Ulm Nervenstark beim Schwachpunkt

Keaton Nankivil erzielte zwar zwölf Punkte gegen Braunschweig, war aber aus der Distanz wie seine Teamkollegen nicht sehr treffsicher. Foto: Lars Schwerdtfeger
Keaton Nankivil erzielte zwar zwölf Punkte gegen Braunschweig, war aber aus der Distanz wie seine Teamkollegen nicht sehr treffsicher. Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / SEBASTIAN SCHMID 14.04.2014
Dank einer ordentlichen Portion Glück haben die Ulmer Basketballer mit 81:79 gegen Braunschweig gewonnen. Trainer Thorsten Leibenath wundert sich vor allem über die Einstellung seiner Spieler.

Anhand der Mienen aller Beteiligten war es am Samstagabend in der Ratiopharm-Arena unmöglich, herauszufinden, wer das Spiel zuvor gewonnen hatte. In Thorsten Leibenaths Gesicht deutete jedenfalls nichts darauf hin, dass sein Team beim 81:79-Erfolg gegen die Phantoms Braunschweig den Kopf gerade noch so aus der Schlinge gezogen und mit Ach und Krach die 13. Niederlage in der Basketball-Bundesliga verhindert hatte.

Als der Trainer von Ratiopharm Ulm das Spiel analysierte, war auch in seiner Stimme keine Spur von Erleichterung zu erkennen. Mit ihrem Auftreten hatten die Spieler nicht nur die 6000 Fans in der Arena, sondern auch ihren Trainer überrascht. "Es ist für mich nachvollziehbar, wie der Ausfall eines Spielers dafür sorgt, dass man den Gegner auf die leichte Schulter nimmt", wunderte sich Leibenath.

Offensichtlich hatte der Umstand, dass Braunschweig in James Florence wegen Rückenproblemen auf einen von drei Leistungsträgern verzichten musste, bei den Hausherren den Eindruck geweckt, dass der Tabellenzwölfte sich ohne großen Kampf ergeben und es auch mit Halbgas zu einem Erfolg reichen wird. Gästetrainer Raoul Korner sah das ähnlich. Florences Ausfall habe "dazu beigetragen, dass Ulm das Spiel auf die leichte Schulter genommen hat".

Sollte das der Fall gewesen sein, war es ein fataler Fehler. Angetrieben vom Ex-Ulmer Isaiah Swann, der auf 25 Punkte kam, kämpften die Braunschweiger über 40 Minuten aufopferungsvoll für ihre Außenseiterchance auf den Sieg. Dass es am Ende nicht gereicht hat, war nicht zwingend ein Verdienst der Ulmer Spieler. Viel mehr leisteten sich die Phantoms in entscheidenden Momenten haarsträubende Fehler und versäumten es dadurch, einen Nutzen aus den Unzulänglichkeiten der Hausherren zu schlagen.

Knackpunkt war sicherlich das Technische Foul von Swann im dritten Viertel, als Ulm binnen Sekunden von 46:54 auf 52:54 heran kam. In den letzten eineinhalb Minuten versäumten es die Gäste dann mehrmals, alles klar zu machen: Erst warfen sie einen Einwurf direkt wieder ins Seitenaus, was Ulm zu einem Drei-Punkt-Spiel durch Matt Howard zum 78:79 nutzte. Es folgte ein Ballverlust, durch den der Pokalfinalist mit 80:79 in Führung gehen konnte. Höhepunkt der Braunschweiger Fehlerkette waren im Gegenzug die zwei vergebenen Freiwürfe von Immanuel McElroy 2,2 Sekunden vor dem Ende, die die unglückliche Niederlage besiegelten.

Korner sprach nach der Partie vom "Glück des Tüchtigen". Damit war Leibenath nicht einverstanden: "Da würde ich Raoul widersprechen. Das ist zu schmeichelhaft für die Leistung unserer Mannschaft." Der 39-Jährige beschönigte nichts am Auftritt seines Teams: "Das war keine gute Leistung von uns." Es war der Nervenstärke seiner Spieler in den entscheidenden Minuten zu verdanken, dass es irgendwie doch noch zum Sieg reichte.

"Dass wir gewonnen haben, liegt ironischerweise an der guten Freiwurfquote, die bislang im Saisonverlauf durchwachsen war", sagte Leibenath. 19 der 22 Versuche von der Freiwurflinie fanden gegen Braunschweig ihr Ziel. Mit 86 Prozent lag Ulm deutlich über dem eigenen Saisonschnitt von 74,8 Prozent getroffener Freiwürfe. Das lag sicher auch daran, dass Trent Plaisted kein einziges Mal an die Linie musste. Mit 52,4 Prozent ist der Center kein Meister dieses Fachs. Die schwache Ausbeute ist mit ein Grund, dass Leibenath in der entscheidenden Phase, wenn die Foulgrenzen erreicht sind und jeder Freiwurf zählt, lieber auf Matt Howard setzt und Plaisted auf die Bank beordert.

Für Korner hatte die Niederlage noch einen weiteren Grund, bei dem er sich "vorsichtig ausdrücken muss, damit ich mir keine Strafe einfange". Der 40 Jahre alte Österreicher wählte seine Worte also mit Bedacht: "Die letzten zwei, drei Minuten ist die Kugel des Schicksals sehr oft auf die orange Seite gerollt." Das war mal eine stilvolle Kritik an den Schiedsrichtern.

Nach dem Erfolg gegen die Phantoms sind die Ulmer nun auf einem sehr, sehr guten Weg Richtung Playoffs. Allerdings konnte eine Hiobsbotschaft folgen. Daniel Theis, der sich im Abschlusstraining am Knie verletzt hatte, wird heute genauer untersucht. Der 22-Jährige droht längere Zeit auszufallen.

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