Die heimischen Basketballanhänger haben derzeit keinen Mangel an Gesprächsstoff. Zum einen kommt heute mit Alba Berlin ein Team in die heimische Arena Hohenlohe, das seit vielen Jahren für hochklassigen Basketball steht. Zum anderen sorgt Frank Turner mit seinem spielentscheidenden, verwegenen Dreier in Gießen immer noch für bewunderndes Staunen – und zu guter Letzt landen die Merlins einen überraschenden Transfercoup. Hollis Thompson, so der Name des Neu-Crailsheimers, hat über 260 Spiele in der US-Profiliga NBA auf dem Buckel. Der 28-Jährige ist am Dienstag hier eingetroffen.

Berlin hochkarätig besetzt

Giedraitis, Giffey, Siva, Thiemann oder Ex-Merlin Saibou. Die Hauptstädter sind hochkarätig besetzt, stehen in der Liga auf Platz 4. Auch auf internationaler Bühne machen die Albatrosse eine hervorragende Figur. Ab Dienstag treffen sie im Eurocup-­Finale auf das Team aus Valencia. Luke Sikma wurde zum MVP dieser Serie, Aíto García Reneses zum Coach des Jahres im Eurocup gewählt.

Die Statistiken im Vergleich mit den Merlins sprechen eine klare Sprache. Die Berliner werfen durchschnittlich mehr Punkte, treffen hochprozentiger und greifen sich mehr Rebounds. „Alba gehört zu den Topteams. Wir müssen unser Tempo stetig hochhalten, haben in den letzten Spielen deutliche Fortschritte gemacht und gepunktet. Mit der Verpflichtung von Hollis Thompson können und müssen wir auf unser eigenes Spiel vertrauen und ihn erfolgreich integrieren“, sagt Merlins-Coach Tuomas Iisalo vor der Partie.

Die Konzentrationsfrage war das beherrschende Thema bei Alba nach dem hart erkämpften 92:81-Heimsieg gegen Ulm am Dienstag. Das Spiel war Auftakt zu einem wahren Marathon. Bis zu 15 Partien in nur 35 Tagen drohen den Berlinern. Und schon gegen Ulm zeigten sich bei Alba, zwei Tage nach dem Sieg in Bamberg, vor allem zu Beginn Konzentrationsmängel. Und am Dienstag folgt das nächste Saison-­Highlight: die erste Eurocup-­Finalpartie in Valencia.

„Wir müssen uns auf das Spiel bei den Merlins fokussieren“, betont Berlins neuer spanischer Sportdirektor Himar Ojeda. „Das ist derzeit gar nicht so einfach, denn Valencia geistert durch die Köpfe. Wir haben zahlreiche Anfragen von spanischen Medien. Alle wollen etwas wissen, aber zunächst müssen wir uns auf die Liga konzentrieren. Die Crailsheimer Mannschaft hat einen guten Lauf, jetzt noch einen neuen Spieler hinzubekommen. Man muss klar sagen, dass sich die Mannschaft während der Saison verbessert und sehr positiv entwickelt hat“, so Himar Ojeda weiter.

„Es ist nicht einfach, in der Pro A so zu dominieren und dann in der BBL rasch Fuß zu fassen. Aber die Mannschaft hat eine gute Mentalität und sich, wie zuletzt in Gießen, auch belohnt. Natürlich“, räumt der Sportdirektor ein, „geht Alba als Favorit in die Partie, hat einen tiefer besetzten Kader und mehr Erfahrung.“ Aber: „In der BBL ist jede Partie kompliziert. Wir haben in Braunschweig, Vechta und Göttingen nicht gut gespielt und verloren. Wir müssen immer unser Bestes geben, um Erfolg zu haben.“

„Eigentlich habe ich ein ganz gutes Gefühl. Wir nehmen aus den letzten Spielen viel Positives mit“, erklärt Ingo Enskat, sportlicher Leiter der Merlins. „Gegen Bonn haben wir sehr gut gespielt, wenn auch knapp verloren. Gegen Bremerhaven zeigte die Mannschaft eine eher mäßige Leistung. Highlight war ein spektakuläres und erfolgreiches Ende. Das Spiel in Gießen war ganz speziell, mit sehr vielen Körben und Frank Turners außergewöhnlichem, mit der letzten Aktion entscheidendem Wurf.“

Neuzugang Hollis Thompson wird Trainingseinheit für Trainingseinheit in das Team von Tuomas Iisalo integriert. „Er muss die Abläufe und Systeme verstehen und das, was der Coach will.“ Ingo Enskat sieht auch, dass die Gäste derzeit stark gefordert sind. „Sie haben sicherlich aber auch einen Kader für solche Aufgaben. Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, sich immer wieder kurzfristig auf einen neuen Gegner zu fokussieren, ohne Zeit zu haben, dazwischen auch mal richtig runterzukommen. Das sollte für uns aber sicher kein Nachteil sein.“

Zwei Spieler müssen pausieren

Grundsätzlich sieht Enskat die Berliner im Rennen um die deutsche Meisterschaft „mindestens im Halbfinale, wenn nicht besser. Unsere Mannschaft hat zurzeit Vertrauen und wenn wir es wieder schaffen, dass der Funke überspringt, geht eigentlich gegen jeden Gegner etwas“, hofft Enskat auf eine Überraschung gegen die Berliner. Die Qual der Wahl hat Trainer Tuomas Iisalo, der jetzt zwei seiner ausländischen Spieler eine Pause verordnen muss.

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Info


Crailsheim – Berlin, Samstag, 20.30 Uhr, Arena Hohenlohe, Ilshofen