Leibenath zu tun. Der coachte 2008 die Gießen 46ers und war direkt nach der Insolvenz der Kölner am Rhein zu Gast. "Die Gießener Fans sangen schon vor dem Spiel ,Auswärtssieg", erinnert sich Schwethelm. Köln trat nach der Insolvenz mit der halben Jugendmannschaft an, unter anderem mit dem damals 17-jährigen Schwethelm, der 40 Minuten lang Point Guard spielte - und gewann 78:67.

In den neun absolvierten Bundesliga-Runden, die er nun dabei ist, hat sich viel verändert. Früher habe er sich immer riesig gefreut, wenn er vor dem Spiel beim Gegner ein bekanntes Gesicht entdeckten konnte. Die Fluktuation bei den Vereinen war zu groß, jedes Jahr kamen neue Amerikaner hinzu, die alten gingen. Es gab keine Konstanz in der Liga. "Die Fans hätten das nicht mehr lange mitgemacht", ist sich Schwethelm sicher. Der Deutschen-Quote sei es zu verdanken, dass das nun anders ist und die Liga - auch dank gestiegener Etats - boomt. "Wir sind dabei eine Basketballkultur in Deutschland zu entwickeln." Inzwischen komme er gar nicht mehr dazu, vor den Spielen jedes bekannte Gesicht zu begrüßen.

Für seine Jubiläumssaison mit Ulm, wo er nach Stationen in Köln, Bremerhaven und München 2012 gelandet ist, hat sich Schwethelm viel vorgenommen: "Ich bin unglaublich motiviert und habe noch einen großen Traum und ein Ziel vor Augen, das mich antreibt, weiter in die Halle zu gehen und Extraschichten zu schieben. Ich möchte noch einmal einen Titel gewinnen! Am liebsten mit Ulm, in Ulm und nicht um Ulm herum."

Kehrt Günther heute zurück?

Comeback in Aussicht Kehrt Per Günther heute zurück? Coach Thorsten Leibenath wollte sich vor dem noch nicht ausverkauften Heimspiel mit Braunschweig (18.30 Uhr) nicht in die Karten schauen lassen und verriet nur, dass der am Knie verletzte Aufbauspieler am Montag ein erstes Wurftraining absolviert hat. Einen Comeback-Termin nannte Leibenath nicht, nur so viel: "Ich gehe davon aus, dass es sich um Tage und nicht um Wochen handelt."

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