Play-off Nervenkitzel bis in die Haarspitzen

Crailsheim / KLAUS HELMSTETTER 26.04.2014
Wahnsinnsstimmung - gibt es dafür eine Steigerung? Wenn ja, beschreibt der Begriff das, was sich gestern Abend in der Hakro-Arena abgespielt hat. Ein dramatisches Finish mit Merlins-Sieg nach Verlängerung.

Die eine hält sich die Hand vor die Augen, weil sie schon gar nicht mehr hinschauen kann. Der andere drückt seine beiden Daumen ganz fest. Die Dramatik ist in der Verlängerung beinahe mit Händen zu greifen. Es geht hoch und runter. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Jeder Pass, jeder Wurf kann entscheidend sein, für Sieg oder Niederlage. Krimi-Zeit im Play-off-Halbfinale. "Den Ausschlag gab letztlich die Intensität. So etwas reißt einen schon von den Stühlen", betonte Ingo Enskat unmittelbar nach dem Abpfiff. "Natürlich haben wir Kampfgeist pur gesehen, wobei beiden Teams die spielerische Linie verloren ging, aber wir wollten am Ende den Sieg auch unbedingt", fuhr der sportliche Leiter der Crailsheimer Korbjäger fort.

Nach 40 heiß umkämpften Minuten alles nochmal auf Anfang. Verlängerung: 77:77 nach dem vierten Viertel. Ganz stark in der entscheidenden Phase der Turm in der Schlacht, wenn man so will: Andreas Kronhardt. Auf sagenhafte 16 Rebounds brachte er es, ein Vorbild an Einsatz und Engagement. Immer wieder dort zu finden, wo es auch mal weh tun kann. Er machte ein klasse Spiel.

Die Halle steht Kopf, schon vor der Verlängerung. Jetzt erst recht. Medlock vertändelt, Chris Tetzner hat an der Freiwurflinie wenig Fortune. Josten Crow versenkt seine beiden Bälle. Im nächsten Angriff genügt Carlos Medlock eine einfache Körpertäuschung, um frei zum Korbleger zu kommen. Im Vorfeld hatte er in zwei Situationen die Kollegen mit "No-Look-Pässen" schon ausgezeichnet in Szene gesetzt. Es steht inzwischen 84:82. Auf der Uhr bleiben knapp zwei Minuten Restzeit. Nach einem Foul im Dreierversuch marschiert Carlos Medlock erneut an die Freiwurflinie. Und er trifft: einmal, zweimal, dreimal - 87:82. Dann ein schlampiger Pass im Crailsheimer Aufbauspiel. Nürnbergs Sebastian Schröder schnappt sich die Kugel, muss einen Dreier versuchen, um nochmal ranzukommen. Der Ball rollt am Ring entlang, ist schon im Korb - und springt wieder raus.

Vorne trifft Chris Tetzner zwei Freiwürfe und baut den Vorsprung auf sechs Punkte aus. 48 Sekunden sind noch zu spielen. Die Merlins brauchen zu lange für ihren Einwurf von der Grundlinie und bringen sich damit unnötigerweise erneut in die Bredouille. Nürnbergs Topscorer Ahmad Smith mit 27 Punkten (Nummer 1) verwirft. Die Merlins kommen wieder in Ballbesitz. Noch 26 Sekunden. Die Halle steht endgültig Kopf. Yorman Polas erzielt die letzten beiden Punkte. Die gehen aber beinahe schon unter in den Jubelarien.

Die Mannschaft wird gefeiert, läuft ihre Ehrenrunde, wird abgeklatscht. Die 2:1-Führung in der Halbfinalserie ist perfekt. So ein Spiel schlaucht ganz schön. Auch auf der Tribüne. Mit durchgeschwitztem T-Shirt. Die Aufzeichnung dieses Spieles taugt allemal als Werbe- und Lehrvideo in Sachen Play-off-Stimmung. Und der Krimi ist noch nicht vorbei. Am Sonntag wird in Nürnberg das nächste Kapitel geschrieben (siehe Infokasten rechts daneben).

Crailsheim - Nürnberg 91:85 n. V.

Viertel: 21:16; 40:41; 64:61; 77:77; 91:85

Spielfilm: 0:4 / 4:4/ 17:10 / 17:12 / 21:16 (1.V.)

24:20 / 28:22 / 30:26 / 34:35 / 40:41 (HZ)

47:44 / 52:46 / 54:54 / 64:57 / 64:61 (3.V.)

66:63 / 69:69 / 72:69 / 72:72 / 77:77 (4.V.)

82:80 / 84:82 / 87:83 / 89:85 / 91:85 n.V.

Crailsheim: Crow (5 Punkte), Medlock (12, 9 Assists), Heinrich, Polas (12), Friedel (7), Kronhardt (7, 16 Rebounds), Tetzner (3), Sullivan (21), Moore (18, 9 Rebounds), Johnson (6)

Nürnberg: Smith (27 Punkte), Thompson (10), Wolf, Reile (7), Chavis, Fleischmann (7), Schröder (11), Merriex (1, 8 Rebounds), Bernard (22)

Spiel 4 wieder auswärts
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