Die EWE Baskets Oldenburg haben sensationell ihren Heimvorteil genutzt und gegen Favorit Brose Baskets zum ersten Mal den BBL-Pokal gewonnen. Der Gastgeber setzte sich gestern in einem packenden Endspiel mit 72:70 (34:34) gegen Bamberg durch. Im Team des neuen Trainers Mladen Drijencic erzielten gleich sieben Profis mindestens acht Punkte, für Bamberg reichten auch 19 Zähler des überragenden Bradley Wanamaker nicht zum vierten Pokalsieg seit 2010.

"Wir wussten, was Bamberg drauf hat, aber wir haben alles gegeben", sagte Center Philipp Neumann. "Wir sind zurück, man hat gesehen, wir sind gefährlich für die Playoffs." Auch Teamkollege Philip Zwiener schwärmte: "Das ist Emotion pur." Im silber-blauen Lamettaregen präsentierte "Mr. Oldenburg" und Kapitän Rickey Paulding seinen Fans den Pokal.

Wie schon beim 77:71 im Halbfinale gegen Bonn sicherten sich die Oldenburger den Sieg dank einer starken Schlussphase. Knapp sieben Minuten vor Ende lag Bamberg noch mit acht Punkten vorne, kassierte jedoch 13 Punkte hintereinander. Mit der Schlusssirene hatte noch Dawan Robinson die Chance zum Sieg, sein Dreier traf jedoch nur den Ring.

Nach einer bislang enttäuschenden Saison machte sich damit für Oldenburg bereits die Trennung von Trainer Sebastian Machowski vor drei Wochen bezahlt. Der neue Coach Drijencic feierte den Überraschungscoup überschwänglich. Als Lohn für den Coup wurde sein bis Saisonende laufender Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert.

Anders als beim klaren 86:65 im Halbfinale gegen Titelverteidiger Alba Berlin tat sich Bamberg lange Zeit schwer und ließ am Ende die Konzentration vermissen. Für Berlin war der 85:60-Erfolg im Spiel um Platz drei gegen Bonn kein Trost.

Im Endspiel brauchte Bamberg einige Zeit, um seine Klasse zu beweisen. Oldenburg erwischte einen perfekten Start, traf seine ersten drei Dreipunktwürfe und lag zwischenzeitlich mit 18:10 vorne. Völlig fassungslos über den leblosen Auftritt brüllte Bambergs Coach Andrea Trinchieri in der ersten Auszeit auf Neuzugang Darius Miller ein und verordnete seinem Team höhere defensive Intensität und bessere Arbeit beim Rebound. Die Standpauke wirkte. Angeführt von Janis Strelnieks kamen die Franken heran, Trevor Mbakwe glich beim 26:26 erstmals aus. Bis zur Halbzeit entwickelte sich ein hochklassiges Duell auf Augenhöhe.

Auch nach der Pause stellte Oldenburg den Favoriten vor einige Probleme. Wie schon bei seiner 22-Punkte-Gala gegen Berlin übernahm Wanamaker das Kommando, erzielte acht Zähler in 90 Sekunden zur 48:46-Führung. Nach dem 64:56 im Schlussviertel brach Bamberg aber ein. Bei Oldenburg überzeugten Casper Ware (13 Punkte) und Center Neumann.