Basketball Per Günther über seine Zukunftspläne: „Gibt nur zwei Optionen“

Per Günther muss sich diese Saison mit einer kleineren Rolle im Team von Ratiopharm Ulm begnügen.
Per Günther muss sich diese Saison mit einer kleineren Rolle im Team von Ratiopharm Ulm begnügen. © Foto: Langer/Eibner-Pressefoto
Ulm / Sebastian Schmid 30.11.2018

Ginge es nach den Fans von Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm, dann würde es in Ulm schon längst eine Per-Günther-Straße geben. Doch auch ohne eine solche ist klar, dass der 30-Jährige, der 2008 aus Hagen kam,  in der Stadt und über ihre Grenzen hinaus Kultstatus genießt. Der 1,84 Meter große Aufbauspieler ist ein gefragter Gesprächspartner, vor allem, weil er sich nicht scheut, Dinge konkret und ohne Blatt vor dem Mund anzusprechen. In der heutigen Sport-und Medienlandschaft keine Selbstverständlichkeit mehr.

Am Montag sind Sie Co-Kommentator beim Länderspiel Deutschland gegen Estland. Was sagen Sie zur Nationalmannschaft?

Per Günther Da könnte man nicht arg viel optimistischer sein. Ich glaube, dass die Mannschaft vielleicht schon bei der WM im nächsten Jahr Außenseiterchancen auf eine Medaille hat. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird Deutschland dann immer zum Favoritenkreis gehören.

Für Sie ist das Kapitel Nationalmannschaft abgeschlossen. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Mit gemischten Gefühlen. Die Abende, an denen ich ein super Spiel für Deutschland gemacht habe, kann ich an einer Hand abzählen. Aber sie haben einen besonderen Stellenwert. Auf der anderen Seite sind die Frustrationen auch am größten. Die haben in meiner Länderspielkarriere sicherlich überwogen.

Ist diese Co-Kommentation eine Sache, die Sie mit Blick auf die Zeit nach der Karriere ausprobieren?

Ja, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mal Trainer oder Manager werde. Wenn man dem Basketball trotzdem verbunden bleiben will, ist das ein guter Weg. Ich glaube nicht, dass ich dann 30 Jahre lang TV-Kommentator sein werde, aber in der Übergangsphase kann ich mir das gut vorstellen.

Das hört sich so an, als ob Sie sich bereits mit dem Karriereende auseinandersetzen.

Ja, es ja auch absehbar, dass es vorbeigeht. Natürlich wünsche ich mir, dass ich im März fit wie ein Turnschuh bin und einen Fünf-Jahres-Vertrag verlange. Aber es waren zuletzt zwei Jahre, die körperlich nicht so einfach waren.

Sie haben diese Saison eine andere Rolle im Team und kommen von der Bank. Führte das auch dazu, dass Sie sich Gedanken gemacht haben, wie lange Sie noch weiterspielen wollen?

Klar. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich sage: Wenn nicht mehr alles nach meiner Pfeife tanzt, habe ich keine Lust mehr. Man beschäftigt sich aber schon damit, wie man wahrgenommen werden will. Ich will nicht zwei Saisons haben, in denen ich ab und zu mal eingewechselt werde, fünf Minuten spiele und die Menge johlt, wenn ich tatsächlich mal einen reinwerfe. Da habe ich keinen Bock drauf.

Auch wenn Sie momentan nicht mehr starten, stehen Sie über 15 Minuten auf dem Feld. Ist das eine Rolle, mit der Sie leben können?

So lange es Spiele gibt, in denen ich beeinflussen kann, ob wir gewinnen oder verlieren, macht es mir schon noch Spaß. Das klappt jetzt besser, als zu Saisonbeginn.

Fiel Ihnen die Umstellung vom Starter zum Bankspieler schwer?

Zum letzten Mal hatte ich mit 20 Jahren so eine Rolle. Natürlich wusste ich, dass ich mit Patrick Miller um den Spot als Starter kämpfen werde. Aber dass es im ersten Spiel dann so deutlich ist – der eine spielt 30 Minuten, der andere zehn – damit hatte ich nicht gerechnet. Da musste ich mich erst einmal mental darauf einlassen und dann tatsächlich wieder lernen, gleich zu funktionieren.

Das war sicherlich nicht einfach, vor allem weil Patrick Miller zu Saisonbeginn nicht überzeugen konnte.

Ja, aber so muss es laufen. Wenn du als Trainer so eine Entscheidung triffst, dann kannst du nicht nach zwei Spielen alles über den Haufen werfen.

Ab wann wussten Sie, dass sich Ihre Rolle ändern wird.

Thorsten hat mir gesagt, dass meine Position als Starter nicht gesichert ist. Wer sich durchsetzt kriegt den Job. So soll es auch sein. Die jetzige Situation bestätigt irgendwie auch, dass ich nicht zehn Jahre lang gestartet bin, weil ich der beliebteste Spieler der Liga war, sondern weil ich der beste Aufbauspieler war, den wir hatten. Wenn ich das nicht bin, will ich auch nicht starten.

Hat unter der neuen Rolle das Verhältnis zu Trainer Thorsten Leibenath gelitten?

Nein. Man muss das einordnen können. Er macht das Richtige. Ich habe letztes Jahr nicht so gut gespielt, wie ich es kann und wir haben nicht gewonnen. Er ist der Entscheidungsträger und sein Job hängt davon ab, ob wir Spiele gewinnen oder nicht. Deshalb muss er die Entscheidung treffen, die ihm die bestmöglichen Chancen bietet.

Woran hapert es diese Saison noch im Team?

Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass wir so schlecht in die Saison gestartet sind. Es ist der vierte Katastrophenstart in den letzten fünf Jahren. Es ist schon auffällig, dass wir längere Zeit brauchen, bis es bei uns klickt. Die Defensive ist sicherlich nicht so rüttelfest, wie sie sein sollte. Und dann haben wir offensiv wahnsinnig viele Optionen – das ist manchmal nicht einfach.

Wenn man in vier von fünf Spielzeiten schlecht startet, muss man dann in der Vorbereitung etwas anders machen?

Ich maße mir nicht an, das zu behaupten. Thorsten hat gezeigt, dass wir auch exzellent in Saisons starten können. Dieses Jahr hat man deutlich gemerkt, dass die Intensität und das Pensum in der Vorbereitung noch einmal erhöht wurden. Dann waren es auch knappe Niederlagen gegen gute Gegner.

Sie sind in Ihrem letzten Vertragsjahr bei Ratiopharm Ulm. Wie geht es nächste Saison für Sie weiter?

Es gibt nur zwei Optionen für mich: Entweder ich spiele in Ulm weiter oder ich höre auf. Ich mache mir da aber keine großen Gedanken. Ich spiele statistisch gesehen jetzt eine bessere Saison in 14 Minuten als letztes Jahr in 20. Jedoch ist es tatsächlich das erste Mal, dass es Ende November ist, und ich noch nichts vom Verein gehört habe. De facto ist es in der Kaderplanung entscheidend, wie die deutschen Positionen besetzt werden. Da stehe ich in der Hackordnung oder Nahrungskette nicht mehr ganz oben. Der Verein muss erst schauen, was er mit Ismet Akpinar und David Krämer macht und dann, was mit dem Rest des Kaders ist.

Haben Sie mit Ihrer Frau schon einmal überlegt, wo Sie nach der Karriere wohnen werden?

Da ist alles möglich. Wir haben hier einen Kita-Platz und fühlen uns super-wohl. Wenn der Körper mitmacht, will ich noch zwei Jahre spielen und dann sind wir in dieser Zeit hier in Ulm.

Das sagt der Trainer über seinen Team-Kapitän

Thorsten Leibenath arbeitet seit 2011 bei Ratiopharm Ulm mit Per Günther zusammen. Der Trainer ist voll des Lobes für seinen Spielmacher. Er beschreibt den 30-Jährigen als intelligent, reflektiert, pointiert und motiviert. „Als Basketballer schätze ich an ihm sein Spielverständnis. Da gibt es wenige Spieler, die ihm das Wasser reichen können. Er weiß ganz genau, wann er welche seiner Qualitäten einsetzen muss“, sagt Leibenath über den gebürtigen Hagener. Außerdem lobt der Coach Günther für dessen „Ehrgeiz, der ungebrochen ist und seine Professionalität.“ Seit der 65-fache Nationalspieler von der Bank ins Spiel kommt, ist er für Leibenath in der Defensive ein noch wichtigerer Faktor.

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