Basketball Per Günther kehrt bei 3. Playoff-Spiel zur alten Form zurück

Ulm / Von Sebastian Schmid 15.05.2017

Als die monatelange Leidenszeit endlich zu Ende war, fiel selbst dem sonst so schlagfertigen Per Günther nichts mehr ein. „Ich hab’ heute nicht viele schlaue Worte“, sagte der 29-Jährige nach dem 87:76-Sieg der Ulmer Basketballer gegen die MHP Riesen Ludwigsburg. Dass das Ratiopharm-Team durch den Erfolg in der Playoff-Viertelfinalserie mit 2:1 in Führung gegangen ist und mit einem Sieg am Dienstag (20.30 Uhr) in Ludwigsburg den Halbfinaleinzug vorzeitig perfekt machen kann, geriet angesichts der Leistung des Teamkapitäns fast zur Nebensache.

21 Punkte, fünf von sechs Dreiern, die Kaltschnäuzigkeit, mit der er vor einem Jahr großen Anteil am Finaleinzug hatte – Per Günther hat sich eindrucksvoll aus seinem Formtief zurückgemeldet. Sein Trainer Thorsten Leibenath hatte einen Tag vorher beinahe hellseherisch angekündigt, dass die Ulmer Nummer sechs jederzeit zur alten Stärke zurückfinden kann. Knapp 31 Stunden später war es dann tatsächlich soweit. Allerdings wollte Leibenath den Auftritt nicht überbewerten: „Per hat gut gespielt. Nichts, was jetzt außergewöhnlich ist.“

Günther selber sah das ein wenig anders. „Ich habe im zweiten Viertel auf der Bank eine Träne verdrückt, weil sich mein Körper und mein Gehirn wieder gesund angefühlt haben“, sagte er im Interview bei Telekom-Basketball. Ende letzten Jahres hatte sich der 29-Jährige verletzt und war wegen Nackenproblemen mehrere Wochen ausgefallen. Im Januar hatte er bei der Pokalniederlage in Ludwigsburg ein Comeback gegeben, das zu früh kam, wie er zuletzt einräumte. Seinen Platz in der Startformation hatte Günther während seiner unfreiwilligen Auszeit an Braydon Hobbs verloren.

Nach der Rückkehr lief es nicht wie gewohnt für den ehrgeizigen Antreiber. Je länger die Würfe nicht fielen, desto mehr geriet der sonst so selbstbewusste Günther ins Grübeln. Vor allem in den vergangenen Wochen war ihm immer deutlicher anzusehen, wie sehr er mit der Situation haderte. Nach jedem Fehlwurf und nach jedem Korbleger, der vom Ring zurück ins Feld sprang, schüttelte er ungläubig den Kopf. Zwar stand er zuletzt wieder in der Startformation, doch wenn es in die entscheidende Phase des Spiels ging, saß Günther auf der Bank. Eine ungewohnte Situation für den Akteur, der bislang der Mann für die wichtigen Würfe war.

Die Ulmer Fans litten während dieser Zeit mit ihrem Helden. Für jeden Treffer feierte ihn die Fankurve mit Sprechchören. Am Samstagabend wurde Günther vor dem Spiel sogar mit einer speziell auf ihn zugeschnittenen Choreographie überrascht. Ein weiterer Anlass, sich für die Unterstützung der vergangenen Monate zu bedanken. „Ich muss ein Lob aussprechen, wie geduldig und positiv die Fans waren“, sagte Günther und schob gleich hinterher: „Ich hoffe, dass wir das jetzt nicht mehr brauchen.“

Eine Hoffnung, die alle Ulmer mit ihm teilen. Denn dass alle so mitfieberten, liegt nicht daran, dass es ohne Günther nicht lief. Das Team hatte sein Fehlen und sein Leistungstief überraschend gut weggesteckt und auch ohne seinen Anführer den ersten Platz nach der Hauptrunde erobert. Trotzdem war jedem klar, dass Günther zur gewohnten Form zurückfinden muss, wenn der Traum vom Titel Wirklichkeit werden soll. Mit ihm verfügt Leibenath nun über eine weitere gefährliche Offensivwaffe.

Nicht nur John Patrick wird sich überlegen müssen, wie er Chris Babb (20 Punkte), MVP Raymar Morgan (15) oder Augustine Rubit (16) stoppt, sondern nun auch, was er gegen Günther unternehmen will. Vorausgesetzt, der Auftritt war tatsächlich sein Comeback und nicht nur ein kurzes Aufflackern alter Stärke.

Trotz des letztlich klaren Heimsiegs und der Günther-Gala darf man aber nicht vergessen, dass die Viertelfinal-Serie noch nicht entschieden ist. Aber der Auftritt vom Samstag macht Mut, dass für Ulm in dieser Serie gegen den ehemaligen Angstgegner nichts mehr schief gehen wird.