Ulm Offensive Durchschlagskraft fehlt

Ulm / SEBASTIAN SCHMID 07.04.2014
Im vierten Anlauf hat Bayern München erstmals ein Pflichtspiel in der Ratiopharm-Arena gewonnen. Beim 59:70 leisteten sich die Gastgeber vor der Rekordkulisse von 6214 Zuschauern zu viele kleine Fehler.

Das ist mal eine Ansage: Nach dem 70:59-Erfolg der Bayern bei Ratiopharm Ulm kündigte Münchens Trainer Svetislav Pesic Großes an. Etwas verklausuliert erklärte der 64-jährige Erfolgstrainer, dass seine Mannschaft die beste wird, die jemals in der Basketball-Bundesliga gespielt hat. "Da bin ich mir hundertprozentig sicher. Das wird bald kommen", erklärte der Serbe.

So schnell kann es im Sport gehen. Vor einer Woche noch hatte Pesic beim Pokal nach der Niederlage gegen Bamberg im Spiel um Platz drei eine geschlagene Stunde auf seine Spieler in der Kabine eingeredet. Am Donnerstag folgte dann das Aus in der Euroleague. Und nun schlägt Pesic solche Töne an. Ob er die aktuelle oder eine kommende, weiter verstärkte Mannschaft meinte, ließ der Coach offen.

Es war ein hartes Stück Arbeit, bis der Erfolg der Münchner eingetütet und die Tabellenführung vor Meister Bamberg verteidigt war. Am kommenden Sonntag kommt es nun zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Topteams. Vier Wochen vor dem Start der Playoffs ist dieses Duell für die Ulmer vorerst nur am Rande von Bedeutung. Sollte die Truppe von Thorsten Leibenath den siebten Rang, auf dem sie momentan liegt, auch am Ende der regulären Saison belegen, wird es auf eines der beiden Teams treffen. Da ist es gut zu wissen, dass die Bayern nicht ganz so weit weg sind, wie sie es wohl gerne wären.

Am Sonntag dauerte es bis ins vierte Viertel, ehe sich die Bayern ein kleines, aber vorentscheidendes Polster verschaffen konnten. Dank einer starken Verteidigung bewahrte sich der Außenseiter lange Zeit die Chance, eine Woche nach dem 90:72-Pokal-Halbfinal-Coup, München die nächste Pleite zuzufügen. Doch anders als vor Wochenfrist, hatten die Ulmer in den entscheidenden Momenten nicht die passenden Antworten parat. So fabrizierte Will Clyburn beispielsweise beim Stand von 57:63 eineinhalb Minuten vor dem Ende völlig alleinstehend beim Dreierversuch einen Airball. Letzte Woche hatte er mit zwei Treffern in Serie von der Dreierlinie die Bayern endgültig erlegt.

In den ersten 20 Minuten lieferten sich die beiden Teams eine wahre Abwehrschlacht. Angesichts der Offensivkraft, die auf beiden Seiten vorhanden ist, war das 33:33 zu Pause überraschend. So war es auch die Abwehr, die die Trainer nach der Partie lobten. "Die Niederlage gegen Bayern ist enttäuschend, aber kein Beinbruch, denn wir können auf unsere defensive Leistung aufbauen", sagte Leibenath. Die Probleme hatten seine Schützlinge am anderen Ende des Spielfelds: "Wir haben gegen eine gute Münchner Defensive nicht die nötige Durchschlagskraft an den Tag gelegt und teilweise offene Würfe nicht getroffen."

Mit 59 Punkten blieben die Hausherren vor der Rekordkulisse von 6214 Zuschauern deutlich unter ihrem bisherigen Saisonschnitt von 83,3 Punkten pro Spiel und erzielten erstmals in dieser Bundesligasaison weniger als 60 Zähler. Ein Verdienst, den sich der Tabellenführer hart erarbeitet hat. "Wir haben eine unserer besten Defensiv-Leistungen in der Bundesliga gezeigt", sagte Pesic, dem es ein "Bedürfnis war, den Spielern zu gratulieren".

Während bei Ulm sich Adam Hess zwar warm machte, wegen einer Bauchmuskelzerrung aber unmöglich spielen konnte, leistete sich Pesic den Luxus, Nationalspieler Lucca Staiger und Stefan Hamann keine Sekunde aufs Feld zu schicken. Doch angeführt von Daniel Theis, der 19 Punkte erzielte und dabei mit drei erzielten Dreier ungewöhnlicherweise der erfolgreichste Distanzschütze der Ulmer war, stellte der Vizepokalsieger den Meisterschaftskandidaten ein ums andere Mal vor schwere Aufgaben.

Angebliche Verhandlung über einen Wechsel von Theis zu den Bayern verneinte Münchens Sportdirektor Marko Pesic übrigens. Sollte sein Klub an dem 22-Jährigen interessiert sein, würde es als erstes sein Ulmer Kollege Thomas Stoll erfahren, teilte Pesic mit. Zuletzt hatte Berlins Sportdirektor Mihat Demirel erklärt, dass die Hauptstädter Theis trotz eines bis 2015 gültigen Vertrags mit Ulm holen wollen.

Während der Forward gegen München gute Eigenwerbung betrieb, könnten andere Akteure im Team ihr Können nicht ganz abrufen. Edgar Sosa hatte wie bereits im Pokalfinale nicht seinen treffsichersten Tag erwischt. Zu Beginn des vierten Viertels verwarf der Dominikaner unter anderem vier Freiwürfe in Folge. Cameron Long rackerte wie immer unermüdlich in der Abwehr. Im Angriff traf er allerdings nur einen seiner acht Versuche aus dem Feld. Vergangene Woche hatte er München noch 19 Punkte eingeschenkt. Ähnlich war es bei Clyburn. Im Halbfinale waren es 18 Zähler, beendete er das Spiel mit vier Punkten. Die hatten es allerdings in sich. Beides Mal dunkte er den Ball krachend durch den Ring. Doch so spektakulär seine Treffer auch waren, sie zählten halt doch nur zwei Punkte. Auch Keaton Nankivil, der im Januar 2012 in letzter Sekunde zum 76:75 gegen München getroffen hatte, war weit davon entfernt, erneut zum Bayern-Schreck zu werden. In elf Minuten blieb er ohne Treffer.

Und so waren es die vielen Kleinigkeiten, die nicht gepasst haben, die den Münchnern im vierten Anlauf den ersten Sieg in der Ratiopharm-Arena bescherten. Gelingt es Ulm jedoch, sich bei einer starken Defensivleistung auch in der Offensive zu belohnen, dann ist gegen die Bayern etwas drin. Auch, wenn sie das stärkste Bundesliga-Team aller Zeiten sind.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel